Ein kal­ter Herbst steht be­vor

Kon­junk­tur. Die Ab­küh­lung des Wirt­schafts­wachs­tums ging im zwei­ten Quar­tal wei­ter. Noch stützt der pri­va­te Kon­sum. Aber auch der fiel schon 2018 schwä­cher aus als ur­sprüng­lich er­war­tet.

Die Presse - - ECONOMIST - VON JA­KOB ZIRM

Wi­en. Ih­re ak­tu­el­le Herbst­pro­gno­se stel­len die bei­den hei­mi­schen Wirt­schafts­for­schungs­in­sti­tu­te IHS und Wi­fo ja erst En­de der kom­men­den Wo­che vor. Aber schon ges­tern, Mitt­woch, wur­de klar, dass sich die kon­junk­tu­rel­len Aus­sich­ten eher kühl aus­ma­chen. So ver­öf­fent­lich­te das Wi­fo die BIPEnt­wick­lung des zwei­ten Quar­tals. Und die­se fiel mit ei­nem Wert von 0,3 Pro­zent so schwach aus wie zu­letzt An­fang 2015. Nimmt man den Wert ge­mäß Eu­ro­s­tat-Vor­ga­be (bei die­sem sind ei­ni­ge kurz­fris­ti­ge Ef­fek­te nicht ge­glät­tet), ver­zeich­ne­te Ös­ter­reich im zwei­ten Quar­tal so­gar ein Null­wachs­tum.

„Welt­weit ist zur­zeit ei­ne Kon­junk­tur­ab­küh­lung im Gan­ge. Und die Ris­ken sind in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten eher nicht klei­ner, son­dern grö­ßer ge­wor­den“, sagt da­zu Wi­fo-Öko­nom Jür­gen Bier­bau­mer-Pol­ly zur „Pres­se“. „Auch in den kom­men­den ein bis zwei Jah­ren ist ein Wie­deran­sprin­gen des Wachs­tums nicht sehr wahr­schein­lich“, so Bier­bau­mer-Pol­ly wei­ter.

Deutsch­land färbt ab

In Deutsch­land, Ös­ter­reichs wich­tigs­tem Han­dels­part­ner, warn­ten die Wirt­schafts­for­scher vom Mün­che­ner Ifo-In­sti­tut be­reits Mit­te Sep­tem­ber, dass sich das Land al­ler Vor­aus­sicht nach in ei­ner „tech­ni­schen Re­zes­si­on“be­fin­de. Die­se ist dann ge­ge­ben, wenn es in zwei auf­ein­an­der­fol­gen­den Quar­ta­len ein Schrump­fen der Wirt­schafts­leis­tung gibt. „Ganz spur­los kann so et­was an Ös­ter­reich na­tur­ge­mäß nicht vor­über­ge­hen“, so Bier­bau­mer-Pol­ly. Denn auch wenn die Re­pu­blik ih­re Ab­hän­gig­keit vom Nach­barn im Nor­den in den ver­gan­ge­nen Jah­ren re­du­ziert hat, sei ei­ne voll­stän­di­ge Ent­kopp­lung noch lang nicht ge­ge­ben.

Und Deutsch­land ha­de­re vor al­lem mit dem schwa­chen Ex­port­ge­schäft in­fol­ge des wie­der auf­kom­men­den Pro­tek­tio­nis­mus, so Micha­el Hei­se, Chef­volks­wirt der Al­li­anz-Ver­si­che­rung, der am Mitt­woch vor Jour­na­lis­ten in Wi­en sprach. Dies füh­re auch zu der ei­gen­ar­ti­gen Si­tua­ti­on, dass die Eu­ro­zo­ne stär­ker un­ter dem Han­dels­streit der USA und Chi­nas lei­de als die USA und China selbst. „China lei­det wirt­schaft­lich zwar eben­falls stark, aber dort wird hef­tig ge­gen­ge­steu­ert“, sagt Hei­se. So wür­den zur­zeit wie­der gro­ße In­fra­struk­tur­pro­gram­me in den Re­gio­nen an­lau­fen. Die­se er­höh­ten zwar die Ver­schul­dung und so­mit lang­fris­tig die Not­wen­dig­keit der Kon­so­li­die­rung. Kurz­fris­tig blei­be das Wachs­tum aber stär­ker er­hal­ten.

Ähn­lich auch die Si­tua­ti­on in den USA, wo Prä­si­dent Do­nald Trump die Staats­ver­schul­dung lau­fend auf neue Höchst­stän­de treibt. Hei­se geht da­her da­von aus, dass auch die EU-Staa­ten nicht um­hin­kom­men wer­den, schon in nächs­ter Zeit kon­junk­tu­rel­le Un­ter­stüt­zungs­maß­nah­men zu ver­ab­schie­den. „Die be­vor­ste­hen­de Re­zes­si­on schafft ei­nen Hand­lungs­druck“, so der Al­li­anz-Chef­öko­nom. Das be­deu­te aber nicht zwangs­läu­fig klas­si­sche In­fra­struk­tur-Bau­pro­gram­me. Die­se wä­ren et­wa in Deutsch­land, wo die Bau­kon­junk­tur auf­grund der nied­ri­gen Zin­sen nach wie vor stark ist, auch gar nicht um­setz­bar. Kon­junk­tu­rell för­dernd wä­re auch ei­ne kräf­ti­ge steu­er­li­che Ent­las­tung.

„Geld­po­li­tik ist am En­de“

Steu­er­sen­kun­gen, die lang­fris­tig wirk­lich die Wirt­schaft an­kur­beln, sei­en selbst für stark ver­schul­de­te Län­der wie Italien denk­bar, so Hei­se wei­ter. Grund­sätz­lich bräuch­ten die meis­ten eu­ro­päi­schen Län­der aber wei­ter­hin drin­gend Struk­tur­re­for­men in Form von Bü­ro­kra­tie­ab­bau. Hier ha­be in den ver­gan­ge­nen Jah­ren je­doch die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank mit ih­rer Null­zins­po­li­tik der Po­li­tik zu stark un­ter die Ar­me ge­grif­fen. An­ge­sichts der sich nun ver­düs­tern­den Kon­junk­tur­aus­sich­ten brau­che es „das Ein­ge­ständ­nis, dass die Geld­po­li­tik an ih­rem En­de ist“. Für die Welt­wirt­schaft po­si­tiv aus­wir­ken dürf­te sich nach An­sicht des Öko­no­men je­doch, dass in den USA 2020 wie­der Wah­len an­ste­hen. Die­se könn­te die Kom­pro­miss­be­reit­schaft ge­gen­über China er­hö­hen.

An­ge­sichts des zu­neh­men­den Drucks auf der Ex­port­sei­te wird in Ös­ter­reich der pri­va­te Kon­sum im­mer stär­ker zur Stüt­ze des Wachs­tums. Doch auch hier gab es am Mitt­woch ei­ne nach­träg­li­che Ab­schwä­chung. So fiel der Kon­sum 2018 laut Sta­tis­tik Aus­tria schwä­cher aus, als es ur­sprüng­lich er­war­tet wur­de. Da­her wur­de auch das BIP-Wachs­tum für das Vor­jahr re­vi­diert: von 2,7 auf nur mehr 2,4 Pro­zent.

Im zwei­ten Quar­tal wuchs die ös­ter­rei­chi­sche Volks­wirt­schaft mit 0,3 Pro­zent so schwach wie zu­letzt An­fang 2015, gab das Wi­fo am Mitt­woch be­kannt. Nimmt man den Wert ge­mäß Eu­ro­s­tat-Vor­ga­be (bei die­sem sind ei­ni­ge kurz­fris­ti­ge Ef­fek­te nicht ge­glät­tet), ver­zeich­ne­te Ös­ter­reich im zwei­ten Quar­tal so­gar ein Null­wachs­tum. Grund für die kon­junk­tu­rel­le Ab­schwä­chung ist vor al­lem die Ein­trü­bung der Welt­wirt­schaft. Dar­an ist un­ter an­de­rem der nach wie vor es­ka­lie­ren­de Han­dels­streit zwi­schen den USA und China schuld. Hier­zu­lan­de wird da­her der pri­va­te Kon­sum ei­ne im­mer wich­ti­ge­re Stüt­ze des Wachs­tums. Aber auch die­ser fiel im Vor­jahr laut Sta­tis­tik Aus­tria schwä­cher aus, als ur­sprüng­lich er­war­tet wur­de. Da­her muss­te nun auch das BIP-Wachs­tum für 2018 re­vi­diert wer­den: von 2,7 auf 2,4 Pro­zent.

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