Ka­tar, ein Land als sport­li­cher Nutz­nie­ßer

Leicht­ath­le­tik-WM. Hoch­ka­rä­ti­ge Gro­ßevents sol­len das in­ter­na­tio­na­le Image des Wüs­ten­staats auf­po­lie­ren und die Nach­barn zäh­men. Iaaf-Chef Se­bas­ti­an Coe möch­te sich nicht ge­gen mög­li­che Pro­tes­te stel­len, be­tont aber die Chan­ce.

Die Presse - - SPORT -

Die am Frei­tag be­gin­nen­de Leicht­ath­le­tik-WM in Doha ge­hört zum mil­lio­nen­schwe­ren Wer­be­pro­gramm des Emi­rats. Wie die Handball-WM 2015, Rad-WM 2016 und Turn-WM 2018 soll auch sie den in­ter­na­tio­na­len Ruf des Wüs­ten­staa­tes auf­po­lie­ren. Die­ser ge­hört dank der welt­weit größ­ten Re­ser­ven an Flüs­sig­gas zu den reichs­ten Län­dern der Welt, beu­tet sei­ne rund zwei Mil­lio­nen Ar­beits­mi­gran­ten aber nicht nur auf den Bau­stel­len für die Fuß­ball-WM 2022 aus. Das Tur­nier in drei Jah­ren soll die sport­li­chen Be­mü­hun­gen der ka­ta­ri­schen Scheich­fa­mi­lie, die auch im Be­sitz von Pa­ris St. Ger­main ist, dann krö­nen.

Ne­ben der Image­kor­rek­tur er­füllt der Sport aber auch ei­ne wich­ti­ge Schutz­funk­ti­on für Ka­tar in ei­ner feind­lich ge­sinn­ten Re­gi­on. Seit 2017 boy­kot­tie­ren Sau­dia­ra­bi­en und die Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te den Nach­barn, dem sie Ter­ror­un­ter­stüt­zung vor­wer­fen. Doch der zeit­wei­se an­ge­dach­te An­griff wür­de in Zei­ten, in de­nen ein WM-Gast­ge­ber im Blick­punkt der Welt steht, zu vie­le Ne­ga­tiv­schlag­zei­len brin­gen.

Die Leicht­ath­le­tik-WM ist für Ka­tar zu­dem ein be­son­de­res Pres­ti­ge­ob­jekt, da in der Aspi­re Aca­de­my in Doha ei­ge­ne Sport­ler ge­för­dert wer­den. Hoch­sprung-Welt­meis­ter Mu­taz Es­sa Bar­shim ist das lo­ka­le Aus­hän­ge­schild die­ser Ti­tel­kämp­fe. Ob der 28-Jäh­ri­ge ge­mein­sam mit der Leicht­ath­le­tik-Eli­te das 40.000 Zu­schau­er fas­sen­de Kha­li­fa In­ter­na­tio­nal Sta­di­on zu fül­len ver­mag, ist al­ler­dings sehr frag­lich: Zehn Ta­ge vor der WM wa­ren erst 50.000 Ti­ckets ver­kauft (2017 in Lon­don ka­men 660.000 Be­su­cher). Be­rich­te, wo­nach wie in der Ver­gan­gen­heit Gas­t­ar­bei­ter und Kin­der mit­tels Gra­tis­ein­tritts die Rän­ge fül­len sol­len, de­men­tier­ten die Ver­an­stal­ter.

Feh­len­des Fan-In­ter­es­se, gro­ße Hit­ze und ein­ge­schränk­te per­sön­li­che Frei­hei­ten – die Kri­tik an Ka­tar ist groß. Welt­ver­bands­prä­si­dent Se­bas­ti­an Coe, der am Mitt­woch oh­ne Ge­gen­kan­di­da­ten wie­der­ge­wählt wur­de, kün­dig­te an, sich nicht ge­gen Pro­tes­te auf der WM-Büh­ne zu stel­len. Er sei „nicht in der Ge­müts­la­ge, um Stim­men zum Schwei­gen zu brin­gen“, er­klär­te der Bri­te der BBC und be­ton­te die Chan­ce durch die WM: „Ich ha­be noch nie ei­ne Si­tua­ti­on er­lebt, in der Sport, der ein neu­es Ter­ri­to­ri­um be­tritt, nicht die Din­ge in so­zia­ler, kul­tu­rel­ler und po­li­ti­scher Hin­sicht auf po­si­ti­ve Art an­ge­scho­ben hat.“Ob die Leicht­ath­le­tik tat­säch­lich be­we­gen kann, was zu­vor Handball, Rad­sport und Tur­nen nicht ge­lun­gen ist? (swi)

[ Reuters]

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