Ver­ei­ne auf­lö­sen? Was die Re­gie­rung (nicht) tun muss

Ent­schlie­ßung. Das Par­la­ment for­dert, dass tür­ki­sche Ver­bän­de über­prüft wer­den. Recht­lich heißt das nicht viel.

Die Presse - - THEMA DES TAGES - VON PHIL­IPP AICHINGER

„Na­tio­nal­rat be­schließt Ver­bot von Atib und Mil­li Gö­rus“, ju­bel­te Pe­ter Pilz auf Twit­ter. Tat­säch­lich war es ei­ne un­ge­wöhn­li­che Mehr­heit, die am Mitt­woch im Na­tio­nal­rat zu­sam­men­fand. Tür­kis und Blau stimm­ten der Lis­te Jetzt zu. Aber be­deu­tet das nun wirk­lich, dass die um­strit­te­nen tür­ki­schen Ver­bän­de (Mil­li Gö­rus wird der Mus­lim­bru­der­schaft zu­ge­ord­net) auf­zu­lö­sen sind?

Nein. Tat­säch­lich steht in dem an­ge­nom­me­nen Ent­schlie­ßungs­an­trag nicht, dass die Ver­ei­ne ver­bo­ten wer­den. Son­dern dass die Bun­des­re­gie­rung, ins­be­son­de­re der In­nen­mi­nis­ter, prü­fen soll, ob ei­ne be­hörd­li­che Auf­lö­sung der Ver­ei­ne nö­tig ist. Und zwar, weil die Ver­ei­ne ge­gen Straf­ge­set­ze ver­sto­ßen ha­ben könn­ten. Oder weil sie nicht das tun, was sie laut ih­ren Sta­tu­ten ma­chen soll­ten. Das sind Be­din­gun­gen, un­ter de­nen Or­ga­ni­sa­tio­nen laut dem Ver­eins­ge­setz auf­zu­lö­sen sind. Aber ist der Mi­nis­ter nun nach dem An­trag aus dem Par­la­ment ver­pflich­tet, die Ver­ei­ne ex­tra zu prü­fen?

Wie­der nein. Denn so be­liebt Ent­schlie­ßun­gen des Na­tio­nal­rats auch in der End­pha­se des Wahl­kampfs sind, so un­be­deu­tend sind sie in recht­li­cher Hin­sicht. Sie kön­nen den Mi­nis­ter zu nichts zwin­gen, son­dern sind ein blo­ßer Wunsch. Wenn ein Mi­nis­ter nicht Fol­ge leis­tet, könn­te der Na­tio­nal­rat aus Pro­test nur ei­nen Miss­trau­ens­an­trag ge­gen den Mi­nis­ter oder die ge­sam­te Re­gie­rung be­schlie­ßen. Dann wür­den die Be­trof­fe­nen zwar ihr Amt tat­säch­lich ver­lie­ren. Es ist aber kaum an­zu­neh­men, dass man so ei­ne Ak­ti­on ge­gen die oh­ne­dies mit ei­nem bal­di­gen Ablauf­da­tum ver­se­he­ne Über­gangs­re­gie­rung setzt.

„Ent­schlie­ßungs­an­trä­ge sind nur ein po­li­ti­sches Sym­bol“, be­tont auch Ver­fas­sungs­rechts­pro­fes­sor Karl Stö­ger von der Uni­ver­si­tät Graz. Wenn die Ab­ge­ord­ne­ten tat­säch­lich Mi­nis­ter zu et­was ver­pflich­ten wol­len, müss­ten sie schon ein Ge­setz be­schlie­ßen, sagt der Ju­rist im Ge­spräch mit der „Pres­se“.

Ei­ne Ver­schär­fung des Ver­eins­rechts schwebt der ÖVP vor. Sie will, dass Ver­ei­ne auch bei Ver­stoß ge­gen die „de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung“auf­ge­löst wer­den. Die Par­tei zielt da­bei in ers­ter Li­nie auf die rechts­ex­tre­men Iden­ti­tä­ren ab. Kri­ti­ker der Idee mei­nen, dass so ei­ne Be­stim­mung aber auch da­für miss­braucht wer­den könn­te, miss­lie­bi­ge Ver­ei­ne leicht­fer­tig auf­zu­lö­sen.

Ab­ge­stimmt wur­de im Na­tio­nal­rat je­doch auch der An­trag, ein Ver­bot der Iden­ti­tä­ren auf be­ste­hen­der Ge­set­zes­grund­la­ge zu über­prü­fen. Die­ser (eben­falls un­ver­bind­li­che An­trag) schei­ter­te aber. SPÖ und FPÖ wa­ren da­ge­gen. Die FPÖ hat­te in­halt­li­che Be­den­ken. Die SPÖ ver­wies dar­auf, dass be­reits im Na­tio­na­len Si­cher­heits­rat ei­ne Un­ter­su­chung der Iden­ti­tä­ren ge­for­dert wur­de. Be­züg­lich der tür­ki­schen Ver­ei­ne stell­te sie ei­nen ei­ge­nen An­trag auf Über­prü­fung, dies­falls stimm­ten ÖVP und Ne­os mit.

Das In­nen­mi­nis­te­ri­um prüf­te am Don­ners­tag noch, wie es mit dem Wunsch des Na­tio­nal­rats auf Prü­fung der tür­ki­schen Ver­ei­ne um­geht. Dass par­la­men­ta­ri­sche Wün­sche nicht (schnell) er­füllt wer­den müs­sen, zeig­te aber schon ein Ent­schlie­ßungs­an­trag aus dem Ju­ni.

Da­mals stimm­ten Lis­te Jetzt, SPÖ und FPÖ für ei­ne Schlie­ßung des Kö­nig-Ab­dul­lahZen­trums in Wien. Die­ses gibt es aber nach wie vor. Auf die Fra­ge, wie es mit dem Zen­trum wei­ter­geht, gab das zu­stän­di­ge Mi­nis­te­ri­um von Alex­an­der Schal­len­berg am Don­ners­tag kei­ne Stel­lung­nah­me ab.

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