Die Frei­heit­li­chen in der Stra­che-Kri­se – und Ho­fer hat noch im­mer Fie­ber

Ab­schluss. Die FPÖ fei­ert das En­de des Wahl­kampfs. Und will trotz Spe­sen­af­fä­re ih­re An­hän­ger mo­bi­li­sie­ren.

Die Presse - - THEMA DES TAGES -

Es muss ja nicht gleich al­les an­ders sein. Die Wahl­kampf-Ab­schluss­par­ty der FPÖ fand auf ge­wohn­tem Ter­ri­to­ri­um statt: dem Vik­tor-Ad­ler-Markt. Hier im zehn­ten Wie­ner Be­zirk ha­ben die Frei­heit­li­chen bei sol­chen Ver­an­stal­tun­gen stets Heim­vor­teil. Al­so spiel­te die John-Ot­ti-Band ih­re ge­wohn­ten Lie­der, die Ös­ter­reich-Fah­nen wur­den wie üb­lich ge­schwenkt. So, als wä­ren Ibi­za, der Bruch der Ko­ali­ti­on, der Ob­mann­wech­sel und die Spe­sen­af­fä­re nie pas­siert.

Aber spur­los gin­gen die Mo­na­te na­tür­lich nicht an der Par­tei vor­bei – vor al­lem nicht die ver­gan­ge­ne Wo­che. Denn gera­de als die FPÖ ver­sucht hat­te, ei­nen Schluss­strich un­ter den Ibi­za-Skan­dal zu zie­hen, wur­de die nächs­te Af­fä­re pu­blik. Und auch die­ses Mal be­trifft sie den lang­jäh­ri­gen Par­tei­chef und Ex-Vi­ze­kanz­ler, Heinz-Chris­ti­an Stra­che. Die FPÖ sorgt sich dar­um, dass ih­re An­hän­ger de­mo­bi­li­siert wer­den könn­ten. Mitt­ler­wei­le wird Stra­che als ein­fa­ches Par­tei­mit­glied eher nur noch to­le­riert.

Die Staats­an­walt­schaft er­mit­telt nun we­gen des Ver­dachts der Un­treue – es gilt die Un­schulds­ver­mu­tung. Stra­che soll jah­re­lang sys­te­ma­tisch und un­ab­ge­spro­chen pri­va­te Spe­sen der Wie­ner Lan­des­par­tei ab­ge­rech­net ha­ben. Und das, ob­wohl er über ein Spe­sen­kon­to von mo­nat­lich 10.000 Eu­ro ver­füg­te. Die Wie­ner FPÖ be­stä­tig­te mitt­ler­wei­le den Be­trag. Ge­nau­so wie die Tat­sa­che, dass die Lan­des­par­tei auch mo­nat­lich 2500 Eu­ro Wohn­kos­ten für Stra­ches Sitz in Klos­t­er­neu­burg über­nom­men hat­te. Fah­rer und Si­cher­heits­be­am­te wur­den auch nach Stra­ches Rück­tritt be­zahlt. Die Kos­ten wür­den nun aus­lau­fen, heißt es aus der Wie­ner FPÖ. Die Par­tei prüft nun auch al­le Be­le­ge seit dem Jahr 2013, die Stra­che ein­ge­reicht hat, und will mit den Be­hör­den ko­ope­rie­ren.

Die Jus­tiz nahm al­ler­dings nicht nur ge­gen Stra­che, son­dern auch ge­gen sei­nen ehe­ma­li­gen Leib­wäch­ter und Chauf­feur (sie­he Sei­ten 2 und 3) Er­mitt­lun­gen auf. Am spä­ten Mon­tag­abend wur­de er ver­haf­tet, mitt­ler­wei­le ist er wie­der frei. Die FPÖ schloss ihn aus der Par­tei aus. Am Frei­tag gab die Wie­ner Lan­des­grup­pe via Aus­sen­dung auch be­kannt, dass Stra­ches frü­he­re Bü­ro­lei­te­rin ihr Man­dat als Be­zirks­rä­tin zu­rück­legt. Auch ge­gen sie wird er­mit­telt, sie wur­de von der Staats­an­walt­schaft be­reits ein­ver­nom­men.

Ho­fer ist dar­um be­müht, die Af­fä­re als mög­li­che Ver­feh­lung aus der Ver­gan­gen­heit zu be­trach­ten. Er ap­pel­lier­te an sei­ne An­hän­ger, sich nicht de­mo­ti­vie­ren zu las­sen und ih­re Stim­me für die FPÖ ab­zu­ge­ben. Denn zur Wahl wür­de nicht die Per­son ste­hen, ge­gen die er­mit­telt wird. Son­dern eben er: Ho­fer. Und er teil­te auch mit, froh über das En­de des Wahl­kampfs zu sein: „Seit zwei Wo­chen je­den Tag Fie­ber und nur mit Ta­blet­ten Ter­mi­ne über­stan­den“, schrieb Ho­fer.

Al­ler­dings dürf­te in der Par­tei auch je­mand ne­ga­ti­ve Schlag­zei­len über ihn le­sen wol­len: Denn am Don­ners­tag wur­den „Ös­ter­reich“In­for­ma­tio­nen über den neu­en FPÖ-Chef zu­ge­spielt: Ho­fer soll 2016 ei­nen Zaun um sein Haus in Pin­ka­feld ge­baut ha­ben. Die Par­tei ha­be ihn be­zahlt – aus Si­cher­heits­grün­den. Wo­bei es nach dem Wahl­tag auch wei­ter­hin stres­sig für den Par­tei­chef wer­den könn­te: Die FPÖ will dann ent­schei­den, wie es mit Stra­ches Par­tei­mit­glied­schaft wei­ter­geht. Al­ler­dings erst am Di­ens­tag, denn tra­di­tio­nell gibt es nach dem Wahl­sonn­tag den „blau­en Mon­tag“. Wie ge­sagt: Es muss sich ja nicht al­les än­dern in der FPÖ. (ib)

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.