Der gar nicht so lei­se Le­bens­mit­tel­her­stel­ler

Seit bei Spitz die drit­te Ge­ne­ra­ti­on über­nahm, scheut man sich nicht mehr, sie zu er­zäh­len: die Ge­schich­te der Fa­mi­lie mit den Tra­di­ti­ons­mar­ken.

Die Presse - - AUSTRIA’19 -

Be­vor To­ast, Ketch­up, Waf­feln und Li­kör im Ein­kaufs­wa­gen lan­den, soll­te der Blick auf die Ver­pa­ckung öf­ter am ro­ten Spitz-Lo­go hän­gen blei­ben, fin­det Wal­ter Scherb ju­ni­or. Theo­re­tisch wä­re das leicht um­setz­bar: Al­le vier Din­ge fin­den sich im 1200 Artikel um­fas­sen­den Re­per­toire an sü­ßen, sal­zi­gen und flüs­si­gen Le­bens­mit­teln, die sein Fa­mi­li­en­be­trieb im ober­ös­ter­rei­chi­schen Att­nang-Puch­heim her­stellt.

Prak­tisch wis­sen aber we­ni­ge, dass die Fir­ma Spitz mit 256 Mio. Eu­ro Um­satz und 750 Mit­ar­bei­tern zu den größ­ten Le­bens­mit­tel­pro­du­zen­ten Ös­ter­reichs zählt. Ei­ner­seits, weil ih­re Artikel oft fast ver­schämt hin­ter den Lo­gos der gro­ßen Han­dels­ket­ten ver­steckt wer­den – nur der Dis­kon­ter Ho­fer be­stand von Be­ginn dar­auf, dass sie ih­re ei­ge­ne Mar­ke aus­wei­sen. An­de­rer­seits war es der ver­schwie­ge­nen ober­ös­ter­rei­chi­schen In­dus­tri­el­len­fa­mi­lie Scherb bis­lang ganz recht, im Hin­ter­grund zu agie­ren.

Das hat sich mit Wal­ter Scherb jun. ge­än­dert. Seit er An­fang des Jah­res in drit­ter Ge­ne­ra­ti­on im Haus­ruck­vier­tel über­nom­men hat und die Ei­gen­tü­mer­fa­mi­lie da­mit nach ei­nem fast zehn­jäh­ri­gen In­ter­mez­zo wie­der den Chef stellt, ist es lau­ter ge­wor­den um Spitz. Rund um die ge­mein­sam mit Sie­mens ge­star­te­te Di­gi­ta­li­sie­rung des Werks, den Sprung zum Al­lein­ei­gen­tü­mer der Gas­tei­ner Mi­ne­ral­was­ser­quel­le oder dem Kauf ei­nes Ho­nig­her­stel­lers, lud er Jour­na­lis­ten in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten zu Ge­sprä­chen oder Be­sich­ti­gun­gen. Oft oh­ne, manch­mal mit Va­ter Wal­ter Scherb sen., der sich lie­ber im Hin­ter­grund hält und das mil­lio­nen­schwe­re Fa­mi­ly Of­fice mit Im­mo­bi­li­en- und In­dus­trie­be­tei­li­gun­gen – et­wa am Ar­se­nal Wien oder frü­her an der Fir­ma Böh­ler-Ud­de­holm – ma­nagt.

Gera­de bei Le­bens­mit­teln, bei de­nen gro­ße Kon­zer­ne do­mi­nie­ren, sei die Her­kunft oft nicht klar, sag­te Scherb jun. kürz­lich zur „Pres­se“. Der Kun­de wol­le das aber im­mer öf­ter wis­sen. Und er, Scherb jun., der sei­ne ers­ten Be­rufs­jah­re bei der Stra­te­gie­be­ra­tung McKin­sey in Lon­don ver­bracht hat, weiß, wie ein ge­konn­ter Mar­ken­auf­tritt aus­sieht. Und er er­zählt sie gern: die Ge­schich­te sei­ner Fa­mi­lie, die die 1857 ge­grün­de­te Tra­di­ti­ons­mar­ke seit den Fünf­zi­gern aus­bau­te. Oder die Ge­schich­te, wie man 2013 die eben­so tra­di­ti­ons­rei­chen Au­er-Baum­stäm­me und Blasch­ke-Ko­ko­s­kup­peln über­nahm und am Stand­ort Att­nang-Puch­heim wei­ter fa­bri­ziert. Der Chef, der mit Jahr­gang 1989 deut­lich jün­ger als vie­le sei­ner Mar­ken ist, hat auch kei­ne Be­rüh­rungs­angst mit Kam­pa­gnen in den so­zia­len Me­di­en oder Trends zu ve­ga­nem oder lak­to­se­frei­em Es­sen und der Glas­fla­sche.

Da­mit Spitz für die un­ter­schied­lichs­ten Kun­den­wün­sche wett­be­werbs­fä­hig bleibt, wer­den für die Au­to­ma­ti­sie­rung des Werks in den nächs­ten fünf Jah­ren 100 Mio. Eu­ro be­reit­ste­hen. Die Mit­ar­bei­ter müss­ten aber nicht fürch­ten, vom Com­pu­ter er­setzt zu wer­den, sagt Scherb jun. Man ar­bei­te mit der „na­tür­li­chen Fluk­tua­ti­on“.

Sein Ziel ist klar: Wachs­tum – oh­ne die frü­he­re Zu­rück­hal­tung. „Bei Rewe und Spar wür­den wir auch noch gern drauf­ste­hen“, sagt Scherb jun. Und wenn das nicht geht, blei­be noch im­mer das Aus­land. (lo­an)

[ Burg ]

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