Ex­pe­ri­ment im Ho­tel­zim­mer

Die Presse - - SPECTRUM -

EQi­gent­lich hat­te der an­ge­se­he­ne Lek­tor am Roy­al In­sti­tu­ti­on of Gre­at Bri­tain, Sir Hum­phry Da­vy, sei­nen Die­ner auf die Rei­se gen Kon­ti­nent mit­neh­men wol­len. Als der sich wei­ger­te, ihn zu be­glei­te­ten, bat Da­vy den La­bo­ran­ten, we­nigs­tens bis Pa­ris als Se­kre­tär zu agie­ren.

Für den jun­gen As­sis­ten­ten, ei­nen ge­lern­ten Buch­bin­der, war das die ers­te Rei­se, die ihn fort von Lon­don brach­te. In Pa­ris soll­te Da­vy ei­ne von Na­po­le­on ge­stif­te­te Me­dail­le in Emp­fang neh­men, die ihm für sei­ne wis­sen­schaft­li­che Ar­beit über die gal­va­ni­sche Bat­te­rie sechs Jah­re zu­vor ver­lie­hen wor­den war.

So quar­tier­ten sich die bei­den Män­ner En­de Ok­to­ber 1813 im Pa­ri­ser Ho­telˆ des Prin­ces ein und er­kun­de­ten in den ers­ten Ta­gen die Stadt. Der As­sis­tent, der noch nicht ein­mal ein Jahr an der Roy­al In­sti­tu­ti­on be­schäf­tigt war, ver­merk­te in sei­nem Rei­se­be­richt kri­tisch die Art des Kun­straubs sei­tens Na­po­le­ons.

Für Mit­te No­vem­ber war schließ­lich ho­her Be­such ge­plant: Für ei­nen fach­li­chen Aus­tausch ka­men drei fran­zö­si­sche Phy­si­ker ins Ho­tel. Dar­un­ter be­fand sich je­ner Mann, des­sen Theo­rie vom Strom­fluss durch An­zie­hung und Ab­sto­ßung der As­sis­tent vie­le Jah­re spä­ter wi­der­le­gen soll­te. Der Be­su­cher, des­sen Na­me heu­te ei­ne Mes­s­ein­heit be­zeich­net, lehr­te da­mals Ma­the­ma­tik, Phy­sik und Che­mie. Da Sir Hum­phrys Se­kre­tär kein Wort Fran­zö­sisch ver­stand, war er nur als stum­mer Zeu­ge da­bei und fühl­te sich et­was de­plat­ziert. Ei­ni­ge Zeit spä­ter al­ler­dings tausch­te er sich mit dem be­rühm­ten Be­su­cher brief­lich über wis­sen­schaft­li­che Fra­gen aus.

Ei­ne un­be­kann­te Sub­stanz war es, die der Pa­ri­ser Uni­ver­si­täts­leh­rer den bei­den Bri­ten mit­brach­te. Die­se wur­de aus der Asche von See­tang beim Be­han­deln mit Schwe­fel­säu­re ge­won­nen und of­fen­bar­te ei­ne er­staun­li­che Ei­gen­schaft: Beim Er­hit­zen ent­wi­ckel­te sie dun­kel­vio­let­ten Dampf. Sir Hum­phrys Neu­gier­de war ge­weckt, und so ex­pe­ri­men­tier­te er so lan­ge mit sei­nem As­sis­ten­ten im Ho­tel­zim­mer, bis klar war, dass es sich bei die­ser Sub­stanz um ein neu­es Ele­ment han­deln muss­te. Im De­zem­ber reis­ten die bei­den Bri­ten von Pa­ris wei­ter ans Mit­tel­meer.

Wer traf wen? Das Ding, das den Na­men des As­sis­ten­ten trägt? Die Maß­ein­heit wel­cher phy­si­ka­li­schen Grö­ße ist nach dem Fran­zo­sen be­nannt? Wel­ches che­mi­sche Ele­ment ist ge­meint?

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