Run­ter von der Au­to­bahn, rein in die Trat­to­ria

Fri­aul-Ju­lisch Ve­ne­ti­en. Das Ka­nal­tal auf dem Weg von Tar­vis nach Udi­ne und wei­ter an die Adria ken­nen vie­le nur vom Vor­bei­fah­ren. Da­bei ist das Tal zwi­schen Kar­ni­schen und Ju­li­schen Al­pen vol­ler gas­tro­no­mi­scher Qua­li­tä­ten.

Die Presse - - REISEN - VON GE­ORG WEINDL

Es gibt lei­der kei­ne Un­ter­su­chung dar­über, wie vie­le Ös­ter­rei­cher je­mals mit dem Au­to durchs Val Ca­na­le, das Ka­nal­tal, ge­fah­ren sind. Der Na­me klingt nun nicht gera­de ro­man­tisch, hat aber viel mit Ur­laub zu tun. Schließ­lich ist das die Haupt­stre­cke Rich­tung Adria­strand gleich hin­ter der Gren­ze, und das macht sie so po­pu­lär. Dass aber die meis­ten das Tal in Fri­aul schnell hin­ter sich brin­gen wol­len, ist ein ech­ter Feh­ler. Da­bei ist es uns nä­her als wir glau­ben, war es bis 1919 ös­ter­rei­chisch, gibt es heu­te noch in Bosco­ver­de ei­nen Kul­tur­ver­ein, der die deut­sche Spra­che pflegt.

Der über­zeu­gends­te Grund aber, die Au­to­bahn zu ver­las­sen und et­was Zeit zu in­ves­tie­ren, ist die Gas­tro­no­mie. Das be­ginnt gleich hin­ter Tar­vis. Der Mon­te Lus­sa­ri ist ein bei Kärnt­nern und Slo­we­nen be­lieb­ter Wall­fahrts­berg, auf den ei­ne mo­der­ne Seil­bahn führt. Oben ist es ein kur­zer Spa­zier­gang von der Berg­sta­ti­on zur Wall­fahrts­kir­che, die im 14. Jahr­hun­dert nach wun­der­sa­men Er­schei­nun­gen ge­grün­det wur­de. Aber vie­le Leu­te pil­gern auf den Gip­fel we­gen der gas­tro­no­mi­schen Be­son­der­hei­ten. Gleich drei Trat­to­ri­en ver­sor­gen sie mit ty­pi­scher Al­pe-Adria-Kü­che, sprich fri­ula­nisch, kärnt­ne­risch und slo­we­nisch Be­ein­fluss­tem. In der Lo­can­da al Con­ven­to ste­hen ganz klas­sisch Gnoc­chi mit Ri­cot­ta und Ru­co­la, Taglia­tel­le mit Pil­zen und Ra­vio­li mit dem be­kann­ten Mon­ta­sio-Kä­se auf der Ta­ges­kar­te.

Ähn­lich ist das An­ge­bot in dem Gast­hof Ro­do­den­dro und dem Ri­fu­gio Mon­te Lus­sa­ri hin­ter der Kir­che. Die emp­feh­lens­wer­te Kom­bi­na­ti­on wä­re die Wan­de­rung hin­auf über den Bü­ßer­weg in gut zwei St­un­den mit rund 1000 Hö­hen­me­tern, ei­ne wohl­ver­dien­te Ein­kehr und dann die knie­scho­nen­de Rück­kehr via Seil­bahn. Un­ten an der Stra­da Sta­ta­le beim Kreis­ver­kehr und nur ein paar Schrit­te von der Tal­sta­ti­on ent­fernt, kann man sich dann bei Da­wit mit Kaf­fee und haus­ge­mach­ten Ku­chen, mit fei­nen De­stil­la­ten und re­gio­na­lem Kä­se ver­sor­gen.

Ei­ne wohl sor­tier­te Aus­wahl an Mon­ta­sio, wahr­schein­lich die bes­te weit und breit, gibt es bei der Co­ope­ra­ti­va Val Ca­na­le in Ugo­viz­za, das nur fünf Fahr­mi­nu­ten auf der Stra­da Sta­ta­le ent­fernt ist. Schin­ken, Sa­la­mi und Kä­se aus der Ge­gend fül­len hier die Vi­tri­nen. Über­haupt ist die Staats­stra­ße ei­ne ent­spann­te Al­ter­na­ti­ve zur Au­to­bahn mit ih­ren Tun­nels und dem Lkw-Ver­kehr. Auf der gut aus­ge­bau­ten und deut­lich we­ni­ger fre­quen­tier­ten Stra­ße rollt man ent­spannt von Dorf zu Dorf, lan­det bald in Mal­bor­ghet­to. Die Ca­sa Ober­rich­ter dort ist ein his­to­ri­sches Gast­haus mit über­ra­schen­den Qua­li­tä­ten. Das leicht ver­win­kel­te In­te­ri­eur des eins­ti­gen Ge­richts­ge­bäu­des ist zu­gleich ein Spiel­zeug­mu­se­um, bie­tet da­zu nost­al­gi­sche Zim­mer und ei­ne Kü­che, die die Al­pe-Adri­aPhi­lo­so­phie gut spielt. Bier­sup­pe, Pa­latschin­ken mit Mon­ta­sio-Kä­se oder Fri­co mit Po­len­ta und St­ein­pil­zen, so kann grenz­über­schrei­ten­de Ku­li­na­rik aus­schau­en.

Nächs­te Sta­ti­on ist Pon­teb­ba, wo die Stra­ße vom Nass­feld kom­mend ins Ka­nal­tal ein­mün­det. Dort im Zen­trum hat Lu­i­gi Fa­le­schi­ni sei­nen Be­trieb, in dem er re­gio­na­le Pro­duk­te ver­ar­bei­tet und ver­kauft. Sei­ne Spe­zia­li­tät ist der Ra­dic di Mont, Berg-Ra­dic­chio, be­kannt auch als Ci­cer­bi­ta Al­pi­na. Die­ser wird weit oben auf bis zu 2000 Me­tern Hö­he im Früh­jahr in­ner­halb von drei Wo­chen hän­disch ge­ern­tet und üb­li­cher­wei­se in Oli­ven­öl, mit Knob­lauch und Kräu­tern ein­ge­legt, passt so gut zu Risot­to, Ri­cot­ta oder Ome­lette. Ei­ne ech­te Ra­ri­tät, die we­gen des Ar­beits­auf­wands ih­ren Preis hat.

Nach Pon­teb­ba macht die Stra­ße durch das Ka­nal­tal ei­ne Links­kur­ve und bringt uns süd­wärts bis Chi­usa­for­te. Wie der Na­me an­deu­tet, war der Ort ei­ne Grenz­sta­ti­on; die al­te Fe­s­tung am Süd­rand hat­te stra­te­gi­sche Be­deu­tung im Ers­ten Welt­krieg. Man kann sie eben­so be­su­chen wie das Kriegs­mu­se­um im Zen­trum. Be­su­cher kom­men heu­te aber fast nur mit dem Fahr­rad – und sie lan­den al­le bei Fa­bio, dem Wirt der Trat­to­ria in der ehe­ma­li­gen Bahn­sta­ti­on. Das his­to­ri­sche Ge­bäu­de steht di­rekt am Al­pe-Adria Rad­weg und ist dank gu­ter Kü­che und güns­ti­ger Prei­se ei­ne ge­frag­te Ein­kehrsta­ti­on auch für Fuß­gän­ger und Au­to­fah­rer. Das spricht sich her­um. Je­des Jahr legt der Um­satz um 30 Pro­zent zu, sagt Fa­bio, und es kom­men Rad­ler mitt­ler­wei­le aus ganz Eu­ro­pa.

Von Chi­usa­for­te sind es nur ein paar Ki­lo­me­ter bis Re­si­ut­ta, auf den ers­ten Blick ein un­schein­ba­rer Ort. Aber das Tal, das links ab­zweigt, hat es in sich. Das Val Re­si­ut­ta ge­nießt in Gour­met­krei­sen ex­zel­len­ten Ruf. Das liegt am Strok. So heißt der spe­zi­el­le Knob­lauch, der in dem ab­ge­schie­de­nen, en­gen Tal ge­deiht. Der ro­sa­far­be­ne Strok ist für sei­nen spe­zi­el­len, re­la­tiv mil­den Ge­schmack be­kannt, wird hier seit Ge­ne­ra­tio­nen an­ge­baut und hat mitt­ler­wei­le Slow Food-Eh­ren be­kom­men. Am bes­ten er­fah­ren lässt sich das bei ei­nem Be­such, idea­ler­wei­se, wenn im Tal En­de Ju­li das Knob­lauch-Fest ge­fei­ert wird. Da­zu passt auch, wenn En­de Au­gust in der Oseac­ca das Fri­co-Fest auf dem Pro­gramm steht, wo der Strok eben­falls The­ma www.ca­sa-ober­rich­ter.com www.aza­grfa­le­schi­ni.val­ca­na­le.org www.sta­zio­ne­di­chi­usa­for­te.it www.re­sia­net.org www.pro­sci­ut­to­san­da­nie­le.it

Fri­uli Ve­ne­zia Gi­u­lia, www.tu­ris­mofvg.it ist. Be­son­der­heit des 20 Ki­lo­me­ter lan­gen Tals ist der Dia­lekt: Die Ein­hei­mi­schen ha­ben sla­wi­sche Wur­zeln, was sich im Re­sia­no ar­ti­ku­liert. Ei­ne gu­te Ge­le­gen­heit, sich mit der herz­haf­ten Kü­che an­zu­freun­den, ist die Os­te­ria al­la Spe­ran­za in San Gior­gio.

Die ku­li­na­ri­sche Rei­se durchs Ka­nal­tal ist nach dem Val Re­sia ei­gent­lich zu En­de. Wä­re da nicht in der Ebe­ne noch ei­ne Be­rühmt­heit, die man nicht ver­säu­men soll­te. San Da­nie­le, die Hei­mat des be­rühm­ten Schin­kens, liegt un­weit der Au­to­bahn nah dem Tagli­a­men­to. Er ist ne­ben dem Par­ma­schin­ken der be­rühm­tes­te sei­ner Art in Ita­li­en, kommt der Roh­stoff da­zu aus Nord­und Mit­tel­ita­li­en, reift er we­nigs­tens 12 Mo­na­te. Und ge­fei­ert wird auch hier. En­de Ju­ni pil­gern die Fans zur Aria di Fes­ta in den Ort auf ei­nem Hü­gel in der fri­ula­ni­schen Ebe­ne. Ver­kos­ten kann man ihn auch sonst bei den vie­len Pro­du­zen­ten und Schinken­lä­den – mit we­ni­ger Tru­bel als beim Schin­ken­fest.

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