Ar­bei­ten im Alt­bauf­lair

Bü­ros. Statt Be­ton oder Glas be­vor­zu­gen man­che Stuck und Kas­ten­fens­ter. Doch das An­ge­bot ist knapp – Pro­jekt­ent­wick­ler scheu­en den Auf­wand, der mit Alt­bau­sa­nie­run­gen ver­bun­den ist.

Die Presse - - IMMOBILIEN - VON AND­RE´ EXNER

Der Letz­te macht das Licht aus: Gera­de dort, wo frü­her Lam­pen pro­du­ziert wur­den, ist Leer­stand be­son­ders trau­rig. Düs­ter und ver­wahr­lost fand der Käu­fer S Im­mo das Ob­jekt der Leuch­ten­fa­brik in Ber­lin vor. Drei Jah­re spä­ter ist das Haus wie­der hell er­leuch­tet: „Wir ha­ben früh er­kannt, dass ein Pa­ra­dig­men­wech­sel in der Ar­beits­welt statt­fin­det. Vie­le Un­ter­neh­men su­chen kei­ne ste­ri­len Neu­bau­flä­chen, son­dern Or­te mit Cha­rak­ter“, sagt Ro­bert Ne­u­mül­ler, Geschäftsf­ührer S Im­mo Ger­ma­ny. Das Bü­ro­haus wur­de um­fas­send re­no­viert und er­folg­reich an ei­ne neue, krea­ti­ve Ziel­grup­pe ver­mark­tet. Auf­grund der gro­ßen Nach­fra­ge baut das Un­ter­neh­men nun das Dach­ge­schoß eben­falls zu Bü­ro­flä­chen aus und setzt auch bei an­de­ren Pro­jek­ten auf Ar­bei­ten im his­to­ri­schen Am­bi­en­te.

Denn nicht nur in der Krea­tiv­sze­ne ist die­ses Seg­ment be­liebt: Die Nach­fra­ge nach Alt­bau auf dem Wie­ner Bü­ro­markt sei durch­aus ge­ge­ben, sagt Ste­ven Bill Scheff­ler, Team­lei­ter Bü­ro­flä­chen bei Ot­to Im­mo­bi­li­en. „Gera­de im Pre­mi­um­seg­ment su­chen vie­le ge­zielt da­nach. Zu den ty­pi­schen Ziel­grup­pen zäh­len Rechts­an­wäl­te, Steu­er­be­ra­ter, aber auch Im­mo­bi­li­en­un­ter­neh­men.“

Wer ei­ne als Woh­nung ge­nutz­te Alt­bau­flä­che aus­malt, mit ei­ner Leer­ver­roh­rung für die Tech­nik ver­sieht und ein SplitKli­ma­ge­rät in­stal­liert, um sie dann als Alt­bau­bü­ro teu­er zu ver­mie­ten, wird auf dem Markt aber kei­nen Er­folg er­zie­len. Viel­mehr müs­sen sol­che Rä­um­lich­kei­ten die glei­chen An­nehm­lich­kei­ten wie ein mo­der­ner Glas­pa­last bie­ten kön­nen – oder mehr.

Ein Bei­spiel da­für, was bei ent­spre­chen­der In­ves­ti­ti­ons­be­reit­schaft des Ei­gen­tü­mers mög­lich ist, stellt die ehe­ma­li­ge k. u. k. Po­stund Te­le­gra­phen­di­rek­ti­on beim Karls­platz in Wien dar. Die­se wur­de von JP Im­mo­bi­li­en zu ei­nem re­gel­rech­ten Pres­ti­ge­ob­jekt um­ge­baut. Be­grün­te Dach­ter­ras­sen, Dop­pel­bö­den, com­pu­ter­ge­steu­er­te Hei­zung und Kli­ma­an­la­ge, Mul­ti­me­dia-An­schlüs­se, ge­kühl­te Ser­ver­räu­me, Lift, Tee­kü­chen, hoch­wer­ti­ge Sa­ni­tär­be­rei­che: Das als Te­le­graf 7 re­vi­ta­li­sier­te Ge­bäu­de ist ein Vor­zei­ge­pro­jekt ge­wor­den und konn­te rasch zu bes­ten Kon­di­tio­nen ver­mie­tet wer­den.

Ei­nen ähn­lich ho­hen Auf­wand be­trieb die ARE, Toch­ter der Bun­des­im­mo­bi­li­en­ge­sell­schaft BIG, beim Re­fur­bish­ment ei­nes Bü­ro­hau­ses in der Woll­zei­le in Wien. Dass das Pro­jekt im Plan um­ge­setzt wer­den konn­te, war ih­rem Know-how zu ver­dan­ken: Als Ver­mie­te­rin von rie­si­gen Alt­bau-Bü­ro­flä­chen in öf­fent­li­chen Ge­bäu­den hat die ARE viel Er­fah­rung, wenn es um Ar­bei­ten an al­ten Ge­mäu­ern geht. Sa­nie­run­gen im Alt­bau sind oft zeit­auf­wen­di­ger als neu zu bau­en. So brauch­te die Pe­ma Hol­ding, Ei­gen­tü­me­rin der Bank-Aus­tria-Zen­tra­le am Schot­ten­tor, meh­re­re Jah­re Vor­lauf­zeit, be­vor der Um­bau und die Er­rich­tung von Tau­sen­den Qua­drat­me­tern Bü­ro­flä­chen star­ten konn­te. „Dass wir nun mit der ers­ten Bau­pha­se be­gin­nen kön­nen, ver­dan­ken wir nicht zu­letzt der gu­ten Zu­sam­men­ar­beit mit dem Bun­des­denk­mal­amt“, er­klärt Pe­ma-Hol­ding-Chef Mar­kus Schaf­fe­rer. Nach der be­hut­sa­men Sa­nie­rung soll das Haus am Schot­ten­tor schö­ner, aber ge­nau­so en­er­gie­ef­fi­zi­ent sein wie ein Neu­bau. Viel Auf­wand für den Ei­gen­tü­mer – und an­ge­sichts der in Wien im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich nicht be­son­ders ho­hen Bü­ro­mie­ten (sie­he Kas­ten) für vie­le Ent­wick­ler ein Hor­ror. Kein Wun­der al­so, dass in der In­nen­stadt, wo die schöns­ten Häu­ser ste­hen, die meis­ten Ei­gen­tü­mer bei ei­nem Um­bau statt auf Bü­ro- auf Ho­tel- oder Wohn­nut­zung set­zen. Pro­jek­te wie von JP Im­mo­bi­li­en, ARE oder Pe­ma, bei de­nen hoch­wer­ti­ge Bü­ro­flä­chen im Alt­bau ent­ste­hen, sind letzt­lich die Aus­nah­me – und die neu er­rich­te­ten Glastür­me au­ßer­halb des Gür­tels fül­len sich auch des­we­gen so schnell,

hängt we­ni­ger vom Er­rich­tungs­jahr des Hau­ses als von sei­ner La­ge ab. Alt­bau und Neu­bau kos­ten üb­li­cher­wei­se gleich viel, in der In­nen­stadt rund 21 bis 23 Eu­ro pro Qua­drat­me­ter im Mo­nat. Je wei­ter man sich vom Ste­phans­dom ent­fernt, um­so güns­ti­ger wird es. Auch bei den Be­triebs­kos­ten zahlt man für Ge­schich­te nicht mehr: Üb­lich sind bei mo­der­nen Neu­bau­ten we­ni­ger als vier Eu­ro pro Qua­drat­me­ter im Mo­nat in­klu­si­ve Hei­zung und Küh­lung – mit die­sen Ni­veaus müs­sen sa­nier­te Alt­bau­ten mit­hal­ten kön­nen. weil die In­ter­es­sen­ten im Alt­bau in der Ci­ty kein ent­spre­chen­des An­ge­bot vor­fin­den. Auch durch Um­zü­ge wird kaum et­was frei: Wenn ein Mie­ter doch ei­ne der be­gehr­ten Flä­chen im Alt­bau er­gat­tern kann, zieht er un­gern wie­der aus. Denn selbst in Un­ter­neh­men, die zu­vor „Open Space“und Glas­wän­de hat­ten, ist man in der Pra­xis sehr glück­lich über je­ne Rück­zugs­mög­lich­kei­ten, die klei­ne­re Räu­me im Alt­bau bie­ten, meint Ot­to-Ex­per­te Scheff­ler: „Alt­bau hat sei­nen ei­ge­nen Charme. Wenn die­ser zum Image des Un­ter­neh­mens passt, ist das ide­al.“

Da­bei muss es gar kein top­sa­nier­tes Ob­jekt sein. So hat die S Im­mo in ei­nem ty­pi­schen Back­stein­ge­bäu­de in Er­furt Co­wor­king-Räu­me im An­ge­bot, die ei­nen Hauch von „Shab­by Chic“auf­wei­sen, und auch in Wien sit­zen vie­le Start-ups in ab­ge­wohn­ten Fa­b­rik­lofts. Die Be­liebt­heit die­ser Lo­ca­ti­ons ist aber we­ni­ger dem ju­gend­li­chen Image als der nied­ri­ge­ren Mie­te auf­grund der schlech­te­ren La­ge und der ge­rin­ge­ren Qua­li­tät ge­schul­det. Denn je­ne In­ves­to­ren, die ih­re Prun­k­im­mo­bi­li­en in der Ci­ty auf mo­derns­te Stan­dards he­ben, ver­mie­ten nicht zu Son­der­kon­di­tio­nen. Des­we­gen lo­gie­ren in den schön sa­nier­ten Pa­lais aus der Grün­der­zeit heu­te An­wäl­te, Be­ra­ter oder Fi­nanz­un­ter­neh­men – und kei­ne Grün­der.

[ JP Im­mo­bi­li­en]

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.