John­son: „Ich bin ein Mus­ter der Zu­rück­hal­tung“

Groß­bri­tan­ni­en. Wäh­rend der Pre­mier­mi­nis­ter zum Auf­takt des Par­tei­tags der Kon­ser­va­ti­ven in Man­ches­ter auf ei­nem Br­ex­it am 31. Ok­to­ber be­harrt, er­wägt die Op­po­si­ti­on ein Miss­trau­ens­vo­tum „schon in den nächs­ten Ta­gen“.

Die Presse - - AUSLAND - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten GABRIEL RATH

Von der Church of En­g­land bis zu den Hin­ter­bän­ken des bri­ti­schen Un­ter­hau­ses wird die­ser Ta­ge vor der ag­gres­si­ven, ver­leum­de­ri­schen und auf­wie­geln­den Spra­che in der Br­ex­it-De­bat­te ge­warnt. Der we­gen sei­ner Wort­wahl be­son­ders kri­ti­sier­te Pre­mier­mi­nis­ter Bo­ris John­son fühlt sich da­von nicht an­ge­spro­chen. „Ich bin ein Mus­ter der Zu­rück­hal­tung“, er­klär­te er am Sonn­tag zu Be­ginn des Par­tei­tags sei­ner kon­ser­va­ti­ven Par­tei in Man­ches­ter.

Die Ta­gung soll den Start­schuss zu er­war­te­ten vor­ge­zo­ge­nen Neu­wah­len ge­ben: „Ge­sund­heits­we­sen. Schu­len. Po­li­zei. Wirt­schaft“, lau­ten die vier Bot­schaf­ten der To­ries. Doch wei­ter­hin wird al­les vom EU-Aus­tritt über­schat­tet.

John­son be­stand er­neut auf dem Stich­tag 31. Ok­to­ber: „Na­tür­lich kön­nen wir das schaf­fen.“Wie er das in Ein­klang mit dem Ge­setz brin­gen kann, das zur Ver­hin­de­rung ei­nes No-De­al ei­ne wei­te­re Ver­län­ge­rung vor­sieht, ließ der Pre­mier er­neut of­fen. Er be­stand dar­auf, das Ge­setz als „Ka­pi­tu­la­ti­ons­er­klä­rung“zu be­zeich­nen: „Es un­ter­mi­niert un­se­re Ver­hand­lungs­po­si­ti­on.“Ähn­lich mar­tia­li­sche Rhe­to­rik kam aus der Re­gie­rung: Man wol­le „mit al­ler Här­te des Ge­set­zes“er­mit­teln, ob die Initia­to­ren des Ge­set­zes „mit frem­den Kräf­ten kol­la­bo­riert“hät­ten. John­son selbst schloss in­des nicht aus, dass sei­ne Re­gie­rung ak­tiv ei­ne Spal­tung der EU im Fall ei­nes wei­te­ren bri­ti­schen An­trags auf Ver­län­ge­rung be­trei­be.

Zwar ar­bei­te man „un­glaub­lich hart“am neu­en De­al. Aber: „Auch die an­de­ren wol­len kein trot­zi­ges und auf­müp­fi­ges Groß­bri­tan­ni­en in der EU.“Ei­ne Neu­vor­la­ge des Ab­kom­mens sei­ner Vor­gän­ge­rin The­re­sa May schloss er aus, nicht hin­ge­gen ei­nen No-De­al.

An­ge­sichts der be­ton­ten Ent­schlos­sen­heit des Pre­miers, aufs Gan­ze zu ge­hen, er­wägt die Op­po­si­ti­on ih­re nächs­ten Zü­ge: Ein Miss­trau­ens­an­trag schon in den „nächs­ten Ta­gen“sei, „die ein­zi­ge Mög­lich­keit“, ei­nen NoDe­al-Br­ex­it am 31. Ok­to­ber zu ver­hin­dern, er­klär­te Ste­wart Ho­sie, Ver­tre­ter der schot­ti­schen Na­tio­na­lis­ten. Da­für sol­le La­bour-Chef Je­re­my Cor­byn als Über­gangs­pre­mier in­stal­liert wer­den, bei der EU um ei­ne Ver­län­ge­rung an­su­chen und da­nach Neu­wah­len aus­schrei­ben.

Das ist ris­kant: Ei­nigt sich die Op­po­si­ti­on nicht auf ei­nen Kan­di­da­ten, könn­te John­son den Zeit­punkt der Wah­len be­stim­men. Die Li­be­ral­de­mo­kra­ten leh­nen Cor­byn ab. Der La­bour-Chef er­klär­te, Neu­wah­len wür­den „je­den Tag wahr­schein­li­cher“. Sei­ne Par­tei wer­de aber erst zu­stim­men, wenn ein No-De­al-Br­ex­it vom Tisch sei. John­son rief die Op­po­si­ti­on auf, „ih­rer ver­fas­sungs­recht­li­chen Auf­ga­be“nach­zu­kom­men und Neu­wah­len zu­zu­stim­men.

In­des er­mit­telt die Po­li­zei zu Be­rich­ten, wo­nach die US-Ge­schäfts­frau Jen­ni­fer Ar­cu­ri in John­sons Zeit als Lon­do­ner Bür­ger­meis­ter von der Stadt Zu­wen­dun­gen von 127.000 Pfund er­hal­ten ha­be, wäh­rend er durch In­ter­ven­tio­nen ih­re Teil­nah­me an Han­dels­mis­sio­nen er­wirk­te. Ar­cu­ri, de­ren Un­ter­neh­men in Kon­kurs sind, soll laut „Sun­day Ti­mes“Freun­den von ei­nem Ver­hält­nis mit John­son er­zählt ha­ben. John­son er­wi­der­te, er sei „sehr, sehr stolz“auf sei­ne Ar­beit in Lon­don. Zu ei­nem In­ter­es­sen­kon­flikt sag­te er: „Es gab nichts Mel­de­pflich­ti­ges.“

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