Wie viel Ne­ben­job geht ei­gent­lich?

EU-Ab­ge­ord­ne­te ge­hen ne­ben­bei oft an­de­ren Auf­ga­ben nach. Wie vie­le St­un­den Ne­ben­tä­tig­keit soll ih­nen er­laubt sein?

Die Presse - - DEBATTE - VON STE­FAN BROCZA (* 1967) ist Ex­per­te für Eu­ro­pa­recht und in­ter­na­tio­na­le Be­zie­hun­gen an der Uni­ver­si­tät Wi­en.

Die neu ge­wähl­ten Mit­glie­der des Eu­ro­pa­par­la­ments ha­ben es be­reits ge­tan, die Ab­ge­ord­ne­ten des neu­en Na­tio­nal­ra­tes wer­den es dem­nächst ma­chen müs­sen: die Er­klä­run­gen zu ih­ren fi­nan­zi­el­len In­ter­es­sen bzw. zu ih­ren Ne­ben­tä­tig­kei­ten ab­ge­ben. Da­nach kann je­der, der sich da­für in­ter­es­siert, nach­le­sen, was „sein“Ab­ge­ord­ne­ter so ne­ben­her noch al­les macht und ins­be­son­de­re wie viel er da­mit ver­dient.

Die je­wei­li­gen Trans­pa­renz­re­geln sind im De­tail zwar un­ter­schied­lich und ins­be­son­de­re beim ös­ter­rei­chi­schen Par­la­ment ist die Ge­samt­sum­me der an­ge­ge­be­nen Ne­ben­ein­künf­te schwer auf die je­wei­li­ge Ne­ben­tä­tig­keit zu­zu­ord­nen. Dar­auf soll hier aber jetzt gar nicht der Fo­kus ge­legt wer­den. Es soll auch nicht um die Hö­he der Ne­ben­ein­künf­te ge­hen (und die Fra­ge, ob es po­li­tisch op­por­tun ist, ne­ben­her mehr zu ver­die­nen als durch die ei­gent­li­che po­li­ti­sche Tä­tig­keit), son­dern ein­fach um die Tat­sa­che, dass ein­zel­ne EU-Ab­ge­ord­ne­te aus Ös­ter­reich ei­ne Un­zahl von Ne­ben­tä­tig­kei­ten ge­mel­det ha­ben. Da der Tag be­kannt­lich nun ein­mal nur 24 St­un­den hat, stellt sich bei so man­chen Ab­ge­ord­ne­ten schlicht­weg die Fra­ge, wo denn der ei­gent­li­che Schwer­punkt ih­rer Tä­tig­keit liegt.

Et­wa Lu­kas Mandl von der ÖVP. Er gibt zwei re­gel­mä­ßi­ge Tä­tig­kei­ten an, die er ne­ben der Wahr­neh­mung sei­nes Man­dats als An­ge­stell­ter oder Selbst­stän­di­ger aus­übt, so­wie 19 (!!) wei­te­re re­gel­mä­ßi­ge Tä­tig­kei­ten. Han­nes Hei­de von der SPÖ ist ne­ben sei­ner Haupt­tä­tig­keit als EU-Ab­ge­ord­ne­ter auch noch Bür­ger­meis­ter der Stadt Bad Ischl, hat neun wei­te­re Tä­tig­kei­ten ge­mel­det (u. a. Auf­sichts­rat der OÖ Ther­men­hol­ding) und ver­weist in sei­ner Er­klä­rung auf „sons­ti­ge fi­nan­zi­el­le In­ter­es­sen“, die die Wahr­neh­mung sei­ner Auf­ga­ben be­ein­flus­sen könn­ten (Teil­ha­ber­schaft am Le­har­thea­ter). Wer auf so vie­len be­ruf­li­chen Hoch­zei­ten gleich­zei­tig tanzt, muss sich die sim­ple Fra­ge ge­fal­len las­sen, ob er sei­ner ei­gent­li­chen Haupt­be­schäf­ti­gung, der Aus­übung sei­nes EU-Man­dats in Straß­burg und Brüs­sel, über­haupt ernst­haft nach­geht.

Wä­ren die bei­den Her­ren nor­mal be­rufs­tä­tig in Ös­ter­reich, wä­re es ein­fach. Bei Ne­ben­be­schäf­ti­gun­gen im Rah­men ei­nes Ar­beits­ver­hält­nis­ses ist näm­lich dar­auf zu ach­ten, dass die ge­setz­lich zu­läs­si­ge Höchst­ar­beits­zeit be­grenzt ist. Die Ar­beits­zeit von meh­re­ren Ar­beits­ver­hält­nis­sen wird da­bei zu­sam­men­ge­rech­net. Je­ner Ar­beit­ge­ber, der sei­ne Ar­beit­neh­mer über das zu­läs­si­ge Höchs­taus­maß hin­aus be­schäf­tigt, kann von der Be­zirks­ver­wal­tungs­be­hör­de zu ei­ner Geld­stra­fe ver­ur­teilt wer­den. Da es eher un­rea­lis­tisch ist, dass die Be­zirks­haupt­mann­schaft Gmun­den der Stadt Bad Ischl we­gen ih­res zu viel ar­bei­ten­den Bür­ger­meis­ters ei­ne Stra­fe auf­er­legt, wird man wohl ei­ne an­de­re (po­li­ti­sche) Lö­sung fin­den müs­sen.

Da ei­ne fi­nan­zi­el­le Höchst­gren­ze für be­ruf­li­che Ne­ben­tä­tig­kei­ten von Po­li­ti­kern aus ver­schie­dens­ten Grün­den kaum um­setz­bar ist, könn­te man doch ei­ne sim­ple zeit­li­che Be­schrän­kung an­denken. Wie wär’s mit ma­xi­mal zehn St­un­den die Wo­che? Oder ei­ne recht­li­che Re­ge­lung in An­leh­nung an die gel­ten­de ma­xi­ma­le Ar­beits­zeit von 60 St­un­den die Wo­che? Was für den Nor­mal­bür­ger gilt, könn­te doch auch für Po­li­ti­ker gel­ten. Das wä­re auch gleich ein net­tes The­ma für die Ab­ge­ord­ne­ten im neu ge­wähl­ten Na­tio­nal­rat: ei­ne Ma­xi­mal­ar­beits­zeit für Po­li­ti­ker. Mit dem net­ten Ne­ben­ef­fekt, dass da­durch fak­tisch die Ne­ben­ein­künf­te mit re­du­ziert wer­den. Viel­leicht wür­de da­durch so­gar der Bür­ger­meis­ter­pos­ten in Bad Ischl frei.

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