Wind­parks kaum un­ter vier Jah­ren ge­neh­migt

Die Presse - - DEBATTE - 5161 Elix­hau­sen

lich zu prü­fen, ob ei­ne ekla­tan­te Be­nach­tei­li­gung ei­ner Grup­pe von Pen­sio­nis­ten vor­liegt. Für die Ab­ge­ord­ne­ten und die be­tref­fen­den Par­tei­en ist dies kein Ruh­mes­blatt. Schon gar nicht für je­ne, die un­ter Schüs­sel die Pen­si­ons­re­form auf den Weg ge­bracht ha­ben. gen. Man er­kennt klar die schutz­wür­di­ge Prio­ri­tät: Geld! Da­bei kön­nen Epi­de­mio­lo­gen sehr so­li­de be­rech­nen, wie vie­le vor­zei­ti­ge To­des­fäl­le al­lein die­ser me­di­al sa­lopp als „Schum­meln“be­zeich­ne­te skru­pel­lo­se Me­ga­be­trug ver­ur­sacht hat und wei­ter ver­ur­sacht.

Noch ist aber in der Cau­sa kei­ne Kla­ge we­gen grob fahr­läs­si­ger Kör­per­ver­let­zung mit mas­sen­haf­ter To­des­fol­ge – ei­ne neue Art ab­gas­tech­nisch in­du­zier­ter Ge­no­zid – aus dem nie­de­ren Mo­tiv Gier (oder auch: „Share­hol­der Va­lue“) be­kannt. Aber wenn man das so sieht, dann müss­te man ja auch noch ganz an­de­re Ver­ant­wort­li­che ganz an­de­rer Groß­kon­zer­ne . . .

Über ein sol­ches Ver­ständ­nis von Ge­rech­tig­keit wür­de ei­ne hoch ent­wi­ckel­te Zi­vi­li­sa­ti­on al­lein aus In­ter­es­se am ei­ge­nen Über­le­ben ernst­haft nach­den­ken. Aber wel­cher ver­un­si­cher­te Klein­ak­tio­när hin­ter der schüt­zen­den Thu­jen­he­cke wirft den ers­ten St­ein? Ren­di­te heu­te oder Lun­gen­krebs mor­gen? – Echt schwie­rig, oder? „. . . Deut­sche Wind­kraft-Bran­che stürzt in die Kri­se“, von Jür­gen St­reih­am­mer, 22. 9. Die be­schrie­be­nen Wid­rig­kei­ten zur Ge­neh­mi­gung von Wind­parks sind kei­nes­wegs ein sin­gu­lär deut­sches Phä­no­men. Wind­parks wer­den in Ös­ter­reich mitt­ler­wei­le auch kaum un­ter vier Jah­ren ge­neh­migt. Aus­lö­ser sind auch hier (über-)be­sorg­te An­woh­ner, meist po­li­tisch op­por­tu­nis­tisch kon­sti­tu­ier­te Bür­ger­initia­ti­ven und NGOs. Das Ar­ten­schutz­recht hat sich als be­lieb­tes­tes In­stru­ment für Pro­jekt­geg­ner eta­bliert. Auch wenn ein gut durch­dach­tes und lang­jäh­rig un­ter­such­tes Pro­jekt da­mit meist nicht ver­hin­dert wer­den kann, ist ei­ne mehr­jäh­ri­ge Ver­zö­ge­rung durch Be­mü­hung der zwei­ten und drit­ten In­stanz in UVP-Ver­fah­ren Usus ge­wor­den. Die Kos­ten hier­für hat be­quemer­wei­se der Pro­jekt­wer­ber zu tra­gen.

Wenn dann auch noch Lei­tun­gen und Um­spann­wer­ke nicht recht­zei­tig aus­ge­baut wur­den (auch sol­che Vor­ha­ben sind meist UVP-pflich­tig) und sich ein Pro­jekt in der sog. War­te­schlan­ge für ei­nen För­der­ta­rif be­fin­det, kom­men gut und gern noch ei­ni­ge Jah­re hin­zu.

Lie­gen end­lich die Vor­aus­set­zun­gen für die Um­set­zung ei­nes Pro­jekts vor, sind die ge­neh­mig­ten An­la­gen­ty­pen oft völ­lig ver­al­tet. Es ist al­so ei­ne Än­de­rung der Ge­neh­mi­gung er­for­der­lich. Und das lässt den Ge­neh­mi­gungs­zir­kus samt al­len Ein­wen­dungs­mög­lich­kei­ten wie­der von vorn be­gin­nen. Die Pra­xis er­in­nert ein we­nig an das Spiel „Mensch är­ge­re Dich nicht“. Für die Er­rei­chung der durch­aus am­bi­tio­nier­ten Ökostrom-Aus­bau­zie­le ist sie je­doch gänz­lich un­ge­eig­net. Die nächs­te Bun­des­re­gie­rung wird dar­an zu mes­sen sein, ob der bis­he­ri­gen An­kün­di­gungs­po­li­tik auch die not­wen­di­ge ge­stal­te­ri­sche Aus­dau­er und le­gis­ti­sche Weit­sicht folgt. Es gilt, ne­ben der blitz­ar­ti­gen Gestal­tung ei­nes neu­en funk­tio­na­len För­der­sys­tems (wir er­in­nern uns an das De­ba­kel in Deutsch­land) und dem Über­den­ken der Ge­neh­mi­gungs­pro­zes­se auch den recht­zei­ti­gen und aus­rei­chen­den Aus­bau der Net­ze si­cher­zu­stel­len. Wenn schluss­end­lich die Lan­des- und Kom­mu­nal­po­li­tik noch den Mut be­weist, zwi­schen Land­tags- und Ge­mein­de­rats­wah­len (und vice ver­sa) doch noch die of­fe­nen Raum­ord­nungs­fra­gen für den wei­te­ren Aus­bau zü­gig zu lö­sen, dann be­steht wirk­lich Hoff­nung.

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