Und nun liegt es an Kurz und Kog­ler

ÖVP und Grü­ne ge­hen in die (vor-)ent­schei­den­de Ver­hand­lungs­wo­che. Kli­ma­schutz und Mi­gra­ti­on sind nach wie vor um­strit­ten. Die Par­tei­chefs ha­ben ih­re Ter­min­ka­len­der leer ge­räumt.

Die Presse - - VORDERSEIT­E - VON THO­MAS PRIOR

ÖVP und Grü­ne ge­hen in die (vor) ent­schei­den­de Ver­hand­lungs­wo­che. Kli­ma­schutz und Mi­gra­ti­on blei­ben um­strit­ten.

Ih­re Scha­den­freu­de über So­zi­al­de­mo­kra­ten und Frei­heit­li­che wol­len ÖVP und Grü­ne lie­ber nicht zu groß wer­den las­sen. Die Er­in­ne­run­gen an ei­ge­ne Kri­sen sind vor al­lem bei den Grü­nen noch ziem­lich le­ben­dig. Und auch in der ÖVP denkt man hin und wie­der an die Zeit vor Se­bas­ti­an Kurz zu­rück, an Micha­el Spin­de­leg­ger zum Bei­spiel. Al­les noch nicht so lan­ge her.

Aber Vor­tei­le hat die rot­blaue Selbst­be­schä­di­gung na­tür­lich schon. Ers­tens: Die Ar­gu­men­te für Tür­kis-Grün wer­den na­he­zu täg­lich mehr. Zwei­tens: ÖVP und Grü­ne kön­nen in Ru­he über ei­ne Ko­ali­ti­on ver­han­deln, wäh­rend an­de­re für die Schlag­zei­len sor­gen.

Übers Wo­che­n­en­de ha­ben sich die Par­tei­chefs, Se­bas­ti­an Kurz und Wer­ner Kog­ler, mit je­nen 33 Pa­pie­ren be­fasst, die sie am Frei­tag von den Fach­grup­pen be­kom­men ha­ben. Dar­in fin­den sich Pas­sa­gen, die gelb oder rot mar­kiert sind. Gelb be­deu­tet, dass es in die­sem Punkt noch Ver­hand­lungs­be­darf gibt. Rot heißt, dass man hier noch sehr weit von­ein­an­der ent­fernt ist.

Vor al­lem in den Ka­pi­teln Zu­wan­de­rung, In­te­gra­ti­on, Min­dest­si­che­rung, Kli­ma­schutz, Wirt­schaft und Steu­ern gibt es vie­le ro­te Stel­len.

Se­bas­ti­an Kurz saß am Sams­tag und teil­wei­se auch am Sonn­tag mit sei­nem in­ners­ten Kreis zu­sam­men, um die Pa­pie­re und die La­ge zu be­wer­ten. Das­sel­be tat Wer­ner Kog­ler mit sei­nen engs­ten Mit­strei­tern bei den Grü­nen. Ob es et­was wird mit Tür­kis-Grün, hängt nun an den Par­tei­chefs, die das im We­sent­li­chen un­ter sich aus­ma­chen wer

den. Da­für sind bei­de mäch­tig ge­nug in ih­rer Par­tei – Kog­ler we­gen sei­ner Wah­l­er­geb­nis­se in die­sem Jahr, Kurz auch qua Par­tei­sta­tut.

Für die nächs­te Wo­che ha­ben Kurz und Kog­ler ih­ren Ter­min­ka­len­der leer ge­räumt. Vier­au­gen­ge­sprä­che sind ge­plant, man trifft sich aber auch in an­de­ren For­ma­tio­nen. Am Mon­tag, um 13 Uhr, checkt zu­nächst ein­mal die zwölf­köp­fi­ge Steue­rungs­grup­pe im Win­ter­pa­lais des Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums ein, um sich über die je­wei­li­gen Er­kennt­nis­se vom Wo­che­n­en­de aus­zu­tau­schen. Die Sit­zung ist für drei St­un­den an­ge­setzt, da­nach soll die Öf­fent­lich­keit in­for­miert wer­den.

Auch ei­ni­ge Fach­grup­pen rech­nen da­mit, dass sie in den nächs­ten Ta­gen noch ei­ne Eh­ren­run­de dre­hen müs­sen, um ro­te und gel­be Pas­sa­gen in wei­ße um­zu­wan­deln. Die „Spiel­feld-Theo­rie“

Spä­tes­tens am Wo­che­n­en­de wird man wohl wis­sen, ob ÖVP und Grü­ne ge­mein­sam ei­ne Re­gie­rung bil­den kön­nen. Ent­ge­gen an­ders lau­ten­der Ge­rüch­te, die am Sonn­tag kur­siert sind, ist man in Ver­hand­ler­krei­sen nach wie vor gu­ter Din­ge. Wie­wohl die in­halt­li­chen Un­ter­schie­de in den oben er­wähn­ten Be­rei­chen nach wie vor be­trächt­lich sind. Ein mög­li­cher Aus­weg wä­re das, was man in­tern die „Spiel­feld-Theo­rie“nennt: Die ÖVP gibt in ei­nem für die Grü­nen wich­ti­gen Be­reich nach und um­ge­kehrt. In der Mi­gra­ti­ons­po­li­tik et­wa bleibt die ÖVP hart, da­für gib sie beim Kli­ma­schutz nach. In den schwarz­grü­nen Ko­ali­tio­nen der west­li­chen Bun­des­län­der funk­tio­niert die­se Form des Kom­pro­mis­ses ganz gut. Auf Bun­des­ebe­ne ist die Sa­che frei­lich kom­ple­xer.

Den­noch wol­len die Ver­hand­ler nicht aus­schlie­ßen, dass ei­ne tür­kis-grü­ne Ko­ali­ti­on noch vor Weih­nach­ten an­ge­lobt wird. Die ÖVP soll es hier ei­li­ger ha­ben als die Grü­nen. Aus un­ter­schied­li­chen Grün­den, wie es heißt. Die Ca­si­nos-Af­fä­re könn­te ei­ner sein.

Einst­wei­len kann man sich dar­auf ver­las­sen, dass SPÖ und Ex-Vi­ze­kanz­ler Heinz-Chris­ti­an Stra­che für schlag­zei­len­mä­ßi­ge Ent­las­tung sor­gen. Wo­bei die rot-grü­nen Tur­bu­len­zen auch ein Nach­teil sind, vor al­lem für die ÖVP und Se­bas­ti­an Kurz: Es gibt ei­nen ge­wis­sen Druck, dass man mit den Grü­nen zu ei­nem po­si­ti­ven Ab­schluss kommt. Denn die Al­ter­na­ti­ven se­hen der­zeit nicht nach sta­bi­len Re­gie­rungs­ver­hält­nis­sen aus, we­der Tür­kis-Rot noch Tür­kis-Blau noch ei­ne Min­der­heits­re­gie­rung.

[ ApA/Hoch­muth ]

Ob es zu ei­ner tür­kis-grü­nen Re­gie­rung kommt, wird maß­geb­lich von Se­bas­ti­an Kurz (l.) und Wer­ner Kog­ler ab­hän­gen. In ih­ren Par­tei­en sind bei­de mäch­tig ge­nug.

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