Ban­ken wur­den ren­ta­bler

Zer­ti­fi­ka­te. Nach den jah­re­lan­gen Kurs­ver­lus­ten bei eu­ro­päi­schen Bank­ak­ti­en könn­te Ex­per­ten zu­fol­ge die Trend­wen­de ein­set­zen.

Die Presse - - MEIN GELD - VON RAJA KORINEK

Die ver­gan­ge­nen Bör­sen­jah­re stan­den ganz im Zei­chen der Wachs­tums­ak­ti­en, zu de­nen vor al­lem Ti­tel aus der Tech­no­lo­gie­bran­che zäh­len. Schließ­lich wur­de die Nach­fra­ge nach de­ren Ak­ti­en be­son­ders von in­no­va­ti­ven Ent­wick­lun­gen, bei­spiels­wei­se im On­line­han­del, be­flü­gelt. Auch die nied­ri­gen Zin­sen tru­gen ein gu­tes Stück bei. Denn da­mit lässt sich Wachs­tum auf Pump leich­ter und län­ger fi­nan­zie­ren, was bei vie­len Wachs­tums­ak­ti­en der Fall ist. Und vie­le An­le­ger wa­ren be­reit, im­mer hö­he­re Be­wer­tun­gen in Kauf zu neh­men, um bei der an­hal­ten­den Hausse mit da­bei zu sein.

Ver­ständ­lich, dass so­ge­nann­te Va­lue-Ak­ti­en lan­ge Zeit ins Ab­seits ge­rie­ten. Die da­hin­ter­ste­hen­den Fir­men ha­ben in der Re­gel so­li­de Ge­schäfts­mo­del­le, er­zie­len ste­ti­ge Ge­win­ne, ver­zeich­nen da­für aber nicht un­be­dingt ho­he Wachs­tums­sprün­ge. Und wer­den des­halb oft als lang­wei­lig ab­ge­stem­pelt. Folg­lich sei­en vie­le die­ser Ak­ti­en un­ter­be­wer­tet, mei­nen Ex­per­ten. Da­bei könn­te sich das Blatt nun aber zu­guns­ten der Va­lue-Ak­ti­en wen­den, glaubt Goran Va­sil­je­vic, Chef­an­la­ge­stra­te­ge bei Ling­ohr & Part­ner As­set Ma­nage­ment. Da­zu ver­weist er auf die jüngs­ten Ent­wick­lun­gen, die er als gu­tes In­diz wer­tet. So hät­ten An­le­ger welt­weit, vor al­lem in den USA, jüngst auch Wachs­tums­ak­ti­en ver­kauft.

Zugleich wa­ren Va­lue-Ak­ti­en ver­mehrt nach­ge­fragt. Die Ro­ta­ti­on könn­te sich in den Win­ter hin­ein fort­set­zen, schätzt Va­sil­je­vic und fin­det, dass vor al­lem Ban­ken­in­vest­ments au­ßer­ge­wöhn­li­che Chan­cen, ins­be­son­de­re in Eu­ro­pa, bö­ten. Hier sei­en ent­spre­chen­de

Ak­ti­en ten­den­zi­ell so güns­tig wie zu­letzt En­de 1989.

Frei­lich, Grund da­für sind die schwe­ren Kurs­ver­lus­te wäh­rend der Fi­nanz- und Eu­ro­kri­se so­wie die dar­aus re­sul­tie­ren­de Null­zins­po­li­tik. Da­mit sank auch die Ren­ta­bi­li­tät der Ban­ken bis 2012 deut­lich. Doch seit dem Tief von da­mals konn­ten die Ban­ken ih­re Ei­gen­ka­pi­tal­ren­di­te von vier Pro­zent kon­ti­nu­ier­lich auf nun­mehr zwölf Pro­zent kräf­tig stei­gern, er­klärt Va­sil­je­vic. Er setzt des­halb auf Bank­ti­tel un­ter an­de­rem aus Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en, Ita­li­en, den Nie­der­lan­den und der Schweiz. We­ni­ger Ge­fal­len fin­det der Markt­ex­per­te der­zeit an Mit­be­wer­bern aus Deutsch­land.

Spa­ni­en stark ver­tre­ten

Ex­akt 25 der eu­ro­päi­schen Bank­ti­tel sind im Üb­ri­gen auch Teil des Eu­ro Sto­xx Banks In­dex, in­klu­si­ve der hei­mi­schen Ers­te Group und RBI. Re­gio­nal stellt Spa­ni­en mit ei­ner Ge­wich­tung von 28 Pro­zent den größ­ten An­teil dar, et­wa mit Ban­co Santan­der oder Ban­co Bil­bao Viz­ca­ya Ar­gen­ta­ria. Frank­reich folgt re­gio­nal an zwei­ter Stel­le, zum Bei­spiel mit der BNP Pa­ri­bas, wo­bei die Ak­tie die höchs­te Ge­wich­tung mit 14,50 Pro­zent im In­dex hat.

Ri­si­ko­be­wuss­te An­le­ger kön­nen da­bei mit dem Wis­domT­ree Eu­ro Sto­xx Banks 3x Dai­ly Le­ver­a­ged ETP (IE00BLS09N­40) ge­he­belt auf die pro­zen­tu­el­le Ve­rän­de­rung des In­dex set­zen. ETP steht für Ex­ch­an­ge Tra­ded Pro­duct, es han­delt sich um be­si­cher­te Zer­ti­fi­ka­te. Doch wie funk­tio­nie­ren sie in die­sem Fall? Steigt der Eu­ro Sto­xx Banks In­dex bei­spiels­wei­se um ein Pro­zent, legt das Pro­dukt um drei Pro­zent zu. Al­ler­dings funk­tio­niert der Mecha­nis­mus eben­so in die ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tung und kann dann zu er­heb­li­chen Ver­lus­ten füh­ren.

Auch gibt es die Mög­lich­keit, et­wa auf das In­dex­schwer­ge­wicht BNP Pa­ri­bas mit ei­nem Fak­tor­zer­ti­fi­kat ge­he­belt zu set­zen. So bie­tet zum Bei­spiel die Com­merz­bank ein ent­spre­chen­des Pro­dukt mit ei­nem He­bel von zwei an (DE000CJ213­G4). Steigt der Ak­ti­en­kurs et­wa um ein Pro­zent, legt der Zer­ti­fi­ka­te­kurs um zwei Pro­zent zu. Al­ler­dings sind bei fal­len­den Kur­sen auch hier grö­ße­re Ver­lus­te mög­lich.

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