Finn­land stürzt in ei­ne Re­gie­rungs­kri­se

EU-Vor­sitz. So­zi­al­de­mo­kra­ti­scher Pre­mier Ant­ti Rin­ne tritt zu­rück, um ei­ne Fünf-Par­tei­en-Ko­ali­ti­on zu ret­ten.

Die Presse - - AUSLAND -

Lang war Ant­ti Rin­ne nicht an der Macht. Gan­ze sechs Mo­na­te führ­te der 57-jäh­ri­ge So­zi­al­de­mo­krat die fin­ni­sche Re­gie­rung an. Am Di­ens­tag reich­te er sei­nen Rück­tritt bei Staats­prä­si­dent Sau­li Nii­ni­stö ein. Ganz frei­wil­lig er­folg­te die­ser Ab­schied nicht. Sei­ne bür­ger­li­chen Ko­ali­ti­ons­part­ner von der Zen­trums­par­tei hat­ten ihn nach ei­nem mehr­wö­chi­gen Streit um die Pos­t­re­form da­zu ge­drängt. „Das wird ei­ne Nar­be hin­ter­las­sen. Aber wir wer­den ei­ne Sal­be dar­auf ge­ben“, sag­te der Stoi­ker aus Hel­sin­ki.

Die Re­gie­rungs­kri­se kommt zu ei­nem merk­wür­di­gen Zeit­punkt. Finn­land hat noch bis zum En­de des Jah­res den Vor­sitz in der Eu­ro­päi­schen Uni­on in­ne. Doch so lang woll­te vor al­lem die kon­ser­va­ti­ve Op­po­si­ti­on nicht mehr war­ten. Sie hat­te für Di­ens­tag­nach­mit­tag ei­nen Miss­trau­ens­an­trag im Par­la­ment an­ge­setzt. Of­fen­bar konn­te sich Rin­ne nicht mehr der Un­ter­stüt­zung sei­ner li­be­ra­len Part­ner aus der Zen­trums­par­tei si­cher sein. Er nahm den Hut, um sei­ner Ab­wahl zu­vor­zu­kom­men.

Ins­ge­samt fünf Par­tei­en bil­den der­zeit die Ko­ali­ti­on in Finn­land. Au­ßer den So­zi­al­de­mo­kra­ten (17,7 Pro­zent) und der Zen­trums­par­tei ge­hö­ren ihr noch die Grü­nen, die Lin­ke und die Schwe­di­sche Volks­par­tei – die Sam­mel­be­we­gung der schwe­disch­spra­chi­gen Min­der­heit – an. Das Bünd­nis soll er­hal­ten blei­ben, nur oh­ne Rin­ne. „Al­le Par­tei­en in der Re­gie­rung ste­hen hin­ter dem Re­gie­rungs­pro­gramm. Wenn mei­ne Rol­le als Mi­nis­ter­prä­si­dent die­ses ge­fähr­det hat, dann ist es bes­ser, dass ich zu­rück­tre­te“, sag­te Rin­ne. Der

Prä­si­dent nahm sein Ge­such an, bat ihn je­doch, im Amt zu blei­ben, bis ei­ne Nach­fol­ge ge­fun­den ist. In Um­fra­gen lie­gen die rechts­po­pu­lis­ti­schen Ba­sis­fin­nen vor­an.

Mi­nis­ter­prä­si­den­tin könn­te nun San­na Ma­rin wer­den, die Vi­ze­che­fin der So­zi­al­de­mo­kra­ten. Die der­zei­ti­ge Ver­kehrs- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mi­nis­te­rin wä­re mit 34 Jah­ren die jüngs­te Re­gie­rungs­che­fin in der Ge­schich­te Finn­lands. Rin­ne will bis 2020 zu­nächst die Par­tei wei­ter­füh­ren.

Zu Fall brach­te Rin­ne der Streit um die auf Eis ge­leg­te Re­form der Post. Der ExGe­werk­schafts­chef hat­te die ge­plan­te Kün­di­gungs­wel­le und die Lohn­kür­zun­gen in der teil­staat­li­chen Post un­ge­wöhn­lich scharf kri­ti­siert. Er de­men­tier­te, dass die Re­gie­rung Ver­schlech­te­run­gen der Ar­beits­be­din­gun­gen ge­bil­ligt ha­be. Die Füh­rung der Post zieh ihn dar­auf­hin der Lü­ge. (red./ag.)

[ Reuters ]

Ant­ti Rin­ne trat als Pre­mier zu­rück.

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