Deutsch­land spart: Über 100.000 Jobs in Ge­fahr

Kon­junk­tur. Han­dels­streit und Br­ex­it tref­fen den Ex­port­welt­meis­ter hart. Die Flau­te in der Au­to­in­dus­trie reißt auch Tau­sen­de Zu­lie­fe­rer in die Kri­se. Die Re­gie­rung ist un­ter Druck, mit In­ves­ti­tio­nen für Schub zu sor­gen.

Die Presse - - ECONOMIST -

10.000 Jobs bei Daim­ler, 15.000 bei Con­ti, 18.000 bei der Deut­schen Bank, und auch der am Di­ens­tag von der Uni­Credit an­ge­kün­dig­te Ab­bau von 8000 Ar­beits­plät­zen dürf­te nicht spur­los an Deutsch­land vor­bei­ge­hen. Fast täg­lich mel­den deut­sche Kon­zer­ne Spar­plä­ne von Grö­ßen­ord­nun­gen, die noch im Vor­jahr un­denk­bar ge­we­sen sind: Die viert­größ­te Volks­wirt­schaft der Welt dürf­te zwar knapp der be­fürch­te­ten Re­zes­si­on ent­kom­men, aber die Un­ter­neh­men ste­hen an­ge­sichts des Han­dels­kon­flikts, der die ge­sam­te Weltwirtsc­haft bremst, und des Br­ex­it voll auf der Brem­se.

Der in die­sem Jahr an­ge­kün­dig­te Stel­len­ab­bau hat be­reits die Mar­ke von 100.000 über­schrit­ten. Wo­bei die Au­to­in­dus­trie – und de­ren Zu­lie­fe­rer – die Vor­rei­ter­rol­le spielt: Die Au­to­in­dus­trie lei­det un­ter dem Han­dels­kon­flikt zwi­schen den USA und Chi­na und den ge­gen­sei­tig an­ge­droh­ten und be­reits auf­er­leg­ten Zöl­len. Gleich­zei­tig gilt es, Mil­li­ar­den in neue Tech­no­lo­gi­en – Stich­wort E-Mo­bi­li­tät und au­to­no­mes Fah­ren – zu in­ves­tie­ren. In der Pro­duk­ti­on, wo jetzt schon Ro­bo­ter vie­le Hand­grif­fe aus­füh­ren, wer­den elek­tro­ni­sche Mit­ar­bei­ter künf­tig noch stär­ker ein­ge­setzt wer­den.

So will Daim­ler sei­ne Per­so­nal­kos­ten um rund 1,4 Mrd. Eu­ro sen­ken, um den Um­bau zum Elek­tro­fahr­zeug­her­stel­ler bes­ser stem­men zu kön­nen. VW wie­der­um will mit bis zu 7000 Mit­ar­bei­tern we­ni­ger ab 2023 3,7 Mrd. Eu­ro mehr Ge­winn er­wirt­schaf­ten.

We­ni­ger Au­tos – we­ni­ger Rei­fen: So lau­tet die Rech­nung bei Con­ti, wo ein Drit­tel der welt­weit 15.000 Ar­beits­plät­ze in Deutsch­land weg­fällt. Mi­che­lin sperrt das Werk bei Bam­berg mit 860 Jobs zu.

Auch klei­ne­re Zu­lie­fe­rer sind be­trof­fen: Das weiß der An­la­gen­bau­er An­dritz, der bei sei­ner deut­schen Toch­ter Schuler 500 Jobs strei­chen muss. So wie der Pres­sen­her­stel­ler Schuler lei­den Pro­du­zen­ten von Ma­schi­nen und An­la­gen un­ter ei­ner Ver­lang­sa­mung der Ex­por­te auf­grund der welt­wei­ten Han­dels­strei­tig­kei­ten. Das spü­ren Sie­mens und Thys­sen Krupp ge­nau­so wie klei­ne Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men – et­wa WMF, Mie­le und die Por­zel­lan­ma­nu­fak­tur Meis­sen.

Bei den Ban­ken wie­der­um gilt es an­ge­sichts der Au­to­ma­ti­sie­rung im Geld­we­sen zu ra­tio­na­li­sie­ren. Vie­le ha­ben aber auch die jüngs­te Fi­nanz­kri­se noch in den Kno­chen.

Die Ar­beits­lo­sig­keit ist mit fünf Pro­zent noch historisch nied­rig. Je­doch steigt die Zahl Selbst­stän­di­ger in schlecht be­zahl­ten Di­enst­leis­tungs­jobs, und die Kurz­ar­beit nimmt zu. Dies, ge­paart mit den Job­strei­chun­gen, könn­te ei­ne Ab­wärts­spi­ra­le aus­lö­sen, wenn die Bin­nen­nach­fra­ge als wich­ti­ge Kon­junk­tur­stüt­ze schwä­chelt. Das er­höht den Druck auf die Re­gie­rung, ak­tiv zu wer­den. Län­der von Chi­na bis Groß­bri­tan­ni­en ha­ben In­ves­ti­ti­ons­pro­gram­me zur An­kur­be­lung der Wirt­schaft be­schlos­sen. Das be­deu­tet al­ler­dings hö­he­re Schul­den. (eid/Bloom­berg)

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