Blitz­gnei­ßer

Die Presse - - FEUILLETON -

S chur­li ha­ben wir es zu ver­dan­ken. Sie wis­sen schon, das ist der mit 120 Jah­ren äl­tes­te Be­woh­ner des Tier­gar­tens Schön­brunn. Die Rie­sen­schild­krö­te hat da­für ge­sorgt, dass ein wun­der­schö­nes ös­ter­rei­chi­sches Wort wie­der auf­tauch­te – der Blitz­gnei­ßer. So be­zeich­ne­te die Spre­che­rin des Tier­gar­tens das Tier, weil es bei ei­ner Stu­die der He­brew Uni­ver­si­ty so­fort wuss­te, was zu tun ist. Schur­li soll­te näm­lich, so wie auch sei­ne Art­ge­nos­sen Mä­di und Men­schik (wer lässt sich ei­gent­lich die Na­men für Tier­gar­ten­tie­re ein­fal­len?) in ei­nen blau­en Ball bei­ßen. Als Be­loh­nung gab es ei­ne Ka­rot­te. In der zwei­ten Stu­fe be­kam je­de der drei Schild­krö­ten ei­nen Ball in ei­ner an­de­ren Far­be zu­ge­wie­sen. Auch das schaff­ten sie pro­blem­los – und das so­gar neun Jah­re nach dem ers­ten Ver­such. Das Lang­zeit­ge­dächt­nis bei Schild­krö­ten funk­tio­niert al­so of­fen­bar gut. We­ni­ger gut klappt es bei uns Men­schen mit dem Sprach­ge­dächt­nis – denn wie man Blitz­gnei­ßer schreibt, da las man in den Me­di­en un­ter­schied­lichs­te Va­ri­an­ten. „Blitz­kneis­ser“ist üb­ri­gens die fal­sches­te da­von. „Gn­ei­ßen“, das ös­ter­rei­chi­sche Verb für „et­was durch­schau­en“, kommt näm­lich ers­tens vom Glei­ßen (Glän­zen) und ist ver­wandt mit dem Gn­eis, dem glim­mern­den Ge­stein. Und nach ei­nem Di­phthong (zum Bei­spiel ei) kommt zwei­tens im­mer ein schar­fes s. Aber un­ter uns, dem Schur­li wird das egal sein. (eko)

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