Trans­fer­sper­re als heim­li­cher Se­gen

En­g­land. Weil Chel­sea wie­der Spie­ler kau­fen darf, ist die gro­ße Ta­len­te-Show in Ge­fahr.

Die Presse - - SPORT -

Chel­sea ver­fügt über die der­zeit wohl span­nends­te Mann­schaft im Klub­fuß­ball. Doch der Ver­ein wur­de zu sei­nem Glück ge­zwun­gen. Die Fi­fa hat­te die Lon­do­ner im Fe­bru­ar mit ei­ner ein­jäh­ri­gen Trans­fer­sper­re be­legt, weil sie 29 min­der­jäh­ri­ge Ta­len­te heim­lich an sich ge­bun­den hat­ten. Im Som­mer durf­te al­so auch kein Er­satz für den nach Ma­drid ab­ge­wan­der­ten Star­spie­ler Eden Ha­zard ver­pflich­tet wer­den, der Su­per-GAU für ei­nen Top­klub in der gna­den­lo­sen Pre­mier Le­ague.

Doch Klub-Iko­ne und NeoCoach Frank Lam­pard mach­te aus der Not ei­ne Tu­gend. Er füll­te den Ka­der mit Nach­wuchs­spie­lern auf und ließ sie auf dem Platz mun­ter drauf­los stür­men. Das Ri­si­ko wur­de be­lohnt, Chel­sea liegt vor dem Gast­spiel bei Ever­ton (13.30 Uhr, li­ve Sky) auf Ta­bel­len­platz vier.

Nun ge­rät Lam­pards Er­folgs­lauf in Ge­fahr. Am Frei­tag hob der In­ter­na­tio­na­le Sport-Ge­richts­hof (CAS) Chel­seas Trans­fer­sper­re auf. Schon im Win­ter dür­fen die Blues wie­der neue Spie­ler ver­pflich­ten. Das Geld da­für soll­te nach der

Zwangs­pau­se schon be­reit­lie­gen. Was aber pas­siert mit den bis­he­ri­gen Er­folgs­ga­ran­ten? Die eng­li­schen Jung­pro­fis Fi­kayo To­mo­ri, 21, Ma­son Mount, 22, Tam­my Abra­ham, 22, Cal­lum Hud­sonOdoi, 19, und der US-Ame­ri­ka­ner Chris­ti­an Pu­li­siˇc,´ 21, ha­ben sich nicht nur in Re­kord­zeit zu Schlüs­sel­spie­lern ent­wi­ckelt, sie ha­ben dem Klub mit ih­rer Spiel­wei­se auch viel Sym­pa­thie ein­ge­bracht. Zu­letzt ha­ben sie pha­sen­wei­se so­gar Man­ches­ter Ci­ty an die Wand ge­spielt (die Guar­dio­la-Trup­pe ge­wann glück­lich 2:1, ver­buch­te aber nur 47 Pro­zent Ball­be­sitz). Gut mög­lich, dass der ei­ne oder an­de­re Pu­bli­kums­lieb­ling nun ei­nem teu­ren Stars wei­chen muss.

Lam­pard wür­de sich und dem Klub da­mit kei­nen Ge­fal­len tun. Nach den Mil­li­ar­den von Ro­man Abra­mo­witsch und dem we­nig an­schau­li­chen Fuß­ball von Trai­nern wie Jo­se´ Mour­in­ho ge­nießt man an der Stam­ford Bridge neu­er­dings den Ruf, ei­ne spek­ta­ku­lä­re Ta­len­te­schmie­de zu sein. Auch die Pres­se fei­ert Chel­sea, de­ren Jung­stars nun Hoff­nungs­trä­ger für das Na­tio­nal­team und die EM 2020 sind.

Vor al­lem ge­hen die Lo­bes­hym­nen auf Coach Lam­pard nie­der. Der 41-Jäh­ri­ge weiß, dass Chel­seas Er­folg nur an­hält, weil er als Ver­eins­le­gen­de den Druck von sei­ner jun­gen Mann­schaft nimmt. Und auch Lam­pard wird schon von Zeit zu Zeit ge­dacht ha­ben: Die Trans­fer­sper­re war für Chel­sea ein heim­li­cher Se­gen. (joe)

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