„Trump ist halt ein Mann der Zöl­le“

In­ter­view. Wa­shing­tons Stra­te­gie im Han­dels­krieg mit Chi­na füh­re nur zu mehr Wi­der­stand, sagt US-Öko­nom Bar­ry Ei­chen­green. Eu­ro­pa emp­fiehlt er ein EU-Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um und Eu­ro­bonds.

Die Presse - - ECONOMIST -

Es stimmt, dass es hier um we­sent­lich mehr als Han­del oder so­gar nur die Han­dels­bi­lanz geht. Es geht um die geo­po­li­ti­sche Kon­kur­renz. Wer wird bei den ent­schei­den­den Tech­no­lo­gi­en künf­tig vorn lie­gen? Wer­den US-Pa­ten­te von den chi­ne­si­schen Fir­men re­spek­tiert wer­den? Was be­deu­tet Chi­nas Do­mi­nanz bei 5G für die Si­cher­heit der USA? Ich bin mir auch nicht si­cher, wie die­se The­men ge­löst wer­den kön­nen. Si­cher ist je­doch, dass die der­zei­ti­ge Po­li­tik der Re­gie­rung Trump die Pro­ble­me nur ver­schärft und zu­sätz­li­chen chi­ne­si­schen Wi­der­stand her­vor­ruft.

Ich glau­be, es wird ei­nen kos­me­ti­schen De­al ge­ben, im Rah­men des­sen Chi­na viel mehr land­wirt­schaft­li­che Pro­duk­te wie So­ja­boh­nen kau­fen wird. Das wird Trump er­mög­li­chen, die hö­he­ren Zöl­le auf chi­ne­si­sche Kon­sum­pro­duk­te er­neut wei­ter zu ver­schie­ben. Das wird aber nicht die da­hin­ter­lie­gen­den Pro­ble­me lö­sen. Je­der der glaubt, dass Chi­na sei­ne grund­sätz­li­che In­dus­trie­po­li­tik im Rah­men der 2025-Stra­te­gie (Chi­na will laut die­ser in wich­ti­gen Zu­kunfts­tech­no­lo­gi­en welt­wei­te Num­mer eins wer­den, Anm.) än­dern wird, ist na­iv. Aber Trump ist halt ein Mann der Zöl­le. ist un­ge­wohnt und un­be­quem, aber ich hof­fe, dass der nächs­te Prä­si­dent ei­nen sen­si­ble­ren und sinn­vol­le­ren Zu­gang zu die­sem The­ma ha­ben wird.

Ja, das glau­be ich. Denn Prä­si­dent Trump hat ei­ne ganz kla­re Vor­stel­lung, was wirt­schaft­li­che Stär­ke be­deu­tet. Für ihn ist die­ser Be­griff eng ver­knüpft mit der Pro­duk­ti­on von Stahl, Ma­schi­nen oder Au­tos – und nicht mit In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie, künst­li­cher In­tel­li­genz oder Gen­tech­nik. Er fo­kus­siert auf die so­ge­nann­te al­te In­dus­trie. Und hier sieht er Eu­ro­pa in ei­nem un­fai­ren Han­dels­vor­teil.

Das hängt von der Fis­kal­po­li­tik der Län­der ab. Die­se müss­ten mit In­ves­ti­tio­nen – et­wa in die für die In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie not­wen­di­ge In­fra­struk­tur – da­für sor­gen, dass Un­ter­neh­men in die­sem Be­reich pro­duk­ti­ver wer­den kön­nen. Dann gibt es wie­der mehr Wachs­tum und die Zen­tral­ban­ken kön­nen die­ser Ent­wick­lung fol­gen.

Di­rekt in der Kri­se war die Re­ak­ti­on der Zen­tral­ban­ken gold­rich­tig. Sie hat ver­hin­dert, dass sich die Re­zes­si­on über lan­ge Jah­re aus­wirkt. Heu­te sind wir nicht mehr in ei­ner Nach-Kri­sen-Si­tua­ti­on, schließ­lich sind seit­her zehn Jah­re ver­gan­gen. Aber et­was an­de­res stimmt dies­mal nicht. Es ist die so­ge­nann­te sä­ku­la­re Sta­gna­ti­on, al­so dass die Men­schen und die Ge­sell­schaft Geld spa­ren und zu we­nig in­ves­tie­ren. Bei Un­ter­neh­men ist der Grund teil­wei­se die Un­si­cher­heit des Han­dels­kriegs oder weil Hoch­tech­no­lo­gie nicht mehr so ka­pi­tal­in­ten­siv ist. Goog­le hat nur ein paar Ser­ver­far­men und braucht kei­ne Fa­b­ri­ken. Hier soll­ten die Staa­ten ein­sprin­gen und in pro­duk­ti­ve In­fra­struk­tur in­ves­tie­ren.

Ich glau­be hier soll­te man sich über­le­gen, was die Bahn­li­ni­en des 21. Jahr­hun­derts sind. Ich wür­de da eher auf Glas­fa­ser­ka­bel tip­pen. Es könn­te aber auch ei­ne Un­ter­stüt­zung für die For­schung und Ent­wick­lung von Fir­men sein, die bes­se­re Bat­te­ri­en für Elek­tro­au­tos ent­wi­ckeln. Es gibt ge­nü­gend schlaue In­ves­ti­ti­ons­mög­lich­kei­ten. Und die­se soll­ten iden­ti­fi­ziert wer­den, be­vor die Re­gie­rung ihr Porte­mon­naie öff­net. Denn dann wer­den al­le Schlan­ge ste­hen.

So lang die Zin­sen, die für die Staats­schul­den ge­zahlt wer­den müs­sen, nied­ri­ger als die Wachs­tums­ra­te des BIPs sind, sin­ken die Schul­den in Re­la­ti­on. Und ge­ra­de der­zeit sind die Zin­sen so nied­rig, dass sich die Staa­ten De­fi­zi­te wie­der eher leis­ten könn­ten.

Ei­ne hö­he­re Ver­schul­dung sorgt gleich­zei­tig aber auch für mehr Ve­r­un­si­che­rung bei den In­ves­to­ren, wes­halb die­se wie­der­um hö­he­re Ren­di­ten ver­lan­gen. Und das treibt die rea­len Zin­sen am Fi­nanz­markt ja wie­der nach oben.

[ Caio Kauffmann ]

„Die Deut­schen müs­sen ver­ste­hen, dass nicht im­mer sie die Zah­ler sein wer­den“, sagt Ei­chen­green über Eu­ro­bonds.

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