Viel ge­lieb­te Par­tei­en: Wenn die Steu­er­zah­ler zwei Mal zah­len

Trotz üp­pi­ger För­de­rung kas­sie­ren die Par­tei­en auf al­len Ebenen von ih­ren Man­da­ta­ren zu­sätz­lich noch ab. Doch man re­det nicht dar­über.

Die Presse - - DEBATTE -

En­de No­vem­ber ging das Pa­me­laBa­shing in der SPÖ in ei­ne wei­te­re Run­de. Par­tei-„Freun­de“ver­such­ten, sie durch Ver­öf­fent­li­chung ih­rer Schul­den von 13.000 Eu­ro bei der SPÖ zu dis­kre­di­tie­ren. Da­mals re­de­ten al­le über den ver­meint­li­chen in­ter­nen Er­pres­sungs­ver­such, die Kurz­zeit-Vor­sit­zen­de zum Rück­tritt zu be­we­gen. Nie­mand aber sprach über die „Par­tei­ab­ga­be“ali­as Par­tei­steu­er. Auch „Schutz­geld“ge­nannt.

Das ist al­ler­dings un­fair. Von der gän­gi­gen Be­deu­tung blei­ben nur „re­gel­mä­ßi­ge Zah­lun­gen“üb­rig – au­ßer man sieht im Zu­sam­men­hang „Man­dat ge­gen Zah­lung“ei­ne Art Er­pres­sung. Aber das wä­re schon weit her­ge­holt.

In­ter­es­sant ist doch, dass die­se „ge­leb­te Rea­li­tät“in Ös­ter­reich kaum bis gar nicht the­ma­ti­siert wird. Es ist ein­fach so. Wie ist es? In al­len Par­tei­en au­ßer bei den Ne­os gibt es die­se Par­tei­steu­er. An­fra­gen ha­ben auch al­le Par­tei­en be­ant­wor­tet – nur die FPÖ nicht.

Am sub­stan­zi­ells­ten war nebst der ent­spre­chen­den

Stel­le der Sta­tu­ten je­ne der SPÖ: „An die Bun­des­or­ga­ni­sa­ti­on ha­ben so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Mit­glie­der der Bun­des­re­gie­rung, so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Staats­se­kre­tärIn­nen, so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Mit­glie­der des Na­tio­nal­rats­prä­si­di­ums, der Volks­an­walt­schaft so­wie der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on ei­ne Man­dats- und Funk­ti­ons­ab­ga­be im Aus­maß von 7 % der mo­nat­li­chen Be­zü­ge zu be­zah­len.“In den Bun­des­län­dern ge­be es un­ter­schied­li­che Re­ge­lun­gen für den Pro­zent­satz und die Hö­he der Be­mes­sungs­grund­la­ge.“

Bei den Grü­nen ha­ben bis 2017 al­le Ab­ge­ord­ne­ten ei­nen pro­zen­tu­el­len Bei­trag an den Fonds des BIV (Bür­ger­initia­ti­ven-Ver­ein) ge­zahlt. Ge­ne­rell sei­en das 5 Pro­zent des Brut­to­ge­halts ge­we­sen, wird mit­ge­teilt. Für die Zu­kunft sei noch nichts ent­schie­den.

Aus der ÖVP hieß es la­pi­dar: „Es gibt bei der Volks­par­tei kei­ne Par­tei­ab­ga­ben der Ab­ge­ord­ne­ten an die Bun­des­par­tei. Als de­zen­tral or­ga­ni­sier­te Par­tei kann es aber hier­bei Re­ge­lun­gen auf ter­ri­to­ria­ler (Land, Be­zirk, Ge­mein­de) oder nicht ter­ri­to­ria­ler Ebe­ne (Teil­or­ga­ni­sa­tio­nen) so­wie in­ner­halb der Klubs ge­ben. Über die­se Re­ge­lun­gen gibt es aber kei­ne zen­tra­le Auf­stel­lung.“

Vi­el­leicht könn­te Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler und Par­tei­en-Ex­per­te Hu­bert Si­ckin­ger aus­hel­fen. Er be­zif­fert die Hö­he der Par­tei­steu­er mit durch­schnitt­lich 16 Pro­zent. Tat­säch­lich ist das Schutz­geld sehr un­ter­schied­lich ge­re­gelt. Der Zu­sam­men­hang zwi­schen Par­tei­ab­ga­be und Man­dat oder Funk­ti­on er­gibt sich aus der Tat­sa­che, dass sie im Ge­gen­satz zum Mit­glieds­bei­trag steu­er­lich ab­setz­bar ist. Die Mit­glied­schaft ge­hört laut Si­ckin­ger zur „per­sön­li­chen Le­bens­füh­rung“, die Par­tei­steu­er zum Be­ruf, „weil man sonst kein Man­dat mehr be­kommt.“

So ge­se­hen, wer­den die Steu­er­zah­ler für die Par­tei­en (mi­nus Ne­os) zwei Mal zur Kas­se ge­be­ten: Ein­mal bei der höchs­ten staat­li­chen Par­tei­en­för­de­rung in ganz Eu­ro­pa. Das zwei­te Mal eben, weil durch die Ab­setz­bar­keit das Steu­er­auf­kom­men ver­rin­gert wird.

Im ver­gan­ge­nen Wahl­kampf hat ÖVP-Chef Se­bas­ti­an Kurz er­klärt, er hät­te sich im­mer schon für ei­ne Re­duk­ti­on der üp­pi­gen Par­tei­en­för­de­rung ein­ge­setzt. Das stimmt je­den­falls für das Jahr 2019.

Im Jän­ner woll­te er sie er­rei­chen, schei­ter­te aber an der FPÖ. So kam es im März zu ei­ner Er­hö­hung, wenn auch we­ni­ger üp­pig als ur­sprüng­lich vor­ge­se­hen. Wenn die Er­in­ne­rung nicht trügt, hat­te Kurz im Wahl­kampf am Hö­he­punkt der De­bat­te um die ÖVP-Spen­den im Zu­sam­men­hang mit der Par­tei­en­för­de­rung auch die Fra­ge auf­ge­wor­fen: Wer braucht ei­gent­lich noch Spen­den? Man könn­te auch fra­gen: Wer braucht da noch Par­tei­steu­ern?

Die Ant­wort, die Han­nes An­d­rosch als Fi­nanz­mi­nis­ter An­fang der 1980erJah­re ge­ge­ben hat, ist si­cher nicht mehr gül­tig. In den Gän­gen des Par­la­ments re­agier­te er auf die Fra­ge, ob sein Amt nicht mit ei­ner Steu­er­be­ra­tungs­kanz­lei un­ver­ein­bar sei, ver­ständ­nis­los: Wie­so? Er zah­le oh­ne­hin dop­pel­te Par­tei­steu­er. Ab­schaf­fung der Par­tei­steu­er statt we­ni­ger För­de­rung? Das wä­re ein neu­er Stil.

VON AN­NE­LIE­SE ROH­RER

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.