„Kopf­wis­sen di­gi­ta­li­sie­ren – zu 100 Pro­zent“

In­dus­trie 4.0. Un­ter­neh­men ha­ben nach wie vor mit ei­ni­gen Hür­den auf dem Weg zur Di­gi­ta­li­sie­rung zu kämp­fen. Mut und Aus­dau­er sei­en ge­fragt, sagt Jo­hann Hof­mann.

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Von der Di­gi­ta­li­sie­rung ist ja nun wirk­lich schon lang die Re­de, und sie ist ein al­ter Hut. Der Blick in die Pra­xis zeigt aber wei­ter: Es ist noch viel zu tun.

Das ha­be meh­re­re Grün­de, sagt Jo­hann Hof­mann. Der Foun­der & Ven­ture Ar­chi­tect of Va­lu­eFac­tu­ring® bei der Ma­schi­nen­fa­brik Rein­hau­sen (2013 ers­ter Preis­trä­ger des „In­dus­trie 4.0 Award“), war kürz­lich auf Ein­la­dung von ITS För­der­be­ra­tung und LLP in Wi­en zu Gast.

Ei­ner der Grün­de: „Di­gi­ta­li­sie­rung fin­det im­mer auf ei­nem ,brown field‘ statt“, sagt Hof­mann. Gre­en fiel­ds, al­so die grü­ne Wie­se, ge­be es im­mer nur in der Theo­rie: „Es gibt im­mer ei­nen his­to­ri­schen Ma­schi­nen­pool, je­de Ma­schi­ne spricht ei­ne an­de­re Spra­che, und es ist mit­un­ter ei­ne ge­wal­ti­ge Auf­ga­be, Kon­nek­ti­vi­tät zu schaf­fen.“

Da­zu kom­me das The­ma „Stamm­da­ten“: Hier­zu zählt Hof­mann ei­ner­seits die tech­ni­schen und kauf­män­ni­schen Da­ten der ein­zel­nen Pro­duk­te, aber auch die Werk­zeug­da­ten, um die Ma­schi­nen rich­tig ein­zu­stel­len. „So­lang man Pa­pier her­um­trägt, muss man viel aus­wen­dig wis­sen.“Di­gi­ta­li­sie­rung be­deu­te, Kopf­wis­sen zu di­gi­ta­li­sie­ren – und zwar zu 100 Pro­zent. Hof­mann bringt ein Bei­spiel: Ein Na­vi­ga­ti­ons­ge­rät, das nur über 98 Pro­zent der Da­ten ver­fügt, bei­spiels­wei­se in ei­nem Neu­bau­ge­biet, kann kei­ne Rou­te er­rech­nen, und man muss selbst na­vi­gie­ren.

„Vom Ab­lauf her wird der Pro­zess erst pa­pier­los.“Das sei die Di­gi­ta­li­sie­rung, sagt er. „Da­nach ver­än­dert sich der Pro­zess, weil nun Din­ge mög­lich wer­den, die vor­her nicht funk­tio­nier­ten.“Das sei die di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on.

Ei­ne an­de­re Hür­de, war­um die Di­gi­ta­li­sie­rung ge­ra­de in pro­du­zie­ren­den In­dus­tri­en noch lang nicht er­le­digt sei, ist die Sor­ge, dass Mit­ar­bei­ter nicht „mit­ge­nom­men“wer­den kön­nen. „Mit­ar­bei­ter wol­len Di­gi­ta­li­sie­rung oft nicht, wol­len nicht mit­ge­hen.“Und wür­den eher auf dem in der Ver­gan­gen­heit Be­währ­ten be­har­ren. „Sie ha­ben Di­gi­ta­li­sie­rungs­angst“, sagt Hof­mann. Sie ver­langt nach Wei­ter­bil­dung in di­gi­ta­ler Kom­pe­tenz. Dar­un­ter ver­steht er Kennt­nis­se über die di­gi­ta­len Wir­kungs­me­cha­nis­men und die Fä­hig­keit und den Wil­len, die­se sinn­voll ein­zu­set­zen. Zu­dem glie­dert er sie in di­gi­ta­le Ein­zel- und Grup­pen­kom­pe­tenz. Un­ter die Ein­zel­kom­pe­tenz fal­len das Ver­ste­hen und Be­wer­ten. Sie sind am ehes­ten über Le­arning by Do­ing zu er­lan­gen.

Als Grup­pen­kom­pe­tenz be­zeich­net Hof­mann die Fä­hig­keit, ein­ge­spiel­te Me­tho­den zu re­spek­tie­ren, sie zu re­flek­tie­ren und auch zu ver­än­dern. Sie zu er­lan­gen, sei al­les an­de­re als ein­fach.

Und noch et­was: Di­gi­ta­li­sie­rung sei ein Pro­zess, der Mut und Aus­dau­er ver­lan­ge: „Ge­ra­de in der In­dus­trie lie­gen kei­ne Kür­bis­se her­um, son­dern Hun­der­te, vi­el­leicht so­gar Tau­sen­de Erb­sen.“Hof­mann meint da­mit, Di­gi­ta­li­sie­rung sei nicht ein ein­zi­ger Schritt, son­dern be­ste­he aus vie­le Klei­nig­kei­ten. Wer­den vie­le von ih­nen rea­li­siert, wer­de der Ef­fekt des Di­gi­ta­li­sie­rungs­auf­wands erst sicht­bar.

Hof­mann sprach in Wi­en auch über Ent­schleu­ni­gung, die die Di­gi­ta­li­sie­rung mit sich brin­gen kön­ne. Im Busi­ness-Kon­text wer­den die­se „Zeit­ge­schen­ke“ein­ge­setzt, um die Pro­duk­ti­vi­tät zu er­hö­hen und die Ar­beit zu be­schleu­ni­gen. Im Pri­va­ten hin­ge­gen schaf­fe die Di­gi­ta­li­sie­rung ef­fek­tiv Zeit: Der Staub­sau­ger­r­o­bo­ter er­le­digt die Ar­beit, die Zeit, in der man frü­her mit dem Staub­sau­ger un­ter­wegs war, lässt sich an­der­wär­tig we­sent­lich an­ge­neh­mer nut­zen. (mhk)

[ ITS/Do­ris Schwarz-Kö­nig ]

Jo­hann Hof­mann, Ex­per­te für In­dus­trie 4.0, bei sei­nem Vor­trag in Wi­en.

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