Know-how auch oh­ne Ti­tel

Wei­ter­bil­dung an Hoch­schu­len. Für den ei­nen muss es ein Mas­ter­ti­tel sein, für den an­de­ren reicht der Ab­schluss als „Aka­de­mi­scher Ex­per­te“. Was sind die Ei­gen­hei­ten und Vor­tei­le die­ser Wei­ter­bil­dungs­schie­ne?

Die Presse - - MANAGEMENT & KARRIERE -

Ein ein­schlä­gi­ger Mas­ter ist die of­fen­sicht­lichs­te Op­ti­on der aka­de­mi­schen Wei­ter­bil­dung. Da­ne­ben gibt es aber aka­de­mi­sche Lehr­gän­ge, die – auch oh­ne Ti­tel – in vie­len Fäl­len ih­ren Zweck er­fül­len. In Pfle­ge­be­ru­fen bei­spiels­wei­se sind Wei­ter­bil­dun­gen vor­ge­schrie­ben, die meist ei­ner Spe­zia­li­sie­rung gleich­kom­men. Da braucht es eben kei­ne Aka­de­mi­ker, son­dern aka­de­mi­sche Ex­per­ten: „Un­ser Lehr­gang für psych­ia­tri­sche Ge­sund­heits­und Kran­ken­pfle­ge et­wa stellt ein kla­res Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bot für je­ne dar, die be­reits ei­nen ent­spre­chen­den Ba­che­lor ha­ben“, sagt Mar­tin Pöl­lin­ger, Lei­ter der Ab­tei­lung Wei­ter­bil­dung, Stu­di­e­n­ad­mi­nis­tra­ti­on und stu­di­en­recht­li­che An­ge­le­gen­hei­ten an der FH Jo­an­ne­um.

Wäh­rend man für ein Mas­ter­stu­di­um In­hal­te im Ge­gen­wert von min­des­tens 90 ECTS-Punk­ten er­ar­bei­ten muss, rei­chen für das aka­de­mi­sche Ex­per­ten­tum im Re­gel­fall 60 Credits – bei ent­spre­chend kür­ze­rer Stu­di­en­dau­er und oft auch oh­ne grö­ße­re Ab­schluss­ar­beit. „Man­che wol­len kei­ne Mas­ter­the­sis schrei­ben und in­skri­bie­ren zu­erst ei­nen aka­de­mi­schen Lehr­gang. Für vie­le ist aber ge­ra­de das ei­gen­stän­di­ge wis­sen­schaft­li­che Ar­bei­ten ei­ne Her­aus­for­de­rung“, sagt Tho­mas Rat­ka, Vi­ze­rek­tor für Leh­re und wis­sen­schaft­li­che Wei­ter­bil­dung an der Do­nauU­ni­ver­si­tät Krems. Der Ti­tel Aka­de­mi­scher Ex­per­te wer­de nor­ma­ler­wei­se nur an Uni­ver­si­tä­ten und Fach­hoch­schu­len ver­ge­ben. Gut die Hälf­te al­ler Stu­di­en­gän­ge an der Do­nau-Uni wer­den mit der Mög­lich­keit an­ge­bo­ten, in ei­nem ers­ten Schritt als Aka­de­mi­scher Ex­per­te ab­zu­schlie­ßen.

Aka­de­mi­sche Ex­per­ten „neh­men ein ver­tie­fen­des fach­li­ches Wis­sen im ge­wähl­ten Fach­be­reich mit und kön­nen in der Fol­ge Spe­zi­al­auf­ga­ben im Ge­sund­heits­we­sen über­neh­men“, er­klärt Wal­ter Draxl, Ge­schäfts­füh­rer der FH Ge­sund­heit in Ti­rol. Für ei­nen Lehr­gang mit die­sem aka­de­mi­schen Ab­schluss ent­schei­den sich laut dem Fach­mann ei­ner­seits Per­so­nen, „die die for­ma­len Zu­gangs­vor­aus­set­zun­gen für ei­nen Mas­ter­lehr­gang nicht zur Gän­ze er­fül­len, und an­de­rer­seits sol­che, die ei­ne fun­dier­te fach­li­che Wei­ter­bil­dung an­stre­ben, aber nicht un­be­dingt ei­ne Ver­tie­fung ih­rer wis­sen­schaft­li­chen Kom­pe­ten­zen wün­schen“, er­klärt Draxl.

Seit 2003 dür­fen Fach­hoch­schu­len den Ti­tel Aka­de­mi­scher Ex­per­te ver­ge­ben, die Uni­ver­si­tä­ten be­reits we­sent­lich län­ger. An der Uni­ver­si­tät Salz­burg bei­spiels­wei­se kann man ent­spre­chen­de Lehr­gän­ge be­le­gen, die so ge­stal­tet sind, „dass sie zu Kom­pe­ten­zen füh­ren, die min­des­tens Ni­veau 5 des Na­tio­na­len Qua­li­fi­ka­ti­ons­rah­mens ent­spre­chen. Die­se be­rufs­be­glei­ten­den Lehr­gän­ge ha­ben meist ei­ne star­ke pra­xis­ori­en­tier­te Aus­rich­tung und die­nen der Wei­ter­bil­dung. Für die­se Lehr­gän­ge rei­chen oft die all­ge­mei­ne Uni­ver­si­täts­rei­fe und ent­spre­chen­de Be­rufs­er­fah­rung als Auf­nah­me­kri­te­ri­um“, er­läu­tert Mat­thi­as Freyn­schlag, Ko­or­di­na­tor für Wei­ter­bil­dung und Bo­lo­gna an der Uni­ver­si­tät Salz­burg.

Nicht nur be­züg­lich der ge­for­der­ten ECTS-Punk­te bie­ten die „Lehr­gän­ge uni­ver­si­tä­ren Cha­rak­ters“mehr Frei­raum als ein Mas­ter­stu­di­um, son­dern auch die Zu­las­sungs­vor­aus­set­zun­gen sind in der

Re­gel we­ni­ger streng – wo­bei bei so man­chem Wei­ter­bil­dungs­mas­ter der Ba­che­lor durch Be­rufs­pra­xis er­setzt wer­den kann. „Im Un­ter­schied zu den bo­lo­gna­kon­for­men Re­gel­stu­di­en müs­sen al­le Stu­die­ren­de von Wei­ter­bil­dungs­stu­di­en Be­rufs­er­fah­rung vor­wei­sen und so­mit be­ruf­lich qua­li­fi­ziert sein“, sagt Na­ta­lie Völk, Lei­te­rin des Zen­trums für aka­de­mi­sche Wei­ter­bil­dung an der FH Wi­en der WKW. Für ein zwei­se­mest­ri­ges aka­de­mi­sches Ex­per­ten­stu­di­um sei­en dort ers­te Be­rufs­er­fah­run­gen aus­rei­chend.

Auch wenn man sich kei­nen neu­en Ti­tel auf die Visitenkar­te hef­ten kann – Lehr­gän­ge zum aka­de­mi­schen Ex­per­ten­tum ha­ben ih­re Vor­tei­le. So bie­ten sie meist ein theo­re­ti­sches Fun­da­ment für prak­tisch er­wor­be­ne Kennt­nis­se. Auch der häu­fig kol­por­tier­te Blick über den Tel­ler­rand hilft, bei­spiels­wei­se auf stra­te­gi­sche Aspek­te: „Ab­sol­ven­ten sind ge­übt, die Per­spek­ti­ven in­ner­halb des ei­ge­nen Un­ter­neh­mens zu öff­nen, re­gel­mä­ßig nach au­ßen auf den Markt zu bli­cken und in­ter­dis­zi­pli­nä­rer zu den­ken“, er­klärt Völk.

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Unis und FH ha­ben ein brei­tes An­ge­bot an Wei­ter­bil­dungs­lehr­gän­gen mit und oh­ne aka­de­mi­schen Ti­tel.

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