Wie sich die SPÖ sa­nie­ren will

Kri­se. Die Gre­mi­en­sit­zung der SPÖ zog sich in die Län­ge. Ren­di-Wa­gner woll­te über das Bud­get re­den – ih­re Kri­ti­ker woll­ten aber über Ren­di-Wa­gner spre­chen.

Die Presse - - VORDERSEIT­E - VON IRIS BONAVIDA

Die SPÖ sprach noch nie ger­ne über ih­re Schul­den, ih­re Bank­kre­di­te, ih­re schwie­ri­ge wirt­schaft­li­che La­ge. Am Mon­tag tat sie es doch: Das Prä­si­di­um und der Vor­stand der Par­tei ka­men zu ei­ner Kri­sen­sit­zung zu­sam­men. Die dro­hen­den Kün­di­gun­gen und der strik­te Bud­get­kurs muss­ten von den Gre­mi­en ab­ge­seg­net wer­den. Und die ro­ten Zah­len der SPÖ of­fen­siv an­zu­spre­chen war für die SPÖ-Spit­ze sicht­lich an­ge­neh­mer, als das zwei­te gro­ße Pro­blem der So­zi­al­de­mo­kra­tie zu the­ma­ti­sie­ren: die Un­zu­frie­den­heit in der Par­tei mit ih­rer ei­ge­nen Füh­rung.

Aber auch da­zu gab es Ge­sprächs­be­darf, und zwar je­de Men­ge. Die Sit­zung in den Par­la­ments­bü­ros der So­zi­al­de­mo­kra­ten zog sich in die Län­ge. „Es flie­gen die Fet­zen. Es geht um Geld – und Per­so­nal“, be­rich­te­te ein So­zi­al­de­mo­krat.

In­so­fern hat­te Pa­me­la Ren­di-Wa­gner recht, als sie vor Sit­zungs­be­ginn noch mein­te: „Es ist kei­ne Über­ra­schung, dass wir ei­ne sehr wich­ti­ge Sit­zung ha­ben. Es geht um nichts we­ni­ger als um die Zu­kunft der So­zi­al­de­mo­kra­tie in Ös­ter­reich.“Ren­di-Wa­gner hat­te es auf die fi­nan­zi­el­le und in­halt­li­che Zu­kunft der Par­tei be­zo­gen. Aber in Wahr­heit ging es auch um ih­re ei­ge­ne. Und um die ih­res Bun­des­ge­schäfts­füh­rers, Chris­ti­an Deutsch.

Die Kri­ti­ker

„Es war ei­ne durch­aus kri­tisch ge­führ­te, aber kon­struk­ti­ve Sit­zung“, sag­te Pa­me­la Ren­diWa­gner. „Die Ernst­haf­tig­keit un­se­rer Si­tua­ti­on und fi­nan­zi­el­len Kri­se wur­de er­kannt.“Mit gro­ßer Mehr­heit sei der Bud­get­pfad be­schlos­sen wor­den. Aber Wi­der­spruch gab es durch­aus, nicht nur am Mon­tag: Vie­le, zu vie­le Feh­ler hat die Par­tei­spit­ze nach Mei­nung ei­ni­ger So­zi­al­de­mo­kra­ten ge­macht. Dass die SPÖ bei der Na­tio­nal­rats­wahl mit 21,2 Pro­zent das schlech­tes­te Bun­des­er­geb­nis ein­ge­fah­ren hat, hät­te man Ren­di-Wa­gner ver­zei­hen kön­nen. Dass Bun­des­ge­schäfts­füh­rer Tho­mas Droz­da da­für ge­hen muss­te und der da­ma­li­ge Wahl­kampf­ma­na­ger Deutsch be­för­dert wur­de, al­ler­dings nicht. Der Un­mut in der Par­tei droh­te vor ein­ein­halb Wo­chen zu es­ka­lie­ren. Die Lan­des­par­tei­en aus Nie­der- und Ober­ös­ter­reich sol­len den Rück­tritt Ren­di-Wa­g­ners ge­for­dert ha­ben. Auch in der Vor­stands­sit­zung am Mon­tag­nach­mit­tag sa­ßen ei­ni­ge der Kri­ti­ker von Ren­di-Wa­gner und Deutsch: die Che­fin der Jung­so­zia­lis­ten, Ju­lia Herr, oder der ehe­ma­li­ge Bun­des­ge­schäfts­füh­rer Max Ler­cher. Auch Andrea Brun­ner ist im Gre­mi­um ver­tre­ten: Die Bun­des­ge­schäfts­füh­re­rin der SPÖ-Frau­en lei­te­te ge­mein­sam mit Deutsch die Par­tei­zen­tra­le. Im Zu­ge des Spar­pa­kets gab sie ih­ren Rück­tritt be­kannt.

Die Un­ter­stüt­zer

Dass Ren­di-Wa­gner noch im­mer an der Spit­ze steht, laut ei­ge­nen Aus­sa­gen „kämp­fe­risch wie eh und je“, hat auch mit ih­ren Un­ter­stüt­zern zu tun. Do­ris Bu­res hält wei­ter­hin an Ren­di-Wa­gner fest: „Ich er­war­te mir, dass wir uns nicht mehr nur mit uns be­schäf­ti­gen“, sag­te sie vor der Sit­zung. Auch Wi­ens Bür­ger­meis­ter, Micha­el Lud­wig, fin­det, „was es jetzt braucht, ist Loya­li­tät“. Und Bur­gen­lands Hans Pe­ter Do­sko­zil woll­te an die­sem Tag nur „über das Bud­get dis­ku­tie­ren“. Wo­bei die Lan­des­haupt­leu­te vor al­lem ei­nes wol­len: Ru­he. Ei­ne (Per­so­nal-)Kri­se der SPÖ könn­te ihr ei­ge­nes Wah­l­er­geb­nis schwä­chen.

Der Schul­den­stand

Die SPÖ hat laut ei­ge­nen An­ga­ben ei­nen Schul­den­stand von 14,9 Mil­lio­nen Eu­ro. 900.000 Eu­ro da­von ha­ben sich im ver­gan­ge­nen Jahr an­ge­sam­melt. Ei­ne ge­naue Auf­lis­tung der Ein­nah­men und Aus­ga­ben liegt nur aus dem Jahr 2017 vor: Da­mals gab die Par­tei ins­ge­samt mehr als 21,9 Mil­lio­nen Eu­ro aus. Sechs Mil­lio­nen Eu­ro da­von mach­te das Per­so­nal aus. Den Schul­den­berg ab­zu­bau­en wird nach dem schlech­ten Wah­l­er­geb­nis schwie­ri­ger: In die­sem Jahr er­hielt die Bun­des­par­tei knapp 8,5 Mil­lio­nen Eu­ro För­de­rung, ab 2020 sind es nur noch 6,7 Mil­lio­nen Eu­ro. Bis En­de 2025 will die SPÖ schul­den­frei sein. Die Be­ra­ter­ver­trä­ge sol­len so rasch wie mög­lich auf­ge­löst, Kün­di­gun­gen so weit wie mög­lich ver­mie­den wer­den. Auch über ei­ne So­li­dar­ab­ga­be wird nach­ge­dacht.

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