„La­bour hät­te die­se Wahl ge­win­nen kön­nen“

Groß­bri­tan­ni­en. Der Po­li­to­lo­ge Tim Ba­le über John­sons fal­sche Wahl­ver­spre­chen und das Füh­rungs­pro­blem der Op­po­si­ti­on.

Die Presse - - AUSLAND -

In der Schluss­pha­se des Wahl­kampfs für die bri­ti­sche Un­ter­haus­wahl am Don­ners­tag hofft die op­po­si­tio­nel­le La­bour Par­ty auf ei­nen End­spurt. Nach ei­ner klei­nen An­nä­he­rung in den Um­fra­gen am Wo­che­n­en­de zo­gen die Kon­ser­va­ti­ven von Pre­mier Bo­ris John­son zu Wo­chen­be­ginn aber wie­der da­von und sind auf Kurs für ei­ne kom­for­ta­ble Mehr­heit von 40 Sit­zen.

Die Kon­ser­va­ti­ven wa­ren bril­lant dar­in, den Me­di­en ein­zu­re­den, dass sie je­de Men­ge aus­ge­ben wer­den, um die Spar­po­li­tik zu be­en­den. In Wahr­heit han­delt es sich um Schall und Rauch. Au­ßer dem Ver­spre­chen, für ein oder zwei Jah­re mehr ins staat­li­che Ge­sund­heits­we­sen zu in­ves­tie­ren, ha­ben sie we­nig an­zu­bie­ten. Was an Aus­ga­ben ver­spro­chen wird, reicht ge­ra­de, neue Kür­zun­gen zu ver­hin­dern. Das kommt nicht ein­mal in die Nä­he da­von, die Ver­wüs­tung im öf­fent­li­chen Sek­tor des letz­ten Jahr­zehnts zu re­pa­rie­ren. Den­noch glau­ben vie­le Wäh­ler, dass John­son ei­nen neu­en Kurs ein­schla­gen wird.

Es zeigt sich, dass es schwer ist, ei­ne zwei­te Wahl zu ge­win­nen, wenn man sie so be­strei­tet wie die vor­an­ge­gan­ge­ne. Das ins­be­son­de­re, wenn ei­nem nichts an­de­res ein­fällt, als noch mehr zu ver­spre­chen, was nur zu Zwei­feln da­ran führt, wie rea­lis­tisch die­se Ver­spre­chen sind.

Je­re­my Cor­byn ist ein mas­si­ver Grund für die Ab­wen­dung vie­ler Wäh­ler. Das ist so au­gen­schein­lich, dass man schwer der Schluss­fol­ge­rung ent­ge­hen kann, dass La­bour mit ei­nem po­pu­lä­re­ren Par­tei­chef die­se Wahl ziem­lich leicht hät­te ge­win­nen kön­nen.

Er will tat­säch­lich Re­gie­rungs­chef sein, und er und sei­ne An­hän­ger – ob sie nun recht ha­ben oder nicht – glau­ben wirk­lich, dass ein Wahl­pro­gramm ihm den Job brin­gen wird, das vom Weih­nachts­mann ge­schrie­ben wor­den sein könn­te.

Wenn Sie mir ei­ne Pis­to­le an den Kopf hal­ten, wür­de ich sa­gen, es wird ei­ne Mehr­heit für die To­ries. Aber wenn Sie die Waf­fe weg­le­gen, wür­de ich auf Num­mer si­cher ge­hen und sa­gen: Schau­en wird uns das an.

Wir hö­ren im­mer je­de Men­ge über tak­ti­sche Stimm­ab­ga­be, aber wenn es dar­auf an­kommt, macht es kei­ner. Wenn die Br­ex­it-Geg­ner aus­rei­chend ent­schlos­sen sind, könn­ten sie tat­säch­lich ei­ne Mehr­heit der Kon­ser­va­ti­ven in ei­ne Patt­stel­lung ver­wan­deln. Wenn die To­ries aber zehn oder mehr Punk­te vor­an sind, nützt al­les Tak­tie­ren nichts.

Wie im Fal­le von (US-Prä­si­dent Do­nald) Trump ist bei John­son sein mie­ser Cha­rak­ter schon „ein­ge­preist“. Die Men­schen wäh­len ihn ers­tens, weil sie ihm sei­ne Be­haup­tung glau­ben, er kön­ne den „Br­ex­it er­le­di­gen“. Zwei­tens, weil die Al­ter­na­ti­ve, Je­re­my Cor­byn, als schwach bei Kri­mi­na­li­tät, Ter­ro­ris­mus und Ein­wan­de­rung ge­se­hen wird, so­wie als un­pa­trio­tisch, un­ent­schlos­sen und in­kom­pe­tent. In an­de­ren Wor­ten: Was wir er­le­ben, ist ei­ne Schlamm­schlacht, kein Schön­heits­wett­be­werb.

[ Reu­ters ]

Ka­ter Lar­ry, die Haus­kat­ze des bri­ti­schen Pre­mier­mi­nis­ters, vor der Dow­ning Street Num­mer 10. Am Don­ners­tag ent­schei­det sich, wer dort als Nächs­tes ein­zieht.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.