EU will „Ma­gnitski-Ge­setz“

Men­schen­rech­te. Die Au­ßen­mi­nis­ter der Uni­on ei­ni­gen sich dar­auf, ein Re­gime zur Be­stra­fung von Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen zu er­ar­bei­ten.

Die Presse - - EUROPÄISCH­E UNION -

Jo­sep Bor­rell sorg­te am Mon­tag auf dem ers­ten Rats­tref­fen der Au­ßen­mi­nis­ter, das er als neu­er Ho­her Ver­tre­ter der EU für Au­ßen- und Si­cher­heits­po­li­tik lei­te­te, für ei­ne Über­ra­schung. Der frü­he­re spa­ni­sche Au­ßen­mi­nis­ter und Nach­fol­ger von Fe­de­ri­ca Mo­g­her­i­ni er­klär­te sei­ne Be­reit­schaft, ein neu­es Sys­tem von Sank­tio­nen zu er­ar­bei­ten, mit dem die EU An­grif­fe auf die Men­schen­rech­te welt­weit be­stra­fen kann.

Da­mit folgt Bor­rell ei­ner Initia­ti­ve der nie­der­län­di­schen Re­gie­rung. De­ren Au­ßen­mi­nis­ter, Stef Blok, hat­te im Ok­to­ber vo­ri­gen Jah­res Ver­tre­ter der an­de­ren Mit­glied­staa­ten zu ei­nem Ge­dan­ken­aus­tausch über so ein glo­ba­les EUSank­ti­ons­re­gime zum Schutz der Men­schen­rech­te ge­la­den. Die­ses wür­de sich grund­le­gend von der be­ste­hen­den Sank­ti­ons­po­li­tik der EU un­ter­schei­den. Die­se be­zieht sich stets auf ein­zel­ne Staa­ten und de­ren Ver­tre­ter; man den­ke bei­spiels­wei­se an die Sank­tio­nen ge­gen rus­si­sche Re­gie­rungs­be­am­te, die ei­ne Rol­le beim il­le­ga­len An­schluss der ukrai­ni­schen Krim oder der An­zet­te­lung des Krie­ges in der Ost­ukrai­ne spie­len. Die tra­di­tio­nel­len Sank­tio­nen ziel­ten dar­auf ab, „staat­li­ches Ver­hal­ten zu än­dern, und sind des­halb dem We­sen nach po­li­tisch“, heißt es in ei­nem nie­der­län­di­schen Dis­kus­si­ons­pa­pier. Da­mit lau­fen sie je­doch stets Ge­fahr, am Ein­stim­mig­keits­prin­zip der EU in au­ßen­po­li­ti­schen Fra­gen zu schei­tern. Denn die Mit­glied­staa­ten pfle­gen teils höchst un­ter­schied­li­che, bis­wei­len so­gar wi­der­sprüch­li­che Be­zie­hun­gen zu den Staa­ten, de­ren Or­ga­ne sank­tio­niert wer­den sol­len.

Das neue Sys­tem sol­le die­ses Pro­blem um­ge­hen, in­dem es welt­weit in­di­vi­du­el­le Men­schen­rechts­ver­let­zer aufs Korn nimmt und mit Maß­nah­men wie Kon­ten­sper­ren oder Ein­rei­se­ver­bo­ten be­straft. Die po­li­ti­sche Kom­po­nen­te ei­ner Sank­ti­ons­er­klä­rung wür­de so­mit we­sent­lich ab­ge­schwächt. Auch könn­ten Mit­glie­der nicht staat­li­cher Or­ga­ni­sa­tio­nen leich­ter sank­tio­niert wer­den.

Die­ser Vor­stoß hat rasch ei­nen in­of­fi­zi­el­len Na­men er­hal­ten: „EU Ma­gnitski Act“. Das spielt auf je­nes US-Ge­setz aus dem Jahr 2012 an, mit dem Washington all je­ne In­di­vi­du­en sank­tio­niert, die am Tod des rus­si­schen Wirt­schafts­prü­fers Ser­gej Ma­gnitski be­tei­ligt wa­ren. Er hat­te ei­nen Hun­der­te Mil­lio­nen Eu­ro schwe­ren or­ga­ni­sier­ten Steu­er­be­trug zu­guns­ten kor­rup­ter Be­am­ter im rus­si­schen In­nen­mi­nis­te­ri­um auf­ge­deckt, war dar­auf­hin fest­ge­nom­men wor­den und 2009 in Haft un­ter omi­nö­sen Um­stän­den ums Le­ben ge­kom­men.

Sei­nen Na­men mei­den EU-Be­am­te im Zu­sam­men­hang mit den Ar­bei­ten am neu­en Sank­ti­ons­re­gime eben­so wie jeg­li­che Be­zü­ge zu Russ­land. Es gilt, die­ses Pro­jekt nicht durch di­plo­ma­ti­sche Ver­wer­fun­gen zu ge­fähr­den. Am Mon­tag sei grund­sätz­li­ches „po­li­ti­sches Ein­ver­neh­men er­reicht wor­den“, sag­te ei­ne EU-Di­plo­ma­tin zur „Pres­se“. Nun wer­de Bor­rells Aus­wär­ti­ger Di­enst den zu­stän­di­gen Ar­beits­grup­pen des Ra­tes Vor­schlä­ge un­ter­brei­ten. An­fang 2020 soll­ten die Au­ßen­mi­nis­ter ent­schei­den, wel­che nächs­ten Schrit­te sie un­ter­neh­men.

[ Reu­ters/Jo­han­na Ge­ron]

Der deut­sche Au­ßen­mi­nis­ter, Hei­ko Maas (links), hat­te am Mon­tag ein Ge­schenk für Jo­sep Bor­rells Pre­mie­re im Rat mit.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.