Wie­der Frau mit Mes­ser ge­tö­tet

Ge­walt. Der Tat­ver­däch­ti­ge, der ge­stän­dig ist, ist staa­ten­los, wur­de aber in Ös­ter­reich ge­bo­ren. Wie geht das?

Die Presse - - ÖSTERREICH -

Sie wur­de mit meh­re­ren Sti­chen in den Bauch ge­tö­tet. Ei­ne 48-jäh­ri­ge Nie­der­ös­ter­rei­che­rin wur­de am Sonn­tag­abend von der Po­li­zei le­b­los in ei­ner Woh­nung im Be­zirk Mi­stel­bach ent­deckt. Ein Not­arzt konn­te nur noch den Tod der Frau fest­stel­len. Als Tat­waf­fe si­cher­te die Po­li­zei ein Kü­chen­mes­ser. Tat­ver­däch­ti­ger ist ein 53-Jäh­ri­ger, eben­falls aus dem Be­zirk Mi­stel­bach.

Der Mann ist staa­ten­los, aber in Ös­ter­reich ge­bo­ren. Er dürf­te sich mit der Frau vor ih­rem Tod ge­strit­ten ha­ben. Je­den­falls wur­de der Po­li­zei ge­gen 20 Uhr Strei­tig­kei­ten in der Woh­nung ge­mel­det. Der Mann zeig­te sich bei der Ein­ver­nah­me laut Po­li­zei ge­stän­dig. Ei­nem Spre­cher zu­fol­ge war der Be­schul­dig­te mit dem Op­fer in ei­ner Be­zie­hung. Erst En­de Ok­to­ber hat­te ein Va­ter sei­ne Frau und sei­ne zwei­jäh­ri­ge Toch­ter in Nie­der­ös­ter­reich er­sto­chen. Dass der Mann staa­ten­los ist und in Ös­ter­reich ge­bo­ren wur­de, ist üb­ri­gens kein Ein­zel­fall.

Tat­säch­lich gibt es meh­re­re Grün­de. Et­wa, wenn je­man­dem die

Staats­bür­ger­schaft ent­zo­gen wird. Das pas­siert, wenn man frei­wil­lig in den Mi­li­tär­dienst ei­nes frem­den Staa­tes ein­tritt oder bei ak­ti­ven Kampf­hand­lun­gen im Aus­land teil­nimmt, heißt es auf der Home­page des Au­ßen­mi­nis­te­ri­ums. Es kann aber auch sein, dass der Be­trof­fe­ne nie ei­ne ös­ter­rei­chi­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit hat­te. Ein Kind staa­ten­lo­ser El­tern ist auch staa­ten­los, selbst wenn es in Ös­ter­reich ge­bo­ren wur­de, heißt es aus dem In­nen­mi­nis­te­ri­um. Feh­len­de Re­gis­trie­rungs­mög­lich­kei­ten für im Aus­land ge­bo­re­ne Kin­der füh­ren eben­falls da­zu. Ein an­de­re Grund ist der Zer­fall von Staa­ten (Ju­go­sla­wi­en) oder Staa­ten­grün­dun­gen. Es gibt auch staa­ten­lo­se Flücht­lin­ge, die nach Ös­ter­reich kom­men. Wie­so der Tat­ver­däch­ti­ge staa­ten­los ist, konn­te die Po­li­zei nicht sa­gen.

Laut Sta­tis­tik Aus­tria leb­ten mit An­fang 2019 ins­ge­samt 16.241 Men­schen oh­ne Staats­an­ge­hö­rig­keit in Ös­ter­reich. Da­von sind 4423 Men­schen staa­ten­los, bei 948 Per­so­nen ist die Staats­an­ge­hö­rig­keit un­be­kannt und bei ei­ner über­wie­gen­den Mehr­heit muss sie noch ge­klärt wer­den: Das be­trifft 10.870 Per­so­nen. Die Zahl der Men­schen oh­ne Staats­an­ge­hö­rig­keit, kri­ti­sier­te die UNHCR 2017 in ei­nem Be­richt, dürf­te aber hö­her sein. So be­ru­he die Zahl auf dem Zen­tra­len Mel­de­re­gis­ter. Da­bei ha­be sich ge­zeigt, dass die Ka­te­go­ri­en ver­schie­den von den Ge­mein­de­be­diens­te­ten bei der Ein­tra­gung aus­ge­legt wer­den. Au­ßer­dem dürf­te es ei­ne Dun­kel­zif­fer ge­ben. Wer kei­nen Auf­ent­halts­ti­tel hat, mel­det sich nicht. Ein­zig Staa­ten­lo­se im Asyl­we­sen sei­en gut do­ku­men­tiert. 2018 gab es elf Asy­l­erst­an­trä­ge von Men­schen mit un­be­kann­ter Staats­an­ge­hö­rig­keit. Wei­ters gab es 656 po­si­ti­ve Asyl­be­schei­de und 120 ne­ga­ti­ve.

Vie­le, wenn sie kei­nen recht­mä­ßi­gen Auf­ent­halts­ti­tel (wie Asyl) ha­ben. So dür­fen Staa­ten­lo­se, die sich in ei­ner ir­re­gu­lä­ren Si­tua­ti­on be­fin­den (der An­trag auf Asyl wur­de et­wa ab­ge­lehnt), kei­ne Ar­beit an­neh­men, sie er­hal­ten aber auch kei­ne so­zia­le Un­ter­stüt­zung oder Kran­ken­ver­si­che­rung. Au­ßer­dem wird ih­nen kein Iden­ti­täts­do­ku­ment aus­ge­stellt, wo­durch sie in Schub­haft kom­men könn­ten. „Erst wenn fest­ge­stellt wur­de, dass Staa­ten­lo­se nicht in das Land ih­res letz­ten Auf­ent­halts oder in ir­gend­ein an­de­res Land, zu dem sie in Be­zie­hung ste­hen, zu­rück­ge­führt wer­den kön­nen, wird die Dul­dung ih­res Auf­ent­halts fest­ge­stellt“, heißt es in dem UNHCR-Be­richt. Ein Recht auf Gr­und­ver­sor­gung (wie sie Asyl­wer­ber be­kom­men) se­hen die meis­ten Bun­des­län­der nicht vor. Erst nach ei­nem Jahr Dul­dung be­steht die Mög­lich­keit für ei­ne Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gung.

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