Kei­ne Steu­ern auf Ver­mö­gen und Erb­schaf­ten

Bud­get. Tür­kis und Grün ver­han­deln über ei­ne öko­lo­gi­sche Steu­er­re­form, man­che For­de­run­gen blei­ben un­er­füllt.

Die Presse - - INLAND - VON NOR­BERT RIEF

Wi­en. Es ist ein al­ter Spruch vie­ler Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler, dass ein Bud­get die in Zah­len ge­gos­se­ne Politik ei­ner Re­gie­rung bzw. ei­ne Re­gie­rungs­er­klä­rung in Zah­len sei. Den Spruch ken­nen auch die Grü­nen: In kaum ei­nem Be­reich kann man sei­ne po­li­ti­sche Hand­schrift so deut­lich hin­ter­las­sen wie beim Bud­get. Und des­halb ist ei­nes der zen­tra­len The­men der ak­tu­el­len Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen zwi­schen ÖVP und Grü­nen ei­ne Steu­er­re­form, die von öko­lo­gi­schen Schwer­punk­ten ge­prägt ist.

Et­was wird es, auch wenn man­che Wirt­schafts­ver­tre­ter seit Wo­chen da­vor war­nen, nicht ge­ben: Steu­er­er­hö­hun­gen. Das schlie­ßen so­wohl Ver­hand­ler der ÖVP als auch der Grü­nen aus.

Und noch et­was wird nicht kom­men, ob­wohl sie ge­ra­de bei lin­ken Par­tei­en in letz­ter

Zeit sehr po­pu­lär ist, so­gar in den USA von de­mo­kra­ti­schen Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten ge­for­dert wird und am ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de vom SPD-Par­tei­tag in Berlin be­schlos­sen wor­den ist: ei­ne Steu­er auf Ver­mö­gen. Die Sub­stanz wer­de man nicht an­grei­fen, heißt es aus Krei­sen der Grü­nen.

Auch ei­ne an­de­re Lieb­lings­idee man­cher Grün-Po­li­ti­ker wird in ei­ner Ko­ali­ti­on mit den Tür­ki­sen nicht rea­li­siert wer­den kön­nen: ei­ne Erb­schafts­steu­er. Sie war in der Ver­gan­gen­heit von grü­nen Po­li­ti­kern im­mer wie­der ge­for­dert wor­den, in letz­ter Ver­si­on für Erb­schaf­ten von mehr als ei­ner Mil­li­on Eu­ro. Al­les über die­sem Be­trag soll mit 25 Pro­zent be­steu­ert wer­den.

Wie man aus Ver­hand­ler­krei­sen hört, sei die Idee ei­ner Erb­schafts­steu­er vom Tisch. Die ÖVP ha­be klar­ge­macht, dass sie die­se For­de­rung nicht mit­tra­gen kön­ne, das hät­ten die Grü­nen ak­zep­tiert.

Steu­er­last soll nicht stei­gen

Was es sehr wohl ge­ben soll, sind Steu­ern auf den Ver­brauch von Res­sour­cen und die Be­las­tung der Um­welt. „Um­welt­ver­schmut­zung ist zu bil­lig“, hat­te Grü­nen-Chef Wer­ner Kog­ler zu Be­ginn der Son­die­rungs­ge­sprä­che mit Se­bas­ti­an Kurz in In­ter­views be­tont. Ei­ne öko­lo­gisch-so­zia­le Steu­er­re­form soll das be­rück­sich­ti­gen und im glei­chen Aus­maß, in dem die­se Ab­ga­ben er­höht wer­den, die Steu­ern auf die Ar­beit sen­ken.

Un­term Strich soll es al­so auch in ei­ner tür­kis-grü­nen Ko­ali­ti­on im bes­ten Fall zu ei­ner Ent­las­tung der Ös­ter­rei­cher kom­men, im schlech­tes­ten Fall soll sich an der Ab­ga­ben­quo­te nichts än­dern. In den Ge­sprä­chen sei man sich auf je­den Fall ei­nig, dass die Steu­er­last in Ös­ter­reich nicht stei­gen dür­fe.

Ei­ne CO2-Steu­er, die CO2-Steu­er heißt, wird nicht kom­men. Die ÖVP hat­te im Wahl­kampf CO2-Steu­ern de­zi­diert ab­ge­lehnt, Kog­ler hat sich kurz nach der Wahl von dem Be­griff ver­ab­schie­det. Ei­ne Öko­lo­gi­sie­rung des Steu­er­sys­tems soll aber grund­sätz­lich nach die­sem Prin­zip um­ge­setzt wer­den. Wer viel CO2 pro­du­ziert, soll durch hö­he­re Steu­ern auf Ener­gie­trä­ger mehr an den Staat be­zah­len. Wer Ener­gie, Schad­stof­fe und Res­sour­cen schont, wird be­lohnt.

In ei­nem äl­te­ren Steu­er­mo­dell der Grü­nen, an dem auch Wer­ner Kog­ler maß­geb­lich mit­ge­ar­bei­tet hat, war für die­sen Be­reich ein Vo­lu­men von vier Mil­li­ar­den Eu­ro vor­ge­se­hen. Im Ge­gen­zug sol­len eben Steu­ern auf die Ar­beit in die­sem Aus­maß ge­senkt wer­den – vor al­lem für Ge­ring- und Mit­tel­ver­die­ner. Wo­bei aus­ge­rech­net die ÖVP/FPÖKo­ali­ti­on schon ei­ne al­te For­de­rung der Grü­nen um­ge­setzt hat: die Sen­kung der So­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge für Per­so­nen mit we­nig Ein­kom­men. Sie wird An­fang 2020 in Kraft tre­ten – als, ne­ben dem Kin­der­bo­nus, ein­zi­ger Punkt der gro­ßen, mehr als acht Mil­li­ar­den Eu­ro um­fas­sen­den tür­kis­blau­en Steu­er­re­form. Die Re­form war ei­nes der Op­fer des Ibi­za-Skan­dals.

Hand in Hand mit der Steu­er­re­form soll der Aus­bau von För­de­run­gen ge­hen. Et­wa für den öf­fent­li­chen Ver­kehr, der zu­dem bil­li­ger wer­den könn­te. Für den Kli­ma­schutz soll die Fo­to­vol­ta­ik-För­de­rung deut­lich stei­gen, Ziel der Grü­nen ist es, So­lar­an­la­gen auf ei­ner Mil­li­on Dä­cher in Ös­ter­reich zu ha­ben. Bei der In­ten­si­vie­rung der For­schung für al­ter­na­ti­ve Ener­gie­trä­ger ren­nen die Grü­nen bei der ÖVP of­fe­ne Tü­ren ein. Be­reits im Wahl­kampf hat­te Kurz da­von ge­spro­chen, Ös­ter­reich zur Was­ser­stoff-Na­ti­on Num­mer eins ma­chen zu wol­len.

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Ei­ne Steu­er­re­form soll mehr För­de­run­gen für al­ter­na­ti­ve Ener­gie brin­gen.

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