Sechs To­te bei Amok­lauf in Uni-Kli­nik

Tsche­chi­en. Ein 42-Jäh­ri­ger er­schoss in der Stadt Ostra­va sechs Men­schen, die in der Not­auf­nah­me des Kran­ken­hau­ses war­te­ten. Of­fen­bar fühl­te er sich von der Kli­nik schlecht be­treut.

Die Presse - - WELTJOURNA­L -

Schock in der tsche­chi­schen In­dus­trie­stadt Ostra­va (Mäh­risch-Ostrau): Dort hat ein 42-jäh­ri­ger Tsche­che am Di­ens­tag in der Uni­ver­si­täts­kli­nik sechs Men­schen, vier Män­ner und zwei Frau­en, er­schos­sen. Zwei wei­te­re Schwer­ver­letz­te kämp­fen nach No­tope­ra­tio­nen um ihr Le­ben. Der mut­maß­li­che Tä­ter rich­te­te, wäh­rend er von der Po­li­zei ver­folgt wur­de, die Waf­fe ge­gen sich selbst.

Der Amok­läu­fer, ein Bau­tech­ni­ker, kam ge­gen 7.15 Uhr in ei­nen War­te­raum der Not­auf­nah­me des Kran­ken­hau­ses und er­öff­ne­te so­fort das Feu­er aus ei­ner Pis­to­le auf die dort Sit­zen­den. Er schoss ih­nen aus nächs­ter Nä­he in Kopf, Hals und Brust. Das al­les ge­schah in­ner­halb we­ni­ger Se­kun­den. Als die Po­li­zei drei Mi­nu­ten spä­ter ein­traf, war der At­ten­tä­ter be­reits ge­flo­hen. Er ver­ließ mit sei­nem Au­to das Ge­län­de der Kli­nik in Rich­tung sei­nes Hei­mat­or­tes.

Zu­vor hat­te er sei­ne Mut­ter te­le­fo­nisch über sei­ne Tat in­for­miert. Sehr wahr­schein­lich durch Hin­wei­se der Mut­ter kam ihm die Po­li­zei nach drei­stün­di­ger Fahn­dung auf die Spur. Als die­se mit ei­nem Hub­schrau­ber über dem et­wa elf Ki­lo­me­ter von Ostra­va ent­fern­ten Dorf kreis­te, schoss der An­grei­fer auf sich selbst. Er wur­de noch ins Kran­ken­haus ge­bracht, wo sich die Ärz­te ei­ne hal­be St­un­de um ihn be­müh­ten, bis er starb.

Über die Mo­ti­ve der Tat gibt es bis­her nur Mut­ma­ßun­gen. Wie Pre­mier­mi­nis­ter And­rej Ba­bisˇ zu Me­di­en sag­te, sei der Mann selbst vor ei­ni­ger Zeit im Kli­ni­kum von Ostra­va be­han­delt wor­den. Of­fen­sicht­lich aber nicht zu sei­ner Zuf­rie­den­heit. Wie der Rund­funk in Prag er­fuhr, hat­te er ge­gen­über sei­nem Ar­beit­ge­ber wie­der­holt be­tont, dass er schwer krank sei und nie­mand ihm hel­fen wol­le. Er ha­be sich da­bei in ei­ne Art Wahn hin­ein­ge­stei­gert. Die Pis­to­le für sei­ne Tat hat­te der Mann sich il­le­gal be­schafft. Die­se Tat­sa­che rief in den Me­di­en so­fort die Fra­ge auf, wes­halb es in Tsche­chi­en re­la­tiv pro­blem­los sei, sich ei­ne Waf­fe zu be­sor­gen. Das Land wehrt sich seit Jah­ren ge­gen ein von der EU an­ge­streb­tes schär­fe­res Waf­fen­recht.

Die Schüs­se in der Not­auf­nah­me hat­ten beim Kli­nik­per­so­nal deut­li­che Ner­vo­si­tät aus­ge­löst. Der ge­sam­te Trakt wur­de von der Po­li­zei eva­ku­iert. Kran­ken­haus­mit­ar­bei­ter äu­ßer­ten sich im Fern­se­hen stark ver­ängs­tigt. Die Uni­ver­si­täts­kli­nik war am Di­ens­tag ge­schlos­sen und nahm kei­ne neu­en Pa­ti­en­ten auf. Schu­len und die na­he ge­le­ge­ne Uni­ver­si­tät wur­den ab­ge­rie­gelt. Über St­un­den hin­weg herrsch­te in der dritt­größ­ten tsche­chi­schen Stadt gleich­sam Aus­nah­me­zu­stand.

Die Tat hat das gan­ze Land er­schüt­tert. Tsche­chi­en gilt all­ge­mein als be­son­ders si­cher. Pre­mier Ba­bisˇ brach ei­nen Be­such in Est­land ab, kehr­te nach Prag zu­rück und woll­te noch im Ta­ges­ver­lauf nach Ostra­va rei­sen, um den Hin­ter­blie­be­nen sein Mit­ge­fühl aus­zu­drü­cken. Er sprach von ei­ner „gro­ßen Tra­gö­die“. Tsche­chi­ens Prä­si­dent Mi­losˇ Ze­man ließ er­klä­ren, ihm fehl­ten die Wor­te. Am Mitt­woch soll der Op­fer mit ei­nem Got­tes­dienst in Ostra­va ge­dacht wer­den. Wo­mög­lich soll an die­sem Tag auch lan­des­weit Staats­trau­er herr­schen.

Im Jahr 2015 er­eig­ne­te sich ei­ne ähn­li­che Tat in der Kle­in­stadt Uher­s­ky´ Brod im Os­ten Tsche­chi­ens: Da­mals drang der Schüt­ze zur Mit­tags­zeit in ei­ne Gast­stät­te ein und schoss mit zwei Waf­fen um sich. Acht Men­schen star­ben. Als die Po­li­zei ein­traf, rich­te­te sich der 62-Jäh­ri­ge selbst. Das Mo­tiv für die Tat konn­te nie ge­klärt wer­den. Die Po­li­zei ging von ei­ner ag­gres­si­ven Kurz­schluss­hand­lung aus.

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