Scholz legt Ak­ti­en­steu­er-Ent­wurf vor

Wer Ak­ti­en kauft, soll künf­tig in zehn Län­dern (dar­un­ter Ös­ter­reich) 0,2 Pro­zent Steu­er zah­len. Doch in Ös­ter­reich kommt der Vor­stoß des deut­schen Fi­nanz­mi­nis­ters gar nicht gut an.

Die Presse - - FINANZEN -

Viel ist von der ge­plan­ten Fi­nanz­trans­ak­ti­ons­steu­er nicht üb­rig ge­blie­ben. Nur noch zehn Staa­ten (Bel­gi­en, Frank­reich, Deutsch­land, Grie­chen­land, Ita­li­en, Por­tu­gal, Slo­we­ni­en, Slo­wa­kei, Spa­ni­en und Ös­ter­reich) wol­len ei­ne sol­che Steu­er ein­he­ben. Die „Pres­se“hat­te im Sep­tem­ber dar­über be­rich­tet. Nun hat deut­sche Fi­nanz­mi­nis­ter Olaf Scholz (SPD) sei­nen eu­ro­päi­schen Kol­le­gen ei­nen fi­na­len Vor­schlag vor­ge­legt, die „Süd­deut­sche Zei­tung“be­rich­te­te dar­über.

Dem­nach soll die Steu­er 0,2 Pro­zent be­tra­gen, sie soll le­dig­lich beim Er­werb von Ak­ti­en an­fal­len, nicht hin­ge­gen auf An­lei­hen, De­ri­va­te und an­de­re Fi­nanz­in­stru­men­te. Ob Pro­duk­te zur pri­va­ten Al­ters­vor­sor­ge be­steu­ert wer­den, darf je­des Land selbst ent­schei­den.

Be­trof­fen wä­ren zu­dem le­dig­lich Ak­ti­en „gro­ßer“Un­ter­neh­men (mit ei­nem Bör­sen­wert von mehr als ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro) in den zehn Län­dern. App­le-Ak­ti­en könn­te man al­so wei­ter­hin steu­er­frei er­wer­ben, eben­so wie die von klei­nen ATX-Un­ter­neh­men wie Scho­el­ler-Bleck­mann, AT&S, Do&Co oder FACC.

Beim Kauf von al­len DAX-Ti­teln fie­le die Steu­er je­doch an. So­gar beim Er­werb der meis­ten ATXWer­te müss­te man die Steu­er wohl be­rap­pen. Denn auch Ers­te Bank, OMV, Raiff­ei­sen, Ver­bund, Voe­st­al­pi­ne, Wie­ner­ber­ger, An­dritz, CA Im­mo, S-Im­mo, Ba­wag, Im­mo­fi­nanz, Len­zing, Post, Uni­qa, Vi­en­na In­suran­ce Group und Te­le­kom sind an der Börse mehr als ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro schwer. Auch au­ßer­halb des ATX gibt es Fir­men mit ei­nem Bör­sen­wert von über ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro. Nach der­zei­ti­gem Stand fal­len et­wa Stra­bag, Mayr-Meln­hof, EVN, Flug­ha­fen, Agra­na, Amag und Pal­fin­ger dar­un­ter. In al­len zehn Län­dern wä­ren 500 Un­ter­neh­men be­trof­fen.

Die Fi­nanz­trans­ak­ti­ons­steu­er war nach der Fi­nanz­kri­se 2008 als ein mög­li­ches In­stru­ment ge­gen Spe­ku­lan­ten ins Ge­spräch ge­bracht wor­den. Die ers­ten Plä­ne sa­hen Ein­nah­men von fast 60 Mil­li­ar­den Eu­ro pro Jahr vor. Nach und nach spran­gen aber im­mer mehr Staa­ten ab, am En­de blie­ben nur die zehn Län­der üb­rig. Im Ok­to­ber hat­ten die Fi­nanz­mi­nis­ter Scholz ge­be­ten, ei­nen Vor­schlag vor­zu­le­gen.

In Ös­ter­reich zeigt man sich nun aber we­nig be­geis­tert. Ös­ter­reich ha­be sich für ei­ne mög­lichst brei­te Be­mes­sungs­grund­la­ge ein­ge­setzt, hieß es aus dem Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um. Die­sen Stand­punkt ver­tre­te Ös­ter­reich nach wie vor und wer­de das auch in der nächs­ten Sit­zung tun. Der vor­lie­gen­de Vor­schlag se­he aber ei­ne mi­ni­ma­le Be­mes­sungs­grund­la­ge vor: Es sol­len kei­ne syn­the­ti­schen An­la­ge­pro­duk­te und De­ri­va­te be­steu­ert wer­den, son­dern aus­schließ­lich Ak­ti­en.

Wei­ters wä­re bei dem Vor­schlag der Hoch­fre­quenz­han­del von der Steu­er be­reit. Das ös­ter­rei­chi­sche Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um ha­be vor ei­ni­ger Zeit ei­ne Stu­die in Auf­trag ge­ge­ben, die ab­schät­zen soll, ob die ur­sprüng­li­chen Zie­le der Fi­nanz­trans­ak­ti­ons­steu­er (z.B.: Spe­ku­la­ti­on ein­däm­men) mit die­sem „deutsch-fran­zö­si­schen Vor­schlag“er­reicht wer­den und wel­che Aus­wir­kun­gen die Steu­er auf den ös­ter­rei­chi­schen Fi­nanz­markt hät­te.

Scholz will die Ein­nah­men aus der Fi­nanz­trans­ak­ti­ons­steu­er in Deutsch­land zur Fi­nan­zie­rung der Grund­ren­te (wer lan­ge ge­ar­bei­tet hat, aber we­nig Pen­si­on er­hält, soll ei­nen Zu­schlag er­hal­ten) nut­zen. Auf die­se hat­te sich die Gro­ße Ko­ali­ti­on im No­vem­ber ver­stän­digt. Das deut­sche Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um rech­net mit Ein­nah­men von an­fäng­lich rund 1,5 Mrd. Eu­ro. Al­len zehn Staa­ten dürf­te die Steu­er et­wa 3,5 Mrd. Eu­ro brin­gen.

[ Reu­ters ]

Der deut­sche Fi­nanz­mi­nis­ter Scholz braucht Geld für die ge­plan­te Grund­ren­te.

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