Un­ge­wöhn­li­che Ru­he in München

Cham­pi­ons Le­ague. Bay­ern ist nur Ta­bel­len­sie­ben­ter, und trotz­dem wird ent­ge­gen al­ler Tra­di­ti­on Ein­tracht in der Trai­ner­fra­ge ge­pre­digt. Zu­min­dest im Vor­stand sind die Wei­chen of­fi­zi­ell ge­stellt.

Die Presse - - SPORT -

Auf­stieg und Grup­pen­sieg sind Bay­ern München schon vor dem letz­ten Grup­pen­spiel der Cham­pi­ons Le­ague heu­te (21 Uhr, li­ve Sky) ge­gen Tot­ten­ham Hot­spur si­cher. Die Stim­mung auf der Weih­nachts­fei­er am Sams­tag war den­noch nicht die bes­te. Die Win­ter­kro­ne ist nach der Nie­der­la­ge ge­gen Glad­bach, die zwei­te in Fol­ge in der Bun­des­li­ga, so gut wie ver­lo­ren, statt­des­sen reicht es nach 14 Run­den nicht ein­mal für ei­nen Eu­ro­pa­cup-Platz. Nur 24 Punk­te be­deu­ten zu­dem die bis­lang schwächs­te Sai­son seit 2010/2011. Da­mals stand der FC Bay­ern un­ter Lou­is van Gaal im­mer­hin noch auf Platz fünf, dies­mal ist es der für Münch­ner Ver­hält­nis­se ei­gent­lich in­dis­ku­ta­ble sie­ben­te Platz.

Der Lack von In­te­rims­trai­ner Han­si Flick, der vor ei­nem Mo­nat vom ge­schass­ten Ni­ko Ko­va­cˇ über­nom­men hat – üb­ri­gens auf Platz vier lie­gend –, hat in­zwi­schen Krat­zer be­kom­men. Nach dem fu­rio­sen Start un­ter Flick mit vier Sie­gen und 16:0 To­ren aus vier Pflicht­spie­len schien gar des­sen dau­er­haf­te Be­för­de­rung über die Win­ter­pau­se hin­aus mög­lich. Bei al­ler ge­lob­ten Spiel­qua­li­tät wer­den aber in die für die nach dem letz­ten Spiel­tag des Jah­res am 21. De­zem­ber an­ge­kün­dig­te Analyse vor al­lem die Er­geb­nis­se ein­flie­ßen.

Ak­tio­nis­mus soll es aber nicht ge­ben. „Genau­so, wie wir nach Sie­gen Ru­he be­wahrt ha­ben, muss man auch jetzt Ru­he be­wah­ren und trotz­dem nach in­nen sehr ehr­lich sein“, er­klär­te Sport­chef Ha­san Sa­lih­a­mid­ziˇc.´ Man wer­de am ver­ein­bar­ten Fahr­plan fest­hal­ten, in der Win­ter­pau­se ana­ly­sie­ren, ob es mit Flick oder ei­nem an­de­ren Coach wei­ter­geht. „Da hat sich nichts ver­än­dert.“

Zwei an­de­re Zu­kunfts­ent­schei­dun­gen wur­den am Mon­tag­abend of­fi­zi­ell ver­laut­bart: Sa­lih­a­mid­ziˇc´ wur­de vom Auf­sichts­rat des deut­schen Re­kord­meis­ters ab 1. Ju­li 2020 in den Vor­stand be­ru­fen, ei­ne Ver­trags­lauf­zeit nicht kom­mu­ni­ziert. Der Ex­pro­fi ist seit 2017 Ma­na­ger bei den Münch­nern, sei­ne an­ste­hen­de Be­för­de­rung war zu­letzt be­reits ver­kün­det wor­den.

Auf der Sit­zung wur­de zu­dem der neue Ver­eins­prä­si­dent Her­bert Hai­ner zum Vor­sit­zen­den des Auf­sichts­rats be­stimmt. Die Wahl fiel wie bei Sa­lih­a­mid­ziˇc´ ein­stim­mig aus, hieß es. Der 65 Jah­re al­te Hai­ner folgt auf Uli Ho­en­eß, der zum Stell­ver­tre­ter in dem Kon­troll­gre­mi­um ge­wählt wur­de. Bei den Bay­ern ist tra­di­tio­nell der Klub­prä­si­dent auch Chef des Auf­sichts­ra­tes – da­her war die Wahl Hai­ners kei­ne Über­ra­schung. „Ich freue mich auf die Zu­sam­men­ar­beit mit mei­nen Kol­le­gen im Vor­stand. Ge­mein­sam ha­ben wir die Auf­ga­be und die Ver­pflich­tung, den FC Bay­ern für die Zu­kunft so aus­zu­rich­ten, dass wir er­folg­reich sein kön­nen und da­bei un­se­re Iden­ti­tät be­wah­ren“, so Sa­lih­a­mid­ziˇc.´ Hai­ner be­zeich­ne­te das Vo­tum sei­ner Kol­le­gen als „Eh­re und Ver­ant­wor­tung zugleich“.

Wäh­rend der Klub­vor­stand um Ru­he be­müht ist, ver­deut­li­chen Wort­mel­dun­gen aus der Mann­schaft die an­ge­spann­te sport­li­che La­ge. „Es steht nicht nur Glad­bach vor uns, son­dern noch ein paar Mann­schaf­ten. Und wer es jetzt noch im­mer nicht be­grif­fen hat und glaubt, das wird schon wie die letz­te Sai­son, der ist fehl am Platz“, pol­ter­te Jos­hua Kim­mich.

Im Vor­jahr mach­ten die Bay­ern im Früh­jahr gar neun Punk­te auf Dortmund gut, konn­ten sich durch das Ach­tel­fi­nal-Aus in der Cham­pi­ons Le­ague ge­gen den spä­te­ren Sie­ger Li­ver­pool je­doch voll auf die Li­ga kon­zen­trie­ren. „Wenn man ehr­lich ist, hat es uns letz­tes Jahr in die Kar­ten ge­spielt. Sonst wä­re es deut­lich schwie­ri­ger ge­wor­den, das Dou­ble zu ho­len“, ge­stand Kim­mich. Die­ses Schick­sal soll sich heu­er be­vor­zugt aber nicht wie­der­ho­len.

Die Rück­kehr auf die Erfolgsspu­r wird auch von Ro­bert Le­wan­dow­ski ab­hän­gen. In den jüngs­ten drei Spie­len traf Bay­erns Tor­jä­ger nicht, zu­vor hat­te er in elf Par­ti­en 16 Mal an­ge­schrie­ben. Auch in Glad­bach ver­gab der Po­le bes­te Mög­lich­kei­ten, fiel statt mit To­ren durch zu­neh­mend un­zu­frie­den wir­ken­de Kör­per­spra­che auf. (red.)

[ AFP]

Mül­ler und Kim­mich har­mo­nie­ren: Ste­hen die bei­den auf dem Feld, hat es je­der Geg­ner bei der Ball­be­hand­lung schwer.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.