Wie soll man um­ge­hen mit dem Ge­burts­ort des Bö­sen?

Gast­bei­trag. Hit­lers Ge­burts­haus in Brau­nau soll „neu­tra­li­siert“wer­den und ei­ne Po­li­zei­sta­ti­on be­her­ber­gen. Ei­ne ver­ant­wor­tungs­lo­se Idee.

Die Presse - - DEBATTE - VON DIRK RUPNOW

Ich ge­ste­he es frei­mü­tig: Ich war in den ver­gan­ge­nen Jah­ren kein Un­ter­stüt­zer von Andre­as Mais­lin­gers Idee, Hit­lers Ge­burts­haus in Brau­nau am Inn in ein „Haus der Ver­ant­wor­tung“zu ver­wan­deln. Ich hat­te im­mer den Ein­druck, dass es der völ­lig un­an­ge­brach­ten Fe­ti­schi­sie­rung des Or­tes erst recht noch ein­mal Vor­schub leis­tet. Im­mer­hin hat Adolf Hit­ler nur we­ni­ge Mo­na­te im Haus und die ers­ten drei Jah­res sei­nes Le­bens in der Stadt ver­bracht und kei­ne prä­gen­den Ein­drü­cke dort emp­fan­gen. Sei­ne „for­ma­ti­ve ye­ars“ver­brach­te er wo­an­ders: in Wi­en, dem er in ei­ner Hass­lie­be ver­bun­den war.

Brau­nau war nicht mehr als ein Zu­falls­ge­burts­ort für den Sohn ei­nes her­um­zie­hen­den Zoll­be­am­ten. In „Mein Kampf“sti­li­sier­te Hit­ler den Zu­fall frei­lich zu ei­ner Fü­gung des Schick­sals. Das Ge­burts­haus wur­de nach dem „An­schluss“von der NSDAP zu ei­nem über­höh­ten Preis ge­kauft und gleich da­nach als „Ge­burts­stät­te des Füh­rers und Reichs­kanz­lers Adolf Hit­ler“un­ter Denk­mal­schutz ge­stellt, zu ei­ner zen­tra­len Kult­stät­te wur­de es aber nicht: Nach ei­ner Sa­nie­rung wur­de ein Kul­tur­zen­trum mit ei­ner Ga­le­rie und ei­ner Volks­bü­che­rei in­stal­liert.

Kein Tä­ter­ort, kein Op­fer­ort

Was gä­be es al­so an die­sem Ort zu ler­nen? Das „Hit­ler-Haus“in Brau­nau hat kei­ner­lei Be­deu­tung für die Ge­schich­te des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus und sei­ner Mas­sen­ver­bre­chen, es han­delt sich auch nicht um ei­nen Tä­ter­ort, wie et­wa der Stand­ort ei­ner Ver­fol­gungs­be­hör­de, und schon gar nicht um ei­nen Op­fer­ort, wie ein La­ger­ge­län­de, auf dem Men­schen ge­lit­ten ha­ben und zu To­de ge­bracht wur­den.

Viel­sa­gend ist frei­lich der Um­gang mit die­sem Ort: sei­ne ge­ra­de­zu my­thi­sche Auf­la­dung als „Ge­burts­ort des Bö­sen“, die ihn glo­bal be­kannt macht – und die Hilf­lo­sig­keit im Um­gang da­mit. Schon mit ei­ner Be­treu­ungs­ein­rich­tung für Men­schen mit Be­hin­de­run­gen wur­de ei­ne Art Teu­fels­aus­trei­bung in­sze­niert. Vor al­lem aber die Ab­ris­s­ide­en vom da­ma­li­gen In­nen­mi­nis­ter ga­ben den Blick frei auf selt­sa­me Fan­ta­si­en von Rei­ni­gung und Lö­schung. So­bot­ka nann­te ei­ne Schlei­fung die „sau­bers­te Lö­sung“.

Das In­nen­mi­nis­te­ri­um rich­te­te schließ­lich ei­ne „Kom­mis­si­on zum historisch kor­rek­ten Um­gang mit dem Ge­burts­haus Adolf Hit­lers“ein. Als „historisch kor­rekt“wur­de emp­foh­len, das Ge­bäu­de so­zi­al­ka­ri­ta­tiv oder be­hörd­lich-ad­mi­nis­tra­tiv zu nut­zen, die wei­te­re As­so­zi­ie­rung mit der Per­son Hit­lers bzw. mit dem Na­tio­nal­so­zia­lis­mus, auch durch ei­ne mu­sea­le Nut­zung, mög­lichst zu un­ter­bin­den und ei­ne ar­chi­tek­to­ni­sche Um­ge­stal­tung vor­zu­neh­men, die den Wie­der­er­ken­nungs­wert des Ge­bäu­des und da­mit sei­ne Sym­bol­kraft zer­stört. Frei­lich woll­te man sich nicht dem Vor­wurf aus­set­zen, die Ge­schich­te des Or­tes zu

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