Ab­schied von ei­nem schwe­di­schen Ge­sicht des Pop

Ro­xet­te-Sän­ge­rin Ma­rie Fre­driks­son ist 61-jäh­rig dem Krebs er­le­gen.

Die Presse - - Feuilleton - (ag./tk) [ AFP ]

„Look Sharp!“hieß 1988 ihr zwei­tes Al­bum, „Crash! Boom! Bang!“1994 ihr fünf­tes: Ro­xet­te spiel­ten Pop mit Ruf­zei­chen, un­ver­schäm­ten Pop, wie man in den Acht­zi­ger­jah­ren gern sag­te. Da­mit stand die­ses schwe­di­sche Duo durch­aus in der Tra­di­ti­on von Ab­ba, je­nem Quar­tett, das in den Sieb­zi­ger­jah­ren die Vor­stel­lung be­grün­det hat­te, dass man sich in Schwe­den nicht nur auf die Pro­duk­ti­on von Voll­holz­mö­beln und ma­ri­nier­tem Lachs, son­dern auch von Po­phits be­son­ders gut ver­steht. Wo Ab­ba aus zwei Ehe­paa­ren be­stand, war das Duo Ro­xet­te frei­lich ein Paar, das gar kein Paar war. Auch ganz dem Zeit­geist ent­spre­chend trug Ma­rie Fre­driks­son das blon­de – das was­ser­stoff­blon­de, sag­te man da­mals – Haar kurz, wäh­rend Per Gess­le sei­nes sorg­fäl­tig föhn­te. Die Hitsongs, die die bei­den in schwe­di­scher Qua­li­tät pro­du­zier­ten, wa­ren Le­gi­on: Das schön schnel­le „Sleeping In My Car“mit der fan­tas­ti­schen Zei­le „The night is pret­ty and so young, oh yeah!“und der de­zent rau­chen­den Gi­tar­re war viel­leicht der bes­te, „It Must Ha­ve Be­en Love“mit sei­nen leicht kä­si­gen Key­boards der ty­pischs­te. Der dann auch im ar­che­ty­pi­schen, selt­sa­mer­wei­se erst 1990 er­schie­ne­nen Acht­zi­ger­jah­re-Film­dra­ma „Pret­ty Wo­man“vor­kam.

Letz­te Sing­le: „It Just Hap­pens“

2002 wur­de bei Ma­rie Fre­driks­son ein Hirn­tu­mor dia­gnos­ti­ziert, seit­dem ist der fri­sche Op­ti­mis­mus der Ro­xet­te-Songs in den Köp­fen der vie­len Men­schen, de­nen sie et­was be­deu­ten, grau um­flort. Den­noch, erst recht hiel­ten ih­nen die Fans die Treue. Trotz di­ver­ser Aus­falls­er­schei­nun­gen ging Fre­driks­son wie­der auf die Büh­ne, wur­de ge­ehrt und ge­liebt. „It Just Hap­pens“hieß 2016 ei­ne Sing­le mit der ka­no­ni­schen Zei­le „Love will find a way“: Da war er noch ein­mal, der voll­mun­di­ge Key­board-Pop, der in die Welt hin­aus­ruft, dass al­les gut wird, wer­den muss, wer­den soll­te. Am 9. De­zem­ber ist Fre­driks­son dem Krebs er­le­gen. „Die Zeit ver­geht so schnell“, schreibt Per Gess­le: „Es ist noch nicht lang her, dass wir Ta­ge und Näch­te in mei­nem Apart­ment ver­bracht ha­ben, wo wir Mu­sik hör­ten, die wir lieb­ten, und un­mög­li­che Träu­me mit­ein­an­der teil­ten. Und wel­chen Traum konn­ten wir schließ­lich mit­ein­an­der tei­len!“

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