Kon­flikt­rei­che Pre­mie­re für neu­en Prä­si­den­ten Mi­chel

Eu­ro­päi­scher Rat. Tsche­chi­ens Atta­cken auf Ös­ter­reich, die Ner­vo­si­tät über den Br­ex­it und der Bud­get­streit prä­gen den letz­ten Gip­fel 2019.

Die Presse - - EUROPÄISCH­E UNION -

Gleich bei sei­ner An­kunft fuhr And­rej Ba­bis,ˇ Tsche­chi­ens Mi­nis­ter­prä­si­dent, ei­ne schar­fe Atta­cke ge­gen Ös­ter­reich. „Ich fin­de es sehr ko­misch, dass Ös­ter­reich – das ja ge­gen Atom­kraft ist – 25 Pro­zent sei­ner Ener­gie aus der Tsche­chi­schen Re­pu­blik be­zieht“, sag­te er. „Es ist al­so sehr selt­sam, dass sie da­ge­gen pro­tes­tie­ren, dass wir Ener­gie für sie pro­du­zie­ren. Die Ös­ter­rei­cher soll­ten wis­sen, dass es we­ni­ger Ener­gie für sie ge­ben wird, wenn wir so­fort kli­ma­neu­tral wer­den sol­len.“Und er füg­te auf Deutsch hin­zu: „Oh­ne tsche­chi­schen Strom wä­re Wi­en oh­ne Strom.“Hin­ter­grund ist der Streit um die Fra­ge, ob Kern­kraft auch aus dem neu­en, über sie­ben Jah­re mit 100 Mil­li­ar­den Eu­ro zu fül­len­den EU-Fonds für den ge­rech­ten Wan­del zur Kli­ma­neu­tra­li­tät ge­för­dert wer­den soll oder nicht. Ös­ter­reich und Lu­xem­burg leh­nen dies ab, de­zent un­ter­stützt von Deutsch­land und Ir­land. Hin­ge­gen sind Po­len, Un­garn, Tsche­chi­en, die Slo­wa­kei, Bul­ga­ri­en und Un­garn der An­sicht, dass es ih­nen oh­ne Atom­kraft nicht ge­lin­gen wird, bis zum Jahr 2050 emis­si­ons­frei zu wer­den. Tsche­chi­en wür­de das 30 bis 40 Mil­li­ar­den Eu­ro kos­ten, sag­te Ba­bis.ˇ Schüt­zen­hil­fe er­teil­te ihm Un­garns Mi­nis­ter­prä­si­dent, Vik­tor Or­ban:´ „Oh­ne Atom­kraft wird das nicht ge­hen.“

Der der­zeit völ­lig fest­ge­fah­re­ne Streit um den Haus­halts­rah­men der EU für die Jah­re 2021 bis 2027 ist nun Chef­sa­che. Sprich: Mi­chel muss bis zum Früh­jahr ver­su­chen, ei­ne Lö­sung zu skiz­zie­ren. Sonst sieht es mit den hoch­tra­ben­den Kli­ma-, Di­gi­ta­li­sie­rungs- und au­ßen­po­li­ti­schen Zie­len, wel­che die EUChefs er­rei­chen wol­len, tr­üb aus. 1,07 Pro­zent der eu­ro­päi­schen Wirt­schafts­leis­tung sol­le der Haus­halt um­fas­sen, schlug der fin­ni­sche Rats­vor­sitz jüngst vor. Zu viel, fin­den Deutsch­land, Ös­ter­reich, die Nie­der­lan­de und Dä­ne­mark. Zu we­nig, mei­nen Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin Ur­su­la von der Ley­en, das Eu­ro­pa­par­la­ment so­wie die Net­to­emp­fän­ger­län­der. Spa­ren wol­len al­le Re­gie­run­gen je­den­falls nicht dort, wo sie pro­fi­tie­ren. „Mei­ne Bot­schaft an un­se­re Land­wir­te: Ich ste­he hin­ter Ih­nen“, sag­te et­wa Frank­reichs Prä­si­dent, Em­ma­nu­el Ma­cron.

Ein „Er­geb­nis, das Ge­wiss­heit schafft“, wünscht sich, stell­ver­tre­tend für vie­le sei­ner Kol­le­gen, Ir­lands Re­gie­rungs­chef, Leo Va­ra­dkar, von der bri­ti­schen Par­la­ments­wahl. Al­le wol­len sie den Br­ex­it end­lich hin­ter sich brin­gen; Mi­chel ist prag­ma­ti­scher als sein Vor­gän­ger Do­nald Tusk, der sich als „le­bens­lan­ger Re­mai­ner“be­zeich­ne­te. Bloß: Wer­den die Ver­hand­lun­gen über die künf­ti­ge Be­zie­hung zu Lon­don mit ei­nem ge­stärk­ten Pre­mier­mi­nis­ter Bo­ris John­son wirk­lich ein­fa­cher?

Die Chefs er­ör­tern auch die „Kon­fe­renz über die Zu­kunft Eu­ro­pas“, wel­che bis 2022 Re­form­plä­ne kon­kre­ti­sie­ren soll. Um In­hal­te geht es da­bei nicht – son­dern ein­zig dar­um, sich dar­über ab­zu­stim­men, wie das be­son­ders fan­ta­sie­vol­le Eu­ro­pa­par­la­ment recht­zei­tig ein­ge­bremst wer­den kann.

[ Mi­chel/Twit­ter]

Die Toch­ter von EU-Rats­prä­si­dent Charles Mi­chel nahm den Tru­bel um den Gip­fel ge­las­sen hin.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.