Ge­gen­ge­schäf­te an­er­kannt

Euro­figh­ter. Das Wirt­schafts­res­sort hat über­ra­schend die Prü­fung der Ge­gen­ge­schäf­te ab­ge­schlos­sen. Euro­figh­ter hat da­mit den Ver­trag er­füllt.

Die Presse - - ECONOMIST -

Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Eli­sa­beth Udolf-Strobl hat bis­her zu den un­auf­fäl­li­ge­ren Res­sort­chefs in der Über­gangs­re­gie­rung ge­hört. Um so über­ra­schen­der ist es, dass sie am Don­ners­tag ei­ne Ent­schei­dung in ei­ner bri­san­ten Cau­sa ver­kün­de­te: Das Mi­nis­te­ri­um hat die Über­prü­fung der Euro­figh­ter-Ge­gen­ge­schäf­te ab­ge­schlos­sen und Ge­schäf­te im Wert von 4,5 Mil­li­ar­den Eu­ro an­er­kannt. Da­mit hat Euro­figh­ter bzw. des­sen Mut­ter­kon­zern, Air­bus, die Ge­gen­ge­schäfts­ver­pflich­tun­gen er­füllt.

Zu rech­nen war mit die­sem Schritt nicht. Noch im Früh­jahr hat­te Udolf-Stro­bls Vor­gän­ge­rin, ÖVP-Mi­nis­te­rin Mar­ga­re­te Schram­böck, dies ex­pli­zit aus­ge­schlos­sen. „Für den Ab­schluss des Prüf­ver­fah­rens gilt es vor­erst den Ab­schluss der staats­an­walt­li­chen Er­mitt­lun­gen ab­zu­war­ten“, schrieb Schram­böck in ei­ner par­la­men­ta­ri­schen An­fra­ge­be­ant­wor­tung. Und die­se Er­mitt­lun­gen dau­ern be­kannt­lich im­mer noch an.

Euro­figh­ter hat sich bei Ver­trags­ab­schluss mit der Re­pu­blik im Jahr 2003 ver­pflich­tet, Ge­gen­ge­schäf­te im Wert von 200 Pro­zent des Kauf­prei­ses der Flug­zeu­ge oder 3,5 Mrd. Eu­ro mit ös­ter­rei­chi­schen Fir­men ab­zu­wi­ckeln. Die­se

Ge­schäf­te wa­ren beim Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um ein­zu­rei­chen, das zu prü­fen hat, ob die ein­zel­nen Ge­schäf­te ver­trags­kon­form sind. Da geht es vor al­lem dar­um, ob es sich um zu­sätz­li­che Ge­schäf­te han­delt, die oh­ne Euro­figh­ter-Ver­trag nicht zu­stan­de ge­kom­men wä­ren.

Bald tauch­ten bei vie­len Ge­schäf­ten Zwei­fel auf, ob es sich tat­säch­lich um ech­te Ge­gen­ge­schäf­te han­delt. Es gibt Be­rich­te, wo­nach Fir­men da­für be­zahlt wur­den, dass sie Ge­schäf­te beim Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um ein­reich­ten. Und laut ei­nem Gut­ach­ten der Staats­an­walt­schaft ist ein gu­ter Teil der Wert­schöp­fung bei an­er­kann­ten Ge­schäf­ten gar nicht im In­land er­bracht wor­den. Vor al­lem sol­len Ge­gen­ge­schäf­te ver­wen­det wor­den sein, um Be­ste­chungs­gel­der zu ver­tei­len. Air­bus hat ei­ne Brief­kas­ten­fir­ma na­mens Vec­tor Ae­ro­s­pace ge­grün­det, die 183 Mil­lio­nen Eu­ro er­hielt, of­fi­zi­ell da­für, Ge­gen­ge­schäf­te zu ver­mit­teln. Tat­säch­lich dürf­ten aber über ein weit­ver­zweig­tes Netz von Brief­kas­ten­fir­men be­trächt­li­che Sum­men wei­ter­ge­lei­tet wor­den sein.

Auf­grund die­ser Ent­wick­lung hat das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um auch be­reits im Jahr 2011 die An­er­ken­nung von Ge­gen­ge­schäf­ten ge­stoppt. Euro­figh­ter hat wei­ter Ge­schäf­te ein­ge­reicht, die­se wur­den ge­prüft, aber nicht be­stä­tigt. Auch be­reits ab­ge­schlos­se­ne Fäl­le wur­den vom Mi­nis­te­ri­um noch­mals ge­prüft. Man woll­te die Sa­che of­fen­sicht­lich auf die lange Bank schie­ben, ehe nun Udolf-Strobl – sie war vor ih­rer Mi­nis­ter­zeit Lei­te­rin der Tou­ris­mus­sek­ti­on und da­vor Ka­bi­netts­che­fin der Mi­nis­ter Han­nes Farn­leit­ner und Wolf­gang Schüs­sel – ei­ne Ent­schei­dung traf.

Em­pört dar­über ist der lang­jäh­ri­ge Euro­figh­ter-Auf­de­cker Pe­ter Pilz: Das sei ein „Akt der Sa­bo­ta­ge“, ei­ne „Schä­di­gung ös­ter­rei­chi­scher In­ter­es­sen“und ein „Ge­schenk an Euro­figh­ter“. Der Un­ter­su­chungs­aus­schuss im Par­la­ment und die Er­mitt­lun­gen der Staats­an­walt­schaft hät­ten er­ge­ben, dass vie­le Ge­gen­ge­schäf­te Schwin­del sei­en. „Nun wird es schwer, zi­vil­recht­li­che An­sprü­che durch­zu­set­zen“, so Pilz zur „Pres­se“.

Dem wi­der­spricht das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um: Euro­figh­ter hät­te die Mög­lich­keit ge­habt, auf Fest­stel­lung der Er­fül­lung des Ver­trags zu kla­gen. Das ha­be man ver­hin­dern wol­len. Zu­dem könn­ten durch die Er­kennt­nis­se der Staats­an­walt­schaft Ge­gen­ge­schäf­te noch ab­er­kannt wer­den, der Ver­trag wä­re dann nicht er­füllt, so ein Spre­cher.

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