Die Schre­cken der neu­en Ge­walt­herr­schaft in In­di­en

In­di­en ver­än­dert sich ge­ra­de. Aus­gangs- und Websper­ren und die Aus­gren­zung von Mus­li­men ste­hen auf der Ta­ges­ord­nung.

Die Presse - - DEBATTE -

Un­ge­rech­tig­keit, Dis­kri­mi­nie­rung und Ge­walt sind in In­di­en nicht un­ge­wöhn­lich. Heu­te je­doch wer­den sie vom Staat nor­ma­li­siert, er­mög­licht und so­gar er­mu­tigt. In­di­ens Viel­falt und kom­ple­xes zi­vi­li­sa­to­ri­sches Er­be sind hef­ti­gen An­grif­fen aus­ge­setzt, dies er­schüt­tert die Grund­la­gen in­di­scher De­mo­kra­tie.

Im Au­gust ent­zog die Re­gie­rung von Mi­nis­ter­prä­si­dent Na­ren­dra Mo­di Jam­mu und Kasch­mir – In­di­ens ein­zi­gem mehr­heit­lich mus­li­mi­schen Ter­ri­to­ri­um – sei­nen Son­der­sta­tus, der ihm be­trächt­li­che Au­to­no­mie ver­lie­hen hat­te, und spal­te­te es in zwei „Uni­ons­ter­ri­to­ri­en“, über die die Zen­tral­re­gie­rung nun ei­ne di­rek­te­re Kon­trol­le aus­übt. Um Un­ru­hen zu ver­hin­dern, sta­tio­nier­te die Re­gie­rung Tau­sen­de Sol­da­ten in Jam­mu und Kasch­mir, be­vor sie die Än­de­run­gen ver­kün­de­te. An­schlie­ßend stell­te sie pro­mi­nen­te Lo­kal­po­li­ti­ker, dar­un­ter auch frü­he­re Ver­bün­de­te der re­gie­ren­den Bha­ra­tiya Ja­na­ta Par­ty (BJP), un­ter Haus­ar­rest, ver­häng­te ei­ne Aus­gangs­sper­re für die Ein­woh­ner so­wie Me­di­en- und Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­sper­ren. Mo­na­te spä­ter ha­ben die meis­ten Ein­woh­ner Kasch­mirs noch im­mer kei­nen In­ter­net­zu­gang. (. . .) Statt die Rech­te der Bür­ger Kasch­mirs zu schüt­zen, hat der Obers­te Ge­richts­hof In­di­ens die An­hö­run­gen über die dies­be­züg­li­chen Ge­su­che ver­scho­ben. Die üb­ri­ge Be­völ­ke­rung In­di­ens hat den An­schlag auf Jam­mu und Kasch­mir weit­ge­hend igno­riert, ak­zep­tiert oder be­grüßt.

Im nord­öst­li­chen Bun­des­staat As­sam ent­fal­ten sich an­de­re Schre­cken: Im Au­gust ver­öf­fent­lich­ten die Be­hör­den das na­tio­na­le Bür­ger­re­gis­ter für den Bun­des­staat, das fast zwei Mil­lio­nen Men­schen aus­schloss, die nicht den Nach­weis er­brin­gen konn­ten, dass ih­re Na­men oder die ih­rer El­tern vor dem 24. März 1971 im Wahl­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wa­ren. Dies ist ein will­kür­li­ches Da­tum, das dar­auf zielt, mus­li­mi­sche Ein­wan­de­rer zu iden­ti­fi­zie­ren. Vie­le die­ser nun staa­ten­lo­sen Men­schen wur­den in In­ter­nie­rungs­la­ger ge­steckt, wo sie un­ter ka­ta­stro­pha­len Be­din­gun­gen le­ben. Der Ar­chi­tekt die­ses Pro­jekts, In­nen­mi­nis­ter Amit Shah, hat des­sen frem­den­feind­li­chen Zie­le preis­ge­ge­ben, in­dem er die­se Men­schen – die viel­fach in As­sam ge­bo­ren wur­den oder de­ren Fa­mi­li­en seit Jahr­zehn­ten dort le­ben – als „Ter­mi­ten“be­zeich­net hat. Er ver­sprach zu­dem, die Re­gie­rung wür­de „Ein­dring­lin­ge ver­haf­ten und in die Bucht von Ben­ga­len wer­fen“.

In die­sem Fall hat der Obers­te Ge­richts­hof, statt Wi­der­stand zu leis­ten, den Pro­zess ak­tiv an­ge­regt und un­ter­stützt. Er sieht nun zu, wie die BJP-Re­gie­rung in Vor­be­rei­tung auf die lan­des­wei­te Um­set­zung des Pro­gramms über­all in In­di­en In­ter­nie­rungs­la­ger er­rich­tet – ein Pro­zess, der sich ver­mut­lich noch ag­gres­si­ver ge­gen die Mus­li­me rich­ten wird.

Wäh­rend das Bür­ger­re­gis­ter still­schwei­gend auf Mus­li­me

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