„Wir sind or­dent­lich kri­ti­siert wor­den“

In­ter­view. Raiff­ei­sen Bank In­ter­na­tio­nal will ih­re Or­ga­ni­sa­ti­on schlan­ker ma­chen, so RBI-Chef Strobl. Grund ist das ver­än­der­te Kun­den­ver­hal­ten.

Die Presse - - ECONOMIST -

Wir ha­ben im­mer noch ei­ne re­la­tiv gu­te Kon­junk­tur­si­tua­ti­on, ob­wohl sie sich na­tür­lich ab­ge­schwächt hat. Die ver­gan­ge­nen Jah­re wa­ren in den Län­dern, in de­nen wir tä­tig sind, aber auch au­ßer­ge­wöhn­lich gut. Da­her ist die­se Ab­schwä­chung in ei­ni­gen Län­dern so­gar will­kom­men, weil es be­reits Ten­den­zen zur Über­hit­zung ge­ge­ben hat. Was wir in den Ri­si­ko­kos­ten im drit­ten Quar­tal ge­se­hen ha­ben, ist nach wie vor weit weg von ei­nem nor­ma­len Jahr. Es ist al­so we­sent­lich bes­ser.

Das ist nicht mehr so. Ost­eu­ro­pa ist heu­te we­sent­lich brei­ter auf­ge­stellt als frü­her. Na­tür­lich gibt es nach wie vor Sek­to­ren – et­wa den Au­to­mo­bil­be­reich in ge­wis­sen Län­dern –, die stark mit Deutsch­land oder Frank­reich ver­knüpft sind. Es gibt aber in­zwi­schen ei­nen viel grö­ße­ren Di­enst­leis­tungs­sek­tor und mehr In­lands­nach­fra­ge. Des­we­gen spürt man das heu­te nicht mehr so stark.

Wir ha­ben in den ver­gan­ge­nen Jah­ren kei­nen Hehl dar­aus ge­macht, dass wir uns ge­wünscht hät­ten, dass die EZB ih­re Zins­po­li­tik än­dert. Das hät­te sie vor ei­ni­ger Zeit auch ganz gut ma­chen kön­nen. Das ist aber lei­der nicht pas­siert. Wir sind in Ost­eu­ro­pa in den un­ter­schied­lichs­ten Län­dern tä­tig. Und gera­de in je­nen, die an die

Eu­ro­zo­ne gren­zen, ist das Zins­ni­veau na­tür­lich auch ab­ge­sun­ken. Aber es ist nicht ne­ga­tiv. Und das ist mal ei­ne ganz gu­te Nach­richt.

Im We­sent­li­chen wol­len wir es durch ei­nen An­stieg der Er­trä­ge schaf­fen. Wir se­hen in vie­len un­se­rer Märk­te noch ein gu­tes Po­ten­zi­al für ei­nen An­stieg des Kre­dit­wachs­tums. Wenn un­se­re An­nah­me zu­trifft, dass auch der Mar­gen­wett­be­werb be­en­det ist, dann wer­den wir das in den Er­trä­gen se­hen. Die Kos­ten sol­len im Ge­gen­zug nur leicht stei­gen.

Ei­ne Or­ga­ni­sa­ti­on ent­wi­ckelt sich. Und über die Jah­re wer­den für man­che Ent­schei­dun­gen vie­le Schrit­te not­wen­dig, und es müs­sen vie­le Mit­ar­bei­ter in­vol­viert wer­den. Da muss man sich von Zeit zu Zeit fra­gen, ob man das nicht deut­lich ein­fa­cher ma­chen kann und Pro­zes­se ver­kürzt.

Es fin­det ein Um­bau statt. Und man­che Jobs wird es künf­tig nicht mehr ge­ben. Wenn ein Mit­ar­bei­ter merkt, dass ei­ne Ve­rän­de­rung statt­fin­det, die sei­nen Job in­fra­ge stellt, dann ver­un­si­chert das na­tür­lich. In Sum­me ha­ben wir heu­er aber wei­ter mehr Mit­ar­bei­ter auf­ge­nom­men als ge­gan­gen sind.

Wir sind or­dent­lich kri­ti­siert wor­den, aber wir ha­ben ver­sucht zu er­klä­ren, was uns vor­schwebt. Im Be­reich der Soft­ware­ent­wick­lung soll es künf­tig Teams ge­ben, die sich selbst or­ga­ni­sie­ren und da­durch agi­ler sind. Da­durch braucht man in der Or­ga­ni­sa­ti­on dann auch we­ni­ger Mit­ar­bei­ter. Und dort ha­ben wir re­du­ziert.

Die Um­stel­lung auf die agi­le Soft­ware-Pro­duk­ti­on ist schon weit fort­ge­schrit­ten. Wir wer­den se­hen, ob es ähn­li­che The­men in an­de­ren Be­rei­chen ge­ben wird. Uns ist die Trans­for­ma­ti­on in ein agi­les Set­up das Wich­tigs­te, und da ha­ben wir schon viel er­reicht.

Kon­kur­ren­ten und auch ei­ne star­ke Ve­rän­de­rung bei den Kun­den. Die­se er­war­ten heu­te, dass sie ei­nen Kre­dit in ei­ner Vier­tel­stun­de zu­ge­sagt be­kom­men. Da kann man his­to­ri­sche Back-of­fice-Pro­zes­se nicht mehr so be­las­sen.

Die Rus­sen sind aber auch di­gi­tal­af­fi­ner als die Kun­den in an­de­ren Län­dern. In Süd­ost­eu­ro­pa bei­spiels­wei­se ha­ben wir das Ge­fühl, dass es rich­ti­ger ist, die Fi­lia­len zu op­ti­mie­ren und nicht ganz auf sie zu ver­zich­ten. Denn dort wird noch viel Bar­geld ver­wen­det. Wir müs­sen al­so zu­erst ein­mal die Kun­den da­zu brin­gen, Ban­ko­ma­ten als be­quem an­zu­se­hen.

Ja, es gibt im­mer noch Län­der, in de­nen vie­le Trans­ak­tio­nen in der Fi­lia­le pas­sie­ren. Der ers­te Schritt wä­re, wenn die Kun­den den Ban­ko­ma­ten an­neh­men. Dann ver­än­dert sich au­to­ma­tisch das Le­ben in der Fi­lia­le. Gleich­zei­tig ar­bei­ten wir in den Län­dern an di­gi­ta­len Ent­wick­lun­gen. Ent­schei­dend ist aber, ob die Kun­den in die Fi­lia­le kom­men oder nicht.

[ Fa­b­ry ]

„Wir ha­ben in der Ver­gan­gen­heit kei­nen Hehl dar­aus ge­macht, dass wir uns ge­wünscht hät­ten, dass die EZB ih­re Zins­po­li­tik än­dert“, sagt RBI-Chef Jo­hann Strobl. Ei­ne Lang­ver­si­on die­ses In­ter­views fin­den Sie auf der Web­site der „Pres­se“.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.