Des Apo­the­kers neue Bar

Nacht­le­ben. Der lang­jäh­ri­ge Di­no’s-Bar­kee­per Heinz Kai­ser hat eben­die­ses über­nom­men und neu er­öff­net. Hier soll die al­te Bar­kul­tur ze­le­briert wer­den.

Die Presse - - MENSCHEN/VERANSTALT­UNGEN -

Ein Apo­the­ker als Bar­man macht sich nie schlecht. Das weiß auch Heinz Kai­ser, der in der Wie­ner Bar­sze­ne ei­ne be­acht­li­che Grö­ße ist. Ei­ne al­ler­dings, die sei­ne bei­den Be­ru­fe – Bar­man und Apo­the­ker – ernst nimmt, wes­halb er tun­lichst dar­um be­müht ist, die Be­rei­che nicht zu ver­mi­schen. Er wür­de nie­mals ei­nen Drink mit ir­gend­wel­chen ge­sund­heit­li­chen Wir­kun­gen an­prei­sen. „Das ist ganz bö­se. Al­ko­hol ist schlecht für den Kör­per, aber gut für die See­le – wenn die Do­sis stimmt“, sagt Heinz Kai­ser.

Aber au­gen­zwin­kernd darf der Apo­the­ker in sei­ner neu­en Bar schon auf­tau­chen. Et­wa in Form von dunk­len, run­den Glas­be­häl­tern, wie man sie aus der Apo­the­ke kennt, in der die Kräu­ter ge­la­gert wer­den, die da wie dort zum Ein­satz kom­men. Oder eben auch im Na­men der Bar. Kai­ser hat näm­lich je­ne Bar über­nom­men, in der er mehr als 20 Jah­re lang tä­tig war. Nach ei­nem be­hut­sa­men Um­bau hat er Mitt­woch­abend die eins­ti­ge Di­no’s Ame­ri­can Bar als Di­no’s Apo­the­ca­ry Bar er­öff­net.

„Es ist für mich wie ein Nach-Hau­se-Kom­men“, sagt Kai­ser, der vom ers­ten Tag des al­ten Di­no’s im Jahr 1996 bis zum Fe­bru­ar des Vor­jahrs hier als Bar­kee­per ge­ar­bei­tet hat. „Ei­gent­lich war die gan­ze Zeit mein Plan, die el­ter­li­che Apo­the­ke im Wald­vier­tel zu über­neh­men. Al­so muss­te ich mir kei­ne Exis­tenz auf­bau­en, son­dern hab den Herr­gott ei­nen gu­ten Mann sein las­sen und bin mei­ner Lei­den­schaft, der Bar, nach­ge­gan­gen.“Es kam aber an­ders als ge­dacht, die Apo­the­ke wur­de ver­kauft. „Das war nicht mein Wunsch. Al­so hab’ ich mich an­ders ori­en­tiert.“Zu­nächst war er ei­ne Zeit in der Sky Bar tä­tig. „Das war ein gu­tes An­ge­bot, hat sich dann aber als et­was an­de­res her­aus­ge­stellt.“Da­her hat er die schon län­ger be­ste­hen­de Idee, sich selbst­stän­dig zu ma­chen, wie­der auf­ge­nom­men. An das Di­no’s hät­te er da­bei gar nicht ge­dacht, viel­mehr war er, ge­mein­sam mit ein paar Kol­le­gen, auf der Su­che nach ei­nem neu­en Stand­ort. Das aber kam dem frü­he­ren Di­no’sBe­sit­zer zu Oh­ren, der ihm das Lo­kal dar­auf­hin zum Kauf an­ge­bo­ten hat.

Man hat sich ge­ei­nigt, und nun be­treibt Kai­ser, ge­mein­sam mit vier Kol­le­gen das neue Di­no’s. Mit im Boot sind Sa­lar Ge­ra­mi, der auch das Co­mi­da und den Red Room be­treibt, so­wie Oli­ver Hor­vath, Da­vid Scho­ber und Alexander Ba­tik vom Klein­od. „Das Di­no’s hat sich ei­nen Na­men ge­macht, ist aber in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ein biss­chen in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten.

„Bis Mit­te der 2010er-Jah­re war das ei­ne an­ge­sag­te Bar“, sagt Kai­ser. Hier ver­kehr­ten die Schö­nen und Rei­chen. „Die sind aber heu­te auch al­le 35, 40. Die jün­ge­ren ken­nen das Di­no’s nicht.“Das wol­le er nun än­dern und ei­ne zeit­lo­se Bar für al­le sein.

Das Lo­kal selbst wur­de leicht ad­ap­tiert. Der Bar­t­re­sen blieb eben­so be­ste­hen wie die Holz­ver­tä­fe­lung hin­ter der Bar. Es gibt mit den neu­en Le­der­bän­ken nun mehr Sitz­ge­le­gen­hei­ten. Auch sonst wur­de ein biss­chen auf­ge­räumt, mit Vi­tri­nen, in de­nen sich be­son­de­re Spi­ri­tuo­sen be­fin­den, mehr Struk­tur her­ein­ge­bracht. „Es gibt ja in ei­ner Bar zwei Ar­ten von Men­schen: die, die prin­zi­pi­ell an der Bar sit­zen, und die, die an den Ti­schen sit­zen. Die ha­ben auch ein an­de­res Be­stell­ver­hal­ten. Die Tisch­sit­zer wol­len plau­dern, die an der Bar hin­ge­gen mehr vom Ge­sche­hen im Lo­kal mit­be­kom­men.“

Für die Tisch­sit­zer hat er ein be­son­de­res An­ge­bot, geht es ihm doch auch dar­um, ver­ges­se­ne Drinks an­zu­bie­ten. So will er die Punch Bowls eta­blie­ren, die er „Grup­pen­the­ra­pie für vier“nennt. Die gro­ßen, mit Drinks be­füll­ten Bot­ti­che wer­den tisch­wei­se be­stellt und ge­teilt (da­mit das kei­ne Pat­ze­rei wird, wer­den Be­häl­ter mit Zapf­häh­nen ver­wen­det). Auch sonst setzt er auf ei­ne gro­ße Bark­ar­te, mit vie­len Ei­gen­krea­tio­nen. „Das war ein­mal das Mar­ken­zei­chen des Di­no’s.“Auch das soll bei­be­hal­ten wer­den.

[ Cle­mens Fa­b­ry]

Heinz Kai­ser (rechts) hat mit Sa­lar Ge­ra­mi und drei an­de­ren Kol­le­gen das Di­no’s über­nom­men und er­neu­ert.

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