Die Poe­sie des We­sent­li­chen

Wohn­ge­schich­te. Farb­stim­mun­gen, Blu­men, Düf­te und Mö­bel: Ga­le­ris­tin und Ho­mes­ta­ge­rin Ga­b­rie­le Püh­rin­ger über ihr grün­der­zeit­li­ches „Baum­haus“mit­ten im neun­ten Wie­ner Be­zirk.

Die Presse - - IMMOBILIEN -

Ich woll­te schon im­mer ein­mal im Ser­vi­ten­vier­tel le­ben“, er­zählt die Ga­le­ris­tin Ga­b­rie­le Püh­rin­ger. „Als mein da­ma­li­ger Mann und ich be­merk­ten, dass wir ge­mein­sam die Flü­gel nicht mehr weit aus­brei­ten konn­ten, war die Zeit ge­kom­men.“Seit zehn Jah­ren ist sie nun in ei­nem Grün­der­zeit­haus in der Ser­vi­ten­gas­se zu Hau­se – in ei­ner 75 m2 gro­ßen Mez­za­nin­woh­nung mit Blick in den Hof. „Das Grät­zel ist wie ei­ne Dorf­ge­mein­schaft, der Kir­chen­platz im Zen­trum för­dert die­se Stim­mung. Wir ken­nen uns, plau­dern, spon­ta­ne ,Ein­keh­run­gen‘ in die viel­fäl­ti­ge Gas­tro­no­mie der Gas­se blü­hen ei­nem.“So brau­che sie vom Schlick­platz bis nach Hau­se oft St­un­den statt drei Mi­nu­ten.

„Der frü­he­re Be­sit­zer des Hau­ses, Herr Dum­ber, war ein Mil­lio­när“, er­zählt sie. Haus­num­mer 8 und 10, er­baut 1906 vom Ar­chi­tek­ten Franz Qui­de­nus, wa­ren in sei­nem Be­sitz. „Da­mals gab es auch ei­ne Wasch­kü­che im Dach­ge­schoß.“Das weiß sie vom Nach­barn, der seit 1953 hier wohnt. „Zu­erst wur­de die Wä­sche ge­wa­schen und dann das Kind – al­so er – in den Zu­ber ge­ge­ben.“Es gab auch ei­nen Kin­der­gar­ten im Haus und ei­nen Gold­fisch­teich im Gar­ten.

Man be­tritt die Woh­nung durch ei­nen gro­ßen Vor­raum, „den Lan­de­platz“. Es folgt die klei­ne Kü­che mit Blick ins Stie­gen­haus, was ei­ne Aus­schank zu­las­sen wür­de. „Der jah­re­lan­ge, noch nicht um­ge­setz­te Traum ei­ner Freun­din“, kom­men­tiert Püh­rin­ger. Die Raum­auf­tei­lung ist auf ih­re Be­dürf­nis­se zu­ge­schnit­ten, „da se­hen an­de­re na­tür­lich den ei­nen oder an­de­ren Schön­heits­feh­ler“, meint Püh­rin­ger. „Ich je­doch bin in Lie­be mit die­ser Woh­nung, da darf das ei­ne oder an­de­re un­per­fekt sein. Das er­leich­tert es, mir das selbst auch zu­zu­ge­ste­hen.“Ei­nen Nach­teil hat die Woh­nung trotz­dem, die Sehn­sucht nach nutz­ba­rem Gar­ten oder Au­ßen­be­reich ist groß. Da­her nutzt Püh­rin­ge den un­mit­tel­ba­ren Kir­chen­platz als Vor­gar­ten. „Die Pries­ter von der Ser­vi­ten­kir­che wis­sen schon, dass hier oft mein Bü­ro, Treff­punkt mit Künst­lern und Kun­den ist.“

Zu­rück in der Woh­nung, fin­det man: ei­nen Ate­lier(ar­beits)raum, ein groß­zü­gi­ges Schlaf­zim­mer mit zwei be­ten­den Mön­chen und ei­ner klei­nen, „ro­man­ti­schen“Tü­re in den Wohn­raum. Die­ser ge­räu­mi­ge Wohn-Ess­raum mit dem Blick in den Gar­ten ist Püh­rin­gers liebs­ter Raum. „Er fühlt sich an wie ein Baum­haus. Die­ses Ge­fühl un­ter­streicht mein moos­grü­nes So­fa. Auf dem wird ge­le­sen, ge­ges­sen, ge­ar­bei­tet, und es ist auch mein Platz der In­spi­ra­ti­on und Me­di­ta­ti­on.“Von hier aus sieht man ins Grü­ne – und gleich­zei­tig kann der Blick durch den gan­zen Raum schwei­fen. Ne­ben dem So­fa gibt’s wei­te­re Lieb­lings­stü­cke: zwei iden­te wei­ße Si­de­boards aus Holz, die ihr Va­ter ge­tisch­lert hat. „Als ich die Woh­nung be­zog und sie wie an­ge­gos­sen links und rechts ans Fens­ter pass­ten, hat mich das sehr be­rührt.“Und dann gibt es noch ihr „ab­ge­wetz­tes“Fens­ter­brett, das sie sehr schätzt. „Mit Blick auf den Gar­ten, da sind mir die Na­tur­ge­räu­sche ganz na­he, das brau­che ich.“

Püh­rin­ger be­vor­zugt na­tür­li­che Ma­te­ria­len wie Holz, Lei­nen und Wol­le. „Auch Sam­te­nes. Die­se Ma­te­ria­li­en ha­ben ei­ne schö­ne Aus­strah­lung und lie­gen gut in der Hand.“Sie kom­bi­niert mo­der­ne

Mö­bel­stü­cke mit Fund­stü­cken, „die ein­fach zu mir kom­men wol­len“. Das ge­ziel­te Spiel mit Far­be und der Ein­satz von Ac­ces­soires wie Pols­tern, Bil­dern und Fo­to­gra­fi­en brin­gen im­mer wie­der neue Farb­stim­mun­gen in den Raum. „Ich lie­be De­tails, und das Ar­ran­ge­ment die­ser schein­ba­ren Klei­nig­kei­ten lässt mei­ne Woh­nung im­mer wie­der an­ders und neu aus­schau­en. „Ich ori­en­tie­re mich gern an den Farb­stim­mun­gen der Na­tur. Und so ach­te ich dar­auf, dass ich fri­sche Blu­men im Raum ha­be, denn ei­ne Blu­me kann die Welt ver­än­dern.“

Ne­ben ih­rer ei­ge­nen Woh­nung ge­stal­tet sie auch frem­de – dar­un­ter die Pri­vat­woh­nung von Alexander Van der Bel­len und sei­ner Frau. Auch Ho­mes­ta­ging be­treibt sie, ge­mein­sam mit Alia­na Schaf­fe­rer. „Wir rei­ni­gen die Im­mo­bi­lie en­er­ge­tisch, po­si­tio­nie­ren die Mö­bel am rech­ten Platz und he­ben die Rau­m­at­mo­sphä­re noch wei­ter an mit dem be­wuss­ten Ein­satz von Kun­st­ob­jek­ten.“Ihr Cre­do: „Be­schrän­ke dich auf das We­sent­li­che, aber ent­fer­ne nicht die Poe­sie.“

[ Bar­bier]

Blick ins Ar­beits­zim­mer (links), „schein­bar be­lang­lo­se“De­tails im Vor­raum (Mit­te), Lieb­lings­raum Wohn­zim­mer.

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