Oh du fröh­li­ches Weih­nachts­de­sign

Ar­chi­tek­tur. Christ­kindl­markt­hüt­ten müs­sen zahl­rei­che An­for­de­run­gen er­fül­len, das Design bleibt oft auf der Stre­cke. Doch die krea­ti­ve Gestal­tung wird zu­neh­mend ein The­ma.

Die Presse - - IMMOBILIEN -

Leich­ter hät­ten es Christ­kindl­märk­te ab­seits der Tou­ris­ten­strö­me oder je­ne, die sich pri­mär an ein de­si­gnori­en­tier­tes Pu­bli­kum rich­ten wür­den. Das Mu­se­ums­quar­tier in Wi­en et­wa setzt seit 2017 auf die so­ge­nann­ten MQ­bis. Die aus ver­zink­ten Stahl­pro­fi­len und Kunst­stoff­plat­ten be­ste­hen­den Mi­ni­bau­wer­ke, in de­nen bis zu 28 Per­so­nen Platz fin­den, kön­nen dank ih­rer an Kris­tal­le er­in­nern­den Form und der schrä­gen Wän­de je­des Jahr an­ders auf­ge­baut wer­den. „Da­mit wird im­mer ei­ne an­de­re Op­tik er­zielt“, sagt Bri­git­te We­hin­ger vom Aus­stel­lungs­und Mu­se­ums­pla­nungs­spe­zia­lis­ten Ver­d­an­di, die die MQ­bis ge­plant hat.

Das Design der MQ­bis sei ei­ne Grat­wan­de­rung zwi­schen Äs­t­he­tik und den tech­ni­schen und ge­setz­li­chen An­for­de­run­gen ge­we­sen, er­in­nert sie sich. Sta­tik, Wind- und Schnee­las­ten so­wie die stren­gen Brand­schutz­auf­la­gen sei­en nur ei­ni­ge der Pa­ra­me­ter ge­we­sen, die Ma­te­ri­al, Grö­ße und Form be­ein­flusst hät­ten.

„Es gibt aber noch mehr, was man beim Design be­den­ken muss“, weiß Hüt­ten­ver­lei­he­rin Neu­ge­bau­er. Wich­tig sei­en bei­spiels­wei­se auch der mög­lichst ra­sche und ein­fa­che Auf- und Ab­bau der Ob­jek­te. „Klei­ne Hüt­ten ste­hen in 20 Mi­nu­ten“, so Neu­ge­bau­er, die 400 ei­ge­ne Ex­em­pla­re so­wie auch Fremd­hüt­ten ver­leiht. Min­des­tens ge­nau­so wich­tig sei die Be­die­ner­freund­lich­keit. Die Ver­kaufs­klap­pen an der Front soll­ten im Ide­al­fall von ei­ner Per­son leicht zu öff­nen und schlie­ßen sein. Aber nicht nur das: „Die Stand­be­trei­ber kön­nen nur ver­kau­fen, wenn sie aus­rei­chend Ver­kaufs- und Prä­sen­ta­ti­ons­flä­che ha­ben“, sagt die Hüt­ten­ver­lei­he­rin.

Fast noch mehr als bei Ver­kaufs­stän­den sei das Platz­the­ma für Gastro­stän­de von Be­deu­tung. Hä­ferln, Tel­ler etc. müs­sen ge­la­gert wer­den, das sei nicht nur ei­ne Platz-, son­dern auch Ge­wichts­fra­ge. Dar­über hin­aus müs­se es ent­spre­chen­de Aus­ga­be­flä­chen ge­ben, um den An­sturm der Gäs­te be­wäl­ti­gen zu kön­nen. Auch Hy­gie­ne­vor­schrif­ten müs­sen be­ach­tet wer­den. „Und dann muss auch noch ei­ne Re­gis­trier­kas­sa und mög­li­cher­wei­se ein Safe un­ter­ge­bracht wer­den“, weiß Neu­ge­bau­er. Nicht zu­letzt gilt es, den Trans­port und die La­ge­rung bei der Pla­nung in Be­tracht zu zie­hen. „Müs­sen die Hüt­ten im Gan­zen trans­por­tiert und ge­la­gert wer­den, ist das teu­rer“, er­zählt sie. Ih­re 400 Hüt­ten sei­en zer­leg­bar und wür­den au­ßer­halb der Sai­son auf rund 1500 Qua­drat­me­tern ge­la­gert.

Trotz all die­ser Vor­ga­ben or­tet Neu­ge­bau­er ei­nen Trend zu mehr In­di­vi­dua­li­tät und Krea­ti­vi­tät. Auf Holz, aber in Weiß und mit gol­de­nen Auf­schrif­ten, baut bei­spiels­wei­se der Christ­kindl­markt auf dem Michae­ler­platz in Wi­en. „Die Hüt­ten sind an die k. u. k. At­mo­sphä­re an­ge­passt“, sagt Neu­ge­bau­er. In Graz be­stimmt das Mot­to des je­wei­li­gen Ad­vent­mark­tes das Aus­se­hen der Stän­de. So prä­sen­tie­ren bei­spiels­wei­se am Tum­mel­platz die Aus­stel­ler „Bun­tes aus al­ler Welt“in Zel­ten. Design-Ad­vent­hüt­ten, die abends an leuch­ten­de Kris­tal­le er­in­nern, fin­det man hin­ge­gen auf dem Kunst­hand­werks­markt am Mehl­platz. „Wir wol­len über­all ei­ne be­stimm­te At­mo­sphä­re schaf­fen“, sagt der Gra­zer Ci­ty­ma­na­ger Hei­mo Maieritsch. Ein we­sent­li­cher Be­stand­teil da­für sei­en eben die pas­sen­den Un­ter­brin­gungs­mög­lich­kei­ten für Aus­stel­ler und Gas­tro­no­mie.

Der Trend zu mehr Viel­falt wer­de sich in den nächs­ten Jah­ren ver­stär­ken – auch in­ner­halb der ein­zel­nen Märk­te. „Ich den­ke, dass man bald da­von ab­kom­men wird, über­all die glei­chen Hüt­ten auf­zu­stel­len“, sagt Neu­ge­bau­er.

[ Da­nie­la Ma­this ]

Leuch­ten­de Ob­jek­te: Die MQ­bis 2019 im Wie­ner Mu­se­ums­quar­tier.

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