Pen­si­ons­aus­ga­ben stei­gen

Stu­die. Das Pen­si­ons­sys­tem ist nicht nach­hal­tig fi­nan­ziert, kri­ti­siert Eco Aus­tria. Man plä­diert für ein hö­he­res ge­setz­li­ches An­tritts­al­ter.

Die Presse - - ECONOMIST / INLAND -

Dass die Men­schen im­mer äl­ter wer­den, ist ei­ne er­freu­li­che Nach­richt. Doch muss sich ein Staat auch aus­rei­chend dar­auf vor­be­rei­ten. „Das Pen­si­ons­an­tritts­al­ter kann nicht mehr bei knapp über 60 Jah­ren lie­gen. Und auch 65 ist nicht mehr ge­nug, wenn die Le­bens­er­war­tung auf über 90 an­steigt“, mahn­te jüngst Al­va­ro Pe­rei­ra von der Or­ga­ni­sa­ti­on für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung. Was der für OECD-Län­der­stu­di­en zu­stän­di­ge Di­rek­tor da­mit zum Aus­druck brin­gen woll­te: Das hei­mi­sche Pen­si­ons­sys­tem muss sich än­dern.

Von ei­ner Ver­knüp­fung des Pen­si­ons­an­tritts­al­ters mit der Le­bens­er­war­tung kann hier­zu­lan­de oh­ne­hin kei­ne Re­de sein, wie­wohl Öko­no­men ein sol­ches Sys­tem im­mer wie­der for­dern. Das tat­säch­li­che Pen­si­ons­an­tritts­al­ter liegt in Ös­ter­reich bei 59,6 Jah­ren. Ob­wohl der Ge­setz­ge­ber die re­gu­lä­re Al­ters­pen­si­on für Frau­en mit Voll­en­dung des 60. Le­bens­jah­res und für Män­ner mit 65 vor­sieht. Zwar wird das Pen­si­ons­an­tritts­al­ter der Frau­en ab 2024 schritt­wei­se an je­nes der Män­ner her­an­ge­führt. Das dürf­te al­ler­dings nicht aus­rei­chen, um das Sys­tem nach­hal­tig zu fi­nan­zie­ren. „Bis es zu ei­ner ech­ten Be­las­tungs­pro­be für das ös­ter­rei­chi­sche Pen­si­ons­sys­tem kommt, muss man kei­ne 60, 40 oder 20 Jah­re war­ten“, mahnt nun Öko­nom To­bi­as Tho­mas von Eco Aus­tria in ei­ner Ana­ly­se. Der Stress­test ste­he schon jetzt be­vor – denn die Ba­by­boo­mer, al­so die ge­bur­ten­star­ken Jahr­gän­ge, ver­ab­schie­den sich – und das be­reits in ei­ni­ger Zeit – in den Ru­he­stand. Ex­per­te Bernd Marin hat be­reits vor län­ge­rem er­rech­net, dass zwi­schen 2019 und 2034 rund 1,9 Mil­lio­nen „Ba­by­boo­mer“das Pen­si­ons­al­ter er­rei­chen wer­den.

Im­mer mehr Pen­sio­nis­ten müs­sen dann von Er­werbs­tä­tig­kei­ten fi­nan­ziert wer­den. Die­ser so­ge­nann­te Al­ters­ab­hän­gig­keits­quo­ti­ent wird des­halb von heu­te 28,1 Pro­zent bis zum Jahr 2040 auf 44,1 Pro­zent stei­gen, wie Zah­len von Eco Aus­tria zei­gen. 2080 soll die Be­las­tung für das Sys­tem schon bei 51,6 Pro­zent lie­gen.

Doch steigt nicht nur die Zahl der Pen­si­ons­be­zie­her, son­dern in Fol­ge der hö­he­ren Le­bens­er­war­tung auch die Be­zugs­dau­er. Die Pen­si­ons­aus­ga­ben wer­den des­halb von der­zeit 14,1 Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­duk­tes auf 15,3 Pro­zent im Jahr 2030 zu­le­gen, warnt Eco Aus­tria. „Das ist ein mas­si­ver An­stieg um 1,2 Pro­zent des BIP oder ku­mu­liert um rund 19 Mrd. Eu­ro“, so Tho­mas. Nicht nur für

Pen­sio­nen wird der Staat tie­fer in die Ta­sche grei­fen müs­sen. Auch Ge­sund­heits­aus­ga­ben und die Kos­ten für Pfle­ge wer­den wach­sen. Das So­zi­al­sys­tem im All­ge­mei­nen und das Pen­si­ons­sys­tem im Spe­zi­el­len ste­he da­her vor gro­ßen de­mo­gra­fi­schen Her­aus­for­de­run­gen. Die­se sei­en nicht vor­über­ge­hend und las­sen sich auch nicht rea­lis­tisch mit Zu­wan­de­rung be­he­ben.

Struk­tur­re­for­men sieht man bei Eco Aus­tria da­her als un­aus­weich­lich an. Ei­ne schritt­wei­se An­he­bung des Pen­si­ons­an­tritts­al­ters auf 67 Jah­re im Jahr 2060 eben­falls – so­fern das Leis­tungs­ni­veau (und der Schul­den­stand) nicht dar­un­ter lei­den sol­len.

Auch ei­ne der APA vor­lie­gen­de lang­fris­ti­ge Bud­get­pro­gno­se (bis 2060) zeigt ei­ne Rei­he von Her­aus­for­de­run­gen – ins­be­son­de­re bei Pen­sio­nen, Ge­sund­heit und Pfle­ge. Dem­nach dürf­ten sich die Pfle­ge­kos­ten bis zum Jahr 2060 ver­dop­peln (von 1,6 auf 3,3 Pro­zent der Wirt­schafts­leis­tung), die Kos­ten für das Ge­sund­heits­we­sen le­gen von 7,1 auf 8,7 Pro­zent des BIP zu und die Pen­si­ons­aus­ga­ben von 13,5 auf 15,2 Pro­zent. Weil bis zum Jahr 2035 aber be­son­ders ge­bur­ten­star­ke Jahr­gän­ge in Ren­te ge­hen, stei­gen die Pen­si­ons­kos­ten nur bis da­hin an, da­nach wür­den sie sta­bil blei­ben. (nst)

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