Wenn al­les wie­der gut ist

Geld­po­li­tik. Die US-No­ten­bank Fe­deral Re­ser­ve fuhr 2019 groß­teils im Kri­sen­mo­dus, eben­so wie die EZB. Zum En­de zeig­ten sich die wich­tigs­ten No­ten­ban­ker ent­spannt, und An­le­ger fra­gen sich, ob 2020 nun wirk­lich so lo­cker-flo­ckig wird.

Die Presse - - MEIN GELD -

Am En­de ei­nes er­eig­nis­rei­chen Jah­res war es dann fast schon lang­wei­lig. Die Fe­deral Re­ser­ve se­he „für ab­seh­ba­re Zeit“kei­nen Grund, die Zin­sen zu än­dern, er­klär­te Je­ro­me Po­well, der Chef der US-No­ten­bank, nach dem Zins­ent­scheid ver­gan­ge­ne Wo­che. Die Kon­junk­tur ha­be sich sta­bi­li­siert, von ei­ner Re­zes­si­on kön­ne kei­ne Re­de mehr sein. Und so ließ die welt­wich­tigs­te Zen­tral­bank den Leit­zins nach drei Sen­kun­gen un­ver­än­dert bei ei­ner Span­ne von 1,5 bis 1,75 Pro­zent. Ge­hen Sie wei­ter, hier gibt es nichts zu se­hen, lau­tet die Mes­sa­ge.

We­nig Neu­es auch von der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank. Chris­ti­ne La­g­ar­de will ei­ne geld­po­li­ti­sche Eu­le sein, kein Fal­ke und auch kei­ne Tau­be. Da­mit will sie wohl sa­gen, dass sie sich in der Mit­te po­si­tio­nie­ren will. In Eu­ro­pa heißt das: den Ein­la­ge­satz deut­lich ne­ga­tiv und den Leit­zins bei null be­las­sen und zeit­gleich An­lei­hen im Wert von 20 Mrd. Eu­ro pro Mo­nat kau­fen. Was dann ei­ne Tau­be ma­chen wür­de, könn­te man ein­wen­den – und hof­fen, dass man es nie er­fährt.

Es ist schon be­mer­kens­wert: Die Ak­ti­en­märk­te ren­nen von ei­nem Re­kord­hoch zum nächs­ten. Von ei­ner glo­ba­len Re­zes­si­on re­det nie­mand mehr. Gleich­zei­tig hal­ten die zwei wich­tigs­ten No­ten­ban­ken den Leit­zins his­to­risch nied­rig be­zie­hungs­wei­se pum­pen kon­ti­nu­ier­lich Geld in den Markt.

Das sind auf den ers­ten Blick sehr gu­te Vor­aus­set­zun­gen für ein An­dau­ern der Par­ty auf dem Bör­sen­par­kett. So sa­gen die meis­ten Ana­lys­ten auch Zu­ge­win­ne für 2020 vor­aus. Soll man al­so trotz schwin­del­er­re­gen­der Hö­hen auf Ein­kaufs­tour ge­hen? Nun ja, ein we­nig Vor­sicht ist je­den­falls an­ge­bracht.

Dass man die Pro­gno­sen der Fed nicht für ba­re Mün­ze neh­men darf, zeigt ein Bei­spiel. So er­war­ten für das kom­men­de Jahr 13 der 17 Mit­glie­der des für die Geld­po­li­tik ver­ant­wort­li­chen Ko­mi­tees ei­nen un­ver­än­der­ten Leit­zins. Die rest­li­chen vier rech­nen mit ei­ner Er­hö­hung um 0,25 Pro­zent­punk­te.

Frei­lich: En­de 2018 sag­ten 15 der 17 Wäh­rungs­hü­ter ei­nen An­stieg für 2019 vor­aus. Ge­wor­den sind es letzt­lich drei Sen­kun­gen, da­mit rech­ne­te nie­mand. Man kann al­so sa­gen: Die Fed war viel zu op­ti­mis­tisch.

Nun könn­te man ein­wen­den, dass das für den Ak­ti­en­markt nur po­si­tiv sein kann. Bör­sia­ner freu­en sich grund­sätz­lich über Zins­sen­kun­gen. Vor al­lem, wenn die Kon­junk­tur oh­ne­hin rund läuft. Staats­an­lei­hen wer­den in ei­nem fal­len­den Zins­um­feld we­ni­ger at­trak­tiv. Ak­ti­en pro­fi­tie­ren in der Re­gel. Soll­te die Fed al­so er­neut zu op­ti­mis­tisch ge­we­sen sein und auf­grund auf­zie­hen­der Ge­wit­ter­wol­ken, auf die dann oh­ne­hin kein Re­gen folgt, die Zin­sen sen­ken, kann das für den ein­zel­nen In­ves­tor nur po­si­tiv sein, so das Ar­gu­ment.

Stimmt grund­sätz­lich, nur ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die Geld­po­li­ti­ker in Wa­shing­ton wei­te­ren Zins­sen­kun­gen um­so ab­war­ten­der ge­gen­über­ste­hen, je nied­ri­ger der

Leit­zins ist. Schließ­lich wol­len sie nicht ihr gan­zes Pul­ver ver­schie­ßen. Um ein paar wei­te­re Sen­kun­gen im Kö­cher zu ha­ben, wenn dann tat­säch­lich ei­ne Re­zes­si­on kommt. Soll hei­ßen: Ganz so bil­lig wird Je­ro­me Po­well im kom­men­den Jahr den geld­po­li­ti­schen Sti­mu­lus nicht mehr her­ge­ben.

Und die EZB? Hat ihr Zin­s­pul­ver ver­schos­sen und kann im Prin­zip ver­mut­lich nur mit neu­er­li­chen An­lei­he­pro­gram­men oder sons­ti­gen in­no­va­ti­ven Kon­struk­ten auf­war­ten. Die­se wür­den La­g­ar­de al­ler­dings auch nicht ein­fach von der Hand ge­hen. Schließ­lich reg­te sich schon beim ak­tu­el­len Kauf­pro­gramm er­heb­li­cher Wi­der­stand.

In­ves­to­ren soll­ten da­von aus­ge­hen, dass 2020 nur dann das Jahr der gro­ßen Geld­dru­cke­rei wird, wenn sehr dunk­le Ge­wit­ter­wol­ken auf­zie­hen. Fast aus­ge­schlos­sen ist des­halb ein Kurs­feu­er­werk, wie wir es heu­er er­lebt ha­ben. Mo­de­ra­te Zu­ge­win­ne sind mög­lich. Ein über­ra­schen­der Ab­sturz eben­so.

[ AFP ]

Chris­ti­ne La­g­ar­de hält die Geld­po­li­tik lo­cker.

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