„Wie ein 0:4 ge­gen Ös­ter­reich“

Bi­ath­lon. Die Groß­macht Deutsch­land steckt im ers­ten Win­ter oh­ne Aus­hän­ge­schild Lau­ra Dahl­mei­er in der Kri­se, in Hoch­fil­zen lie­fen die Ski­jä­ge­rin­nen in ein his­to­ri­sches De­ba­kel.

Die Presse - - SPORT -

Was hier­zu­lan­de al­pi­ne Ski­ren­nen sind, ist in Deutsch­land der Bi­ath­lon: Der Win­ter­sport Num­mer eins, ein Ga­rant für Ti­tel und Sie­ge, mit den bes­ten TV-Quo­ten. Auch beim Welt­cup in Hoch­fil­zen, wo auch heu­er wie­der über 30.000 Zu­schau­er ge­zählt wur­den, wa­ren die Tri­bü­nen fest in deut­scher Hand.

Im Pil­ler­see­tal schlug auch die jüngs­te Stern­stun­de des deut­schen Bi­ath­lons, als Lau­ra Dahl­mei­er bei der WM 2017 in sechs Ren­nen fünf Gold­me­dail­len (und ein­mal Sil­ber) ab­staub­te. Doch die po­pu­lärs­te deut­sche Win­ter­sport­le­rin trat im Al­ter von nur 25 Jah­ren im Früh­jahr zu­rück, sie hat­te zwi­schen Loi­pe und Schieß­stand schließ­lich al­les er­reicht. Dass die Par­ten­kirch­ne­rin ei­ne Lü­cke hin­ter­lässt, war al­len klar, nicht aber, wie groß die­se tat­säch­lich sein wür­de.

In Hoch­fil­zen wur­de nun das schlech­tes­te Ab­schnei­den der deut­schen Da­men in der Welt­cup­Ge­schich­te amt­lich. Als De­nis Herr­mann als bes­te Deut­sche im Sprint auf Rang 41 lan­de­te, be­müh­te der neue Sport­chef Bernd Ei­sen­bich­ler ei­nen Ver­gleich aus der Fuß­ball­welt. „Das fühlt sich an wie ein 0:4 ge­gen Ös­ter­reich“, mein­te der Bay­er.

Aber es kam noch di­cker: Die Da­men­staf­fel wur­de tags dar­auf mit über drei Mi­nu­ten Rück­stand auf Sie­ger Nor­we­gen auf Platz zwölf durch­ge­reicht, auch das hat­te es im Welt­cup noch nicht ge­ge­ben. „So kann es nicht wei­ter­ge­hen“, er­klär­te Ei­sen­bich­ler. „Es ist der Wurm drin. Die Mä­dels woll­ten es bes­ser ma­chen. Es war ver­krampft, es war nicht lo­cker. Wir müs­sen schnellst­mög­lich in die Spur kom­men. Die Trai­ner sind jetzt ge­for­dert.“In Hoch­fil­zen gab es be­reits Ge­sprächs­run­den. „Wir sind schon mit der ei­nen oder an­de­ren hart ins Ge­richt ge­gan­gen. Das war ei­ne Far­ce, die wir ab­ge­lie­fert ha­ben“, er­klär­te Coach Flo­ri­an Stei­rer.

Aus­ge­rech­net die am­tie­ren­de Ver­fol­gungs­welt­meis­te­rin, De­ni­se Herr­mann, muss­te im Staf­fel­ren­nen drei­mal in die Straf­run­de.

„Man könn­te mei­nen, ich ha­be erst ges­tern mit dem Bi­ath­lon an­ge­fan­gen. Das könn­te wahr­schein­lich mei­ne Oma bes­ser“, sag­te die 30-Jäh­ri­ge. Da­bei galt die ehe­ma­li­ge Lang­läu­fe­rin, die re­gel­mä­ßig für die bes­ten Lauf­zei­ten im Da­men­feld sorgt, als die viel­ver­spre­chends­te Kan­di­da­tin, um die Nach­fol­ge von Lau­ra Dahl­mei­er als Team­lea­de­rin an­zu­tre­ten.

Die ein­zi­gen Welt­cup­punk­te in Hoch­fil­zen hol­te dann in der ab­schlie­ßen­den Ver­fol­gung am Sonn­tag Va­nes­sa Hinz als Zwölf­te und ein­zi­ge Deut­sche in den Top 30 (die Nor­we­ge­rin Ti­ril Eck­hoff ge­wann über­le­gen).

Mit Mag­da­le­na Neu­ner ist die er­folg­reichs­te deut­sche Bi­ath­le­tin als TV-Ex­per­tin im Ein­satz. „Ich mer­ke bei je­der Sport­le­rin ei­ne Un­si­cher­heit ir­gend­wie“, mein­te die 32-Jäh­ri­ge. Auch läu­fe­risch sei die Mann­schaft bis auf Herr­mann „im Mo­ment echt weit weg“.

Und die deut­schen Her­ren? Noch sind sie bes­ser un­ter­wegs als die Team­kol­le­gin­nen. Im Ver­fol­gungs­ren­nen schaff­ten es im­mer­hin vier Deut­sche in die Top 20. Für die Top Ten reich­te es aber wie­der nicht, die Ein­zel­po­dest­plät­ze schei­nen oh­ne­hin au­ßer Reich­wei­te. Ein kräf­ti­ges Le­bens­zei­chen gab die Staf­fel zum Ab­schluss in Hoch­fil­zen: Den Sieg vor Au­gen wur­de der deut­sche Schluss­läu­fer, Be­ne­dikt Doll, auf den letz­ten Me­tern noch vom nor­we­gi­schen Su­per­star Jo­han­nes Thing­nes Bø ab­ge­fan­gen.

Der Welt­cupt­ross zieht wei­ter ins fran­zö­si­sche Le Grand Bor­narnd (ab 19. De­zem­ber). Dann ist auch Lau­ra Dahl­mei­er wie­der mit von der Par­tie, al­ler­dings als TVEx­per­tin für das ZDF. Ih­ren Ex

Kol­le­gin­nen schick­te sie Durch­hal­te­pa­ro­len. „Ihr wisst, wie es geht, denkt ein­fach zu­rück. Ich weiß, ihr könnt es, und ihr wisst es auch! Un­ter­stützt euch, ver­traut in euch, kämpft ge­mein­sam, ge­winnt ge­mein­sam. Ihr seid groß­ar­tig!“

Für das ÖSV-Team gab es auch am letz­ten Tag des Heim­welt­cups nichts zu ho­len. Die Her­ren­staf­fel lan­de­te oh­ne das er­krank­te TopT­rio Si­mon Eder, Ju­li­an Eber­hard und Do­mi­nik Lan­der­tin­ger auf Platz zwölf. In der Da­men­ver­fol­gung war Kat­ha­ri­na In­ner­ho­fer als bes­te Ös­ter­rei­che­rin 34., 2:56 Mi­nu­ten hin­ter Sie­ge­rin Ti­ril Eck­hoff. Chef­trai­ner Ric­co Groß sprach von ei­ner „de­so­la­ten Leis­tung“am Schieß­stand. Li­sa Hau­ser (39.) schoss drei­mal so­gar auf die fal­schen Schei­ben.

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Deut­sche Irr­läu­fe in Hoch­fil­zen: Für An­na Wei­del und Co. war der Welt­cup im Pil­ler­see­tal zum Ver­ges­sen.

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