Was von der Re­gis­trier­kas­se blieb

Ana­ly­se. In Deutsch­land gibt es ei­ne Dis­kus­si­on über die Kas­sen­bon­pflicht ab 2020. In Ös­ter­reich hat man ge­lernt, mit der Re­gis­trier­kas­se zu le­ben. Auch, weil man ehr­li­cher ist als an­ge­nom­men.

Die Presse - - ECONOMIST -

Mitt­ler­wei­le ha­ben die Un­ter­neh­mer ge­lernt, mit der Kas­sen­pflicht zu le­ben. Viel­leicht auch des­halb weil sie ehr­li­cher sind, als man ih­nen zu­ge­traut hat.

Als vor ei­ni­gen Jah­ren in Ham­burg der Ein­bau von Ta­xa­me­tern vor­ge­schrie­ben wur­de, stieg der ge­mel­de­te Um­satz der Ta­xi­bran­che im Jahr da­nach um 50 Pro­zent.

Die hei­mi­schen Gas­tro­no­mie, de­ren Schwarz­um­sät­ze auf 30 bis 50 Pro­zent ge­schätzt wor­den wa­ren, leg­te da­ge­gen nach Ein­füh­rung der Kas­sen­pflicht nur mo­de­rat zu. 2015, im Jahr vor der Re­gis­trier­kas­sen­pflicht, lag der Um­satz bei 9,17 Mil­li­ar­den Eu­ro. Die Ein­nah­men aus der Um­satz­steu­er be­tru­gen da­mals 26 Mil­li­ar­den Eu­ro. 2017 (das ak­tu­ells­te Jahr der Aus­wer­tung) lag der Um­satz bei 10,43 Mrd. Eu­ro, die Ein­nah­men aus der Um­satz­steu­er bei 28,35 Mrd. Eu­ro.

Des­halb blie­ben wohl auch die Ein­nah­men aus der Re­gis­trier­kas­sen­pflicht deut­lich hin­ter den Er­war­tun­gen zu­rück. 2015 sprach das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um noch von

„et­wa 900 Mil­lio­nen Eu­ro“im ers­ten Jahr, die man an zu­sätz­li­chen Steu­ern ge­ne­rie­ren wer­de. Tat­säch­lich wa­ren es laut ei­ner par­la­men­ta­ri­schen An­fra­ge­be­ant­wor­tung aber um fast ein Drit­tel we­ni­ger, 650 Mil­lio­nen Eu­ro im Jahr 2017 (Zah­len aus 2016 sind nicht aus­sa­ge­kräf­tig, weil die Kas­sen­pflicht stu­fen­wei­se in Kraft trat).

Wie hoch die zu­sätz­li­chen Ein­nah­men heu­er sind, traut man sich im Fi­nanz­res­sort nur sehr grob zu schät­zen: Man dürf­te sich den ur­sprüng­lich er­war­te­ten 900 Mil­lio­nen Eu­ro an­nä­hern, heißt es (bei er­war­te­ten Ein­nah­men aus der Um­satz­steu­er von 30,3 Mrd. Eu­ro).

Deutsch­land hat kei­ne Re­gis­trier­kas­sen­pflicht, dort tritt aber ab Jän­ner 2020 ei­ne Be­le­ger­tei­lungs­pflicht in Kraft: Je­dem Kun­den muss, wie in Ös­ter­reich, ein Kauf­be­leg über­ge­ben wer­den. In Ös­ter­reich muss man die­sen üb­ri­gens mit­neh­men und auf Ver­lan­gen der Fi­nanz­po­li­zei vor­wei­sen kön­nen – kann man es nicht, gibt es aber kei­ne Stra­fen.

Deutsch­lands Wirt­schafts­mi­nis­ter Pe­ter Alt­mai­er (CDU) hat nun an­ge­regt, auf die Er­tei­lung der Be­le­ge bei ge­rin­gen Be­trä­gen zu ver­zich­ten, er warnt vor Mehr­auf­wand und da­vor, dass nur Müll pro­du­ziert wer­de. In Ös­ter­reich hat man die­se Dis­kus­si­on schon 2018 ge­führt: 535.000 Ki­lo­me­ter Be­le­ge mit ei­nem Ge­wicht von 2355 Ton­nen wür­den jähr­lich aus­ge­druckt, er­rech­ne­te ein Un­ter­neh­men, das für sei­ne pa­pier­lo­se Rech­nungs­App warb. Die Po­li­tik blieb un­be­ein­druckt. Die Kas­sen­bon­pflicht gibt es wei­ter, was Iris Thalbau­er, Lei­te­rin der Bun­des­spar­te Han­del in der WKO, vor al­lem für klei­ne Un­ter­neh­men be­klagt – et­wa Tra­fi­ken oder Eis­ge­schäf­te.

„Deutsch­land droht 2020 der Zet­tel-Irr­sinn“, ti­tel­ten selbst se­riö­se Zei­tun­gen am Mon­tag. Das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um in Berlin ver­tei­digt das neue Ge­setz und ver­weist auf Schät­zun­gen, dass dem Staat der­zeit bis zu zehn Mil­li­ar­den Eu­ro an Steu­ern ent­ge­hen wür­den. Of­fen­bar hat man sich da­bei an Ös­ter­reich ori­en­tiert: Das ist näm­lich grob die 1:10-Um­rech­nung für Deutsch­land.

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In Deutsch­land gibt es ei­ne hef­ti­ge Dis­kus­si­on über den dro­hen­den „Zet­tel-Irr­sinn“durch die Kas­sen­bon­pflicht.

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