Ein Hor­mon für (fast) al­les

Bio­lo­gie. Oxy­to­cin, das bei Säu­ge­tie­ren für Ge­burt und Milch zu­stän­di­ge Hor­mon, spielt auch bei Kno­chen­bil­dung und Fett­stoff­wech­sel mit.

Die Presse - - FEUILLETON -

Es löst die We­hen aus, stei­gert die Milch­pro­duk­ti­on, wirkt se­xu­ell sti­mu­lie­rend, för­dert die Paar­bin­dung, aber auch den Zu­sam­men­halt grö­ße­rer Grup­pen. Es wur­de schon als „Lie­bes­hor­mon“, „Ku­schel­hor­mon“und „Kleb­stoff der Ge­sell­schaft“be­zeich­net – und in ei­nem Kör­per­spray na­mens „Li­quid Trust“ver­kauft: Oxy­to­cin. Che­misch ge­se­hen ist es ein Pep­tid, das aus nur neun Ami­no­säu­ren be­steht. Und es ist ge­wiss das Hor­mon mit dem bes­ten Image, viel­leicht auch dem größ­ten Be­kannt­heits­grad (sein ne­ga­ti­ves Pen­dant ist in den letz­ten Jah­ren wohl – un­ge­rech­ter­wei­se – das Tes­to­ste­ron).

Da­zu hat Oxy­to­cin, wie man seit kur­zem weiß, auch ei­ne „hand­fes­te­re“Funk­ti­on: Es wirkt aufs Ske­lett, för­dert die Kno­chen­bil­dung und hemmt den Ab­bau von Kno­chen­ma­te­ri­al. Wie passt das zu sei­ner al­ten – und auch na­mens­ge­ben­den – Rol­le als Ge­burts­för­de­rer? Me­di­zi­ner um Mo­ne Zai­di (Mount Si­nai, New York) fan­den ei­nen Zu­sam­men­hang: In Pnas (16. 12.) be­rich­ten sie von Ex­pe­ri­men­ten an Mäu­sen, die zei­gen, dass

Oxy­to­cin in der Zeit der Schwan­ger­schaft und des Stil­lens am meis­ten kno­chen­schüt­zend wirkt. Da­zu re­du­ziert es die Men­ge des Kör­per­fetts, bremst aber zu­gleich die Um­wand­lung von wei­ßem Fett, das der Ener­gie­spei­che­rung dient, in brau­nes Fett, das Wär­me er­zeugt. Es gibt so­gar Hin­wei­se dar­auf, dass Oxy­to­cin ge­gen ein Ab­sin­ken des Östro­gen-Spie­gels wirkt. Je­den­falls hilft es ge­gen zwei Phä­no­me­ne, die vie­len Men­schen Sor­gen ma­chen: Ver­fet­tung und Ver­lust der Kno­chen­sub­stanz. Wie es das tut, könn­te für künf­ti­ge The­ra­pi­en rich­tungs­wei­send sein, schrei­ben die For­scher in Pnas.

Und sie be­to­nen die ba­sa­le, ur­sprüng­li­che Be­deu­tung des Oxy­to­cins: Es för­dert und schützt Schwan­ger­schaft und Milch­pro­duk­ti­on, al­so zwei für Säu­ge­tie­re ganz cha­rak­te­ris­ti­sche Funk­tio­nen. Es kommt zwar auch bei an­de­ren Wir­bel­tie­ren vor, die­se Auf­ga­ben aber hat es na­tur­ge­mäß erst bei den Säu­ge­tie­ren über­nom­men – und seit­her of­fen­bar im­mer mehr „hö­he­re“, auch für So­zia­les re­le­van­te Auf­ga­ben. (tk)

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.