Die Po­li­tik ist ge­ra­de da­bei, ein Er­folgs­mo­dell zu zer­stö­ren

Nicht die nach­las­sen­de Kon­junk­tur, son­dern die zu­neh­men­de Nei­gung zu Pro­tek­tio­nis­mus und Pl­an­wirt­schaft be­droht un­se­ren Wohl­stand.

Die Presse - - INLAND -

Die fro­he Bot­schaft zur Vor­weih­nachts­zeit ha­ben am Don­ners­tag die Wirt­schafts­for­scher ge­lie­fert: Es wird die vie­ler­orts her­bei­ge­re­de­te Wirt­schafts­kri­se nicht so bald ge­ben. Statt­des­sen er­le­ben wir ge­ra­de ei­ne klei­ne Wachs­tums­del­le, wie sie nach Pha­sen er­höh­ter Wachs­tums­ra­ten völ­lig nor­mal ist. Kein An­lass zur Sor­ge al­so. Das Sys­tem, das uns al­len Wohl­stand ge­bracht hat, funk­tio­niert of­fen­bar nach wie vor. Sor­ge soll­te uns eher be­rei­ten, dass die­ses Sys­tem im­mer stär­ker von in­nen her un­ter Druck kommt, wo­bei zu­neh­mend die Kli­ma­dis­kus­si­on als He­bel dient.

Nein, wir re­den hier nicht von der pro­ble­ma­ti­schen Eso­te­ri­ker­sek­te Ex­tinc­tion Re­bel­li­on, de­ren Grün­der schon ein­mal den Ho­lo­caust ver­harm­lost und de­ren pro­mi­nen­te Mit­glie­der of­fen zu Ge­set­zes­bruch und „Sys­tem­wech­sel“auf­ru­fen. Und wir re­den auch nicht von der von Gre­ta Thun­berg an­ge­sto­ße­nen „Fri­days for Fu­ture“-Be­we­gung, de­ren Iko­ne sich mit frag­wür­di­gen Aus­sa­gen („Po­li­ti­ker an die Wand stel­len“, wir wis­sen eh, ein „Über­set­zungs­feh­ler“) und ih­rer „How da­re you“-Wut­re­de in ein Ter­rain ma­nö­vriert hat, das Top­po­li­ti­ker zu­neh­mend von ihr ab­rü­cken lässt.

Wir re­den von der ganz ge­wöhn­li­chen Main­stream­po­li­tik in den markt­wirt­schaft­lich ori­en­tier­ten Län­dern des Wes­tens. Hier se­hen wir, dass es zu­neh­mend chic wird, sein Heil in Pro­tek­tio­nis­mus und Pl­an­wirt­schaft zu su­chen. Ers­te­res vor al­lem in den USA des „Ame­ri­ca first“Apo­lo­ge­ten Do­nald Trump. Und Zwei­te­res in der EU, wo der Gre­en New De­al der neu­en Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin, Ur­su­la von der Ley­en, und die mög­li­che Auf­nah­me ei­nes Kli­ma­kri­te­ri­ums in die An­lei­hen­auf­kauf­po­li­tik der EZB dem staat­li­chen In­ter­ven­tio­nis­mus al­le Tü­ren öff­nen.

Schon die ers­ten An­kün­di­gun­gen las­sen die Alarm­glo­cken läu­ten: Man will die stren­gen EU-Bei­hil­fe­re­ge­lun­gen auf­wei­chen, um Geld in die „rich­ti­ge“Rich­tung zu len­ken. Man über­legt ei­ne Ab­schwä­chung der Maas­tricht-De­fi­zit­re­gel, so­fern das Geld „rich­tig“aus­ge­ge­ben wird. Und die neue EZB-Che­fin, Chris­ti­ne La­g­ar­de, hat mehr­mals an­ge­kün­digt, dass die Eu­roNo­ten­bank im Rah­men ih­res An­lei­hen­an­kauf­pro­gramms ver­stärkt „grü­ne“An­lei­hen auf­kau­fen wer­de. Wo­mit sie die ihr vor­ge­schrie­be­ne „Markt­neu­tra­li­tät“über Bord wer­fen und sich er­press­bar ma­chen wür­de. Denn na­tür­lich wä­re der po­li­ti­sche Druck groß, sol­che An­lei­hen nicht mehr auf den Markt zu wer­fen, falls die No­ten­bank ei­nes fer­nen Ta­ges ih­re Bi­lanz wie­der zu­rück­fah­ren will.

K

urz­um: Es ist wie­der ein­mal ge­plant, auf al­len Ebe­nen in Märk­te ein­zu­grei­fen. Da­bei hät­te vor al­lem von der Ley­en von zu Hau­se her ge­nü­gend ab­schre­cken­des An­schau­ungs­ma­te­ri­al: die auf um­fang­rei­che staat­li­che Len­kungs­schrit­te ba­sie­ren­de deut­sche Ener­gie­wen­de et­wa, die Deutsch­land trotz oder ge­ra­de we­gen ir­rer Sub­ven­tio­nen den höchs­ten Strom­preis Eu­ro­pas bei schwin­den­der Netz­sta­bi­li­tät oh­ne wirk­lich gro­ße Aus­wir­kun­gen auf die Ge­s­amt kli­ma bi­lanz be­schert, al­so völ­lig ge­schei­tert ist. Oder die trotz ho­her Sub­ven­tio­nen flop­pen­de E-Au­to-Initia­ti­ve der deut­schen Re­gie­rung, die au­ßer Acht lässt, dass es nicht nur Sub­ven­tio­nen, son­dern auch ent­spre­chen­des Markt­an­ge­bot braucht. Von der EUAgrar­po­li­tik, die es ge­schafft hat, durch um­fas­sen­de plan­wirt­schaft­li­che In­ter­ven­tio­nen ei­nen gan­zen Wirt schafts sek­tor zum Al­mo­sen emp­fän­ger zu­ma­chen, re­den wir da noch gar nicht.

Die EU hat mit dem Emis­si­ons­han­del ein ef­fek­ti­ves und funk­tio­nie­ren­des markt­wirt­schaft­li­ches In­stru­ment zur CO2-Ver­min­de­rung. Die­sen auf al­le, wirk­lich al­le Wirt schafts sek­to­ren aus­zu­deh­nen und zu ver­schär­fen wür­de viel mehr brin­gen, als Bü­ro­kra­ten mit­tels plan­wirt­schaft­li­cher Len­kungs­in­stru­men­te her­um murks­en­zul as­sen.

Es hat ei­nen Grund, war­um es zwölf Pro­zent der Welt­be­völ­ke­rung (USA und EU) ge­schafft ha­ben, mehr als ein Drit­tel der Welt wirt schafts leis­tung zu­stan­de zu brin­gen. Die­ser Er­folg hat sehr viel mit Markt­wirt­schaft zu tun. Dass da jetzt die Plan wirt­schaft­ler un­ter dem Kli­ma män­tel­chen da­bei sind, des­sen Ba­sis zu schwä­chen – das soll­te uns wirk­lich Sor­gen ma­chen. E-Mails an: jo­[email protected]­pres­se.com

VON JO­SEF URSCHITZ

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