Mehr Frau­en, we­ni­ger „Nar­ren“: Wie sich die FPÖ er­neu­ern will

Neu­start. Was wollt ihr ei­gent­lich? Die FPÖ hat 800 Funk­tio­nä­re und Tau­sen­de Mit­glie­der be­fragt und ver­spricht: mehr Mit­spra­che.

Die Presse - - INLAND -

„So sind wir nicht“, sag­te Bun­des­prä­si­dent Alex­an­der Van der Bel­len nach dem Be­kannt­wer­den des Ibi­za-Vi­de­os. „So sind wir nicht“ist ir­gend­wie auch die Bot­schaft, die die FPÖ, frisch an­ge­kom­men im Pos­tS­tra­che-Zeit­al­ter, trans­por­tie­ren will.

Am Don­ners­tag gab man Ein­blick in die Neu­auf­stel­lung der Par­tei. Ur­sprüng­lich woll­te man die Wo­che fer­tig sein, doch die Klau­sur wur­de auf 8./9. Jän­ner ver­scho­ben. Ganz aus­fal­len las­sen woll­te man den Ter­min aber nicht. Viel­leicht auch um sich last mi­nu­te als ver­läss­li­che Ko­ali­ti­ons-Al­ter­na­ti­ve zu be­wer­ben? Dies­be­züg­lich, sagt Nor­bert Ho­fer, gel­te das bis­her Ge­sag­te: Soll­te sich die ÖVP mel­den, wer­de man das im Vor­stand be­spre­chen, so der Par­tei­chef.

Der dann aber Andre­as Rabl re­den ließ. Der Wel­ser Bür­ger­meis­ter lei­tet die ge­wich­ti­ge (wenn auch schlan­ke, weil nur vier Leu­te um­fas­sen­de) Ar­beits­grup­pe, die sich der in­halt­li­chen Mo­der­ni­sie­rung der Par­tei wid­met. Der ober­ös­ter­rei­chi­sche Par­tei­chef Man­fred Haim­buch­ner, der die zwei­te Grup­pe (Com­p­li­an­ce) ko­or­di­niert, war nicht da.

Das hun­dert Sei­ten star­ke Stra­te­gie- und Zu­kunfts­kon­zept sei fer­tig, sagt Rabl. Kon­kre­te Ar­beits­auf­trä­ge sol­len ab 9. Jän­ner fol­gen, bis 2025 soll al­les um­ge­setzt wer­den. Das Kon­zept ba­siert auf ei­ner Funk­tio­närs­be­fra­gung (800 Leu­te) und wird durch die Er­geb­nis­se ei­ner noch lau­fen­den, groß an­ge­leg­ten Mit­glie­der­be­fra­gung er­gänzt. Man ha­be In­nen­und Au­ßen­sicht ver­glei­chen wol­len, so Rabl – aber ge­merkt, das es oh­ne­hin kaum Un­ter­schie­de ge­be.

Blaue Pre­mie­re

Es ist das ers­te Mal, dass sich die FPÖ so in­ten­siv er­forscht. Par­al­le­len zur ro­ten Neu­er­fin­dung se­hen die Blau­en üb­ri­gens nicht. Im Un­ter­schied zur SPÖ wis­se man be­reits, wo die ei­ge­nen Schwä­chen lä­gen, und ken­ne das Ziel: „ei­ne sta­bi­le, staats­tra­gen­de, mo­der­ne, rechts­kon­ser­va­ti­ve 25-Pro­zen­tPar­tei wer­den“(Ho­fer). Aber da­zu muss sich die FPÖ än­dern, wie die Be­fra­gun­gen zei­gen (wo­bei die FPÖ kei­ne ge­naue Sta­tis­tik her­aus­gibt). Das be­trifft zu­nächst The­men und Wäh­ler­schaft: Die FPÖ war nie ei­ne weib­li­che Par­tei, aber „im Ver­gleich zu 2017 hat die FPÖ bei den Frau­en 2019 mas­siv ver­lo­ren“, sagt Rabl. Das soll sich än­dern. Auch Aka­de­mi­ker will Ho­fer ver­stärkt an­spre­chen. Ob das über die Ver­brei­te­rung der The­men geht, die sich die Ba­sis (80 Pro­zent) wünscht? Fair­ness, Bil­dung und Fa­mi­lie sol­len ei­ne grö­ße­re Rol­le spie­len. Wo­bei die Kern­the­men (Hei­mat, Si­cher­heit etc.) blei­ben – das wol­len 98 Pro­zent.

„Die Trum­pi­sie­rung der Ge­sell­schaft“

We­ni­ger Zu­lauf will man da­für von ganz rechts. Bei der Neu­auf­nah­me der Mit­glie­der wer­de man ge­nau­er hin­schau­en, um „den viel zi­tier­ten Nar­ren­saum“(Rabl) nicht zu ver­brei­tern. Wer darf zur FPÖ? „Je­der, der sich zum de­mo­kra­ti­schen, rechts­staat­li­chen Prin­zip und zu Ge­walt­frei­heit be­kennt“, sagt Rabl. Schließt das Iden­ti­tä­re aus? Es folgt kein ka­te­go­ri­sches Nein, aber: „Ich kann mir nicht vor­stel­len, dass je­mand, der für die Iden­ti­tä­ren ak­tiv ist, die­se Prin­zi­pi­en be­ach­tet.“Zu­dem wer­de es künf­tig – im Sinn ei­ner ro­ten Li­nie – ei­ne kla­re De­fi­ni­ti­on von Rechts­ex­tre­mis­mus ge­ben, an­ge­lehnt an je­ne des In­nen­mi­nis­te­ri­ums. Das wün­schen sich 70 Pro­zent.

Ein „gro­ßes Be­dürf­nis nach De­mo­kra­ti­sie­rung der Par­tei“– üb­ri­gens ei­ne Par­al­le­le zur SPÖ – liest Rabl aus den ho­hen Rück­lauf­quo­ten. Bei be­stimm­ten Sachthe­men sol­len die Mit­glie­der ab­stim­men – auch ver­bind­lich, wenn die Quo­ren (zwi­schen 20 und 40 Pro­zent Teil­nah­me) er­füllt sind. So­gar ein Vo­tum über ein Ko­ali­ti­ons­ab­kom­men sei denk­bar, wenn es der Bun­des­vor­stand be­schlie­ße, so Rabl. Ab­stim­mun­gen über Funk­tio­nen (z. B. Bun­des­par­tei­ob­mann) schließt er da­ge­gen aus.

Bei Rabl res­sor­tiert üb­ri­gens auch das The­ma Kom­mu­ni­ka­ti­on, was in­so­fern passt, als er auch Rhe­to­rik-Trai­ner ist: Das be­trifft ei­ne bes­se­re in­ter­ne und Kri­sen­Kom­mu­ni­ka­ti­on, aber man müs­se auch „der Trum­pi­sie­rung der Ge­sell­schaft“(Rabl) Rech­nung tra­gen. Soll hei­ßen: Will man in die Brei­te kom­mu­ni­zie­ren, wird man we­ni­ger auf Text und mehr auf Bild set­zen. So­zia­le Me­di­en sol­len wei­ter ei­ne gro­ße Rol­le spie­len. Trotz Stra­che-Face­book-Ga­te? Ja. Die of­fi­zi­el­len Face­book-Sei­ten sei­en kein Pro­blem, al­les an­de­re kön­ne man so­wie­so nicht kon­trol­lie­ren.

Apro­pos au­ßer­halb der Kon­trol­le: Ein wei­te­rer ver­scho­be­ner Ter­min war auch kurz The­ma: die Ver­öf­fent­li­chung des His­to­ri­ker­be­richts An­fang des Jah­res. Soll­ten die für die Dis­kus­si­on an­ge­frag­ten Ex­per­ten nicht bis Frei­tag zu­sa­gen, fin­det der Ter­min trotz­dem statt – nur oh­ne sie. (uw)

[ APA ]

Andre­as Rabl soll die FPÖ mo­der­ni­sie­ren.

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