Etap­pen­sieg für Face­book

Da­ten­schutz. EuGH-Ge­ne­ral­an­walt sieht Da­ten­trans­fer als rechts­kon­form – so­lang si­cher­ge­stellt ist, dass die Da­ten nicht EU-re­gel­wid­rig beim US-Ge­heim­dienst lan­den.

Die Presse - - EUROPÄISCH­E UNION -

Am Don­ners­tag hat der ös­ter­rei­chi­sche Da­ten­schutz­ak­ti­vist Max Schrems vor dem Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof ei­nen Rück­schlag er­lit­ten. In sei­nem Gut­ach­ten emp­fahl der EuGH-Ge­ne­ral­an­walt den Lu­xem­bur­ger Höchst­rich­tern, die au­to­ma­ti­sche Über­tra­gung von per­so­nen­be­zo­ge­nen EU-Da­ten in die USA nicht zu un­ter­bin­den. Das Gut­ach­ten ist nicht bin­dend, doch in den al­ler­meis­ten Fäl­len fol­gen die EuGH-Rich­ter der Ar­gu­men­ta­ti­ons­li­nie ih­res Ge­ne­ral­an­walts. Das Ur­teil soll im Lauf des kom­men­den Jahrs ge­fällt wer­den.

In der Cau­sa (Rechts­sa­che C-311/18) geht es um die Fra­ge, ob Face­book auf Ba­sis von so­ge­nann­ten Stan­dard­ver­trags­klau­seln (SCC) per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten in die USA über­mit­teln darf. Die Klau­seln sind von der EU-Kom­mis­si­on kre­iert wor­den, um den trans­at­lan­ti­schen Da­ten­aus­tausch zu er­leich­tern. Schrems brach­te in Ir­land (dem Fir­men­sitz der EUNie­der­las­sung von Face­book) Be­schwer­de da­ge­gen ein. Sein Ar­gu­ment: Die EU-Stan­dard­klau­seln sei­en im Fall von Face­book nicht an­wend­bar, weil EU-Bür­ger in den USA kei­ne Mög­lich­keit ha­ben, ge­gen ei­ne Wei­ter­ga­be ih­rer Da­ten an US-Si­cher­heits- und Ge­heim­diens­te ge­richt­lich vor­zu­ge­hen. Laut Schrems ist es trotz des gel­ten­den „Pri­va­cy Shield“-Ab­kom­mens kei­nes­wegs ga­ran­tiert, dass in den USA ge­spei­cher­te EU-Da­ten vor dem Zu­griff der US-Spio­ne si­cher sind.

Der EuGH-Ge­ne­ral­an­walt stellt in sei­nem Gut­ach­ten fest, dass aus sei­ner Sicht nichts für ei­ne Auf­he­bung der EU-Stan­dard­ver­trags­klau­seln spricht. Die Über­mitt­lung per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten in ein Dritt­land sei er­laubt, „wenn die­se Über­mitt­lun­gen zu ge­werb­li­chen Zwe­cken er­folg­ten, auch wenn die über­mit­tel­ten Da­ten durch Be­hör­den die­ses Dritt­lands für Zwe­cke der na­tio­na­len Si­cher­heit ver­ar­bei­tet wer­den könn­ten“, heißt es in sei­ner Er­klä­rung. Die Stan­dard­klau­seln der Kom­mis­si­on sind dem­nach als ei­ne all­ge­mei­ne Re­ge­lung zu be­trach­ten, „die un­ab­hän­gig vom Be­stim­mungs­land und dem dort si­cher­ge­stell­ten Schutz­ni­veau“gel­te.

Kann sich Face­book nun in Si­cher­heit wie­gen, falls die EuGH-Rich­ter ihr Ur­teil da­hin­ge­hend fäl­len? Kei­nes­wegs. Denn in der vor­lie­gen­den Cau­sa ging es le­dig­lich um die Gül­tig­keit der Stan­dard­klau­seln – nicht aber um die Fra­ge, ob EU-Da­ten, die der US-Kon­zern in sei­ner Hei­mat spei­chert, tat­säch­lich ge­mäß EU-Vor­schrif­ten zum Schutz der Grund­rech­te be­han­delt wer­den.

Al­ler­dings hängt die Wirk­sam­keit der Stan­dard­klau­seln laut Ge­ne­ral­an­walt da­von ab, ob der Da­ten­trans­fer ge­stoppt wer­den kann, wenn US-Kon­zer­ne ih­ren Pflich­ten zur Wah­rung der Pri­vat­sphä­re ih­rer eu­ro­päi­schen Kun­den nicht nach­kom­men kön­nen. Ob Face­book die­sen Pflich­ten nach­kom­men und die EU-Da­ten vor dem Zu­griff der US-Spio­ne schüt­zen kann, war nicht Ge­gen­stand der Rechts­sa­che – und dürf­te die EU-Rich­ter wei­ter be­schäf­ti­gen. (ag./la)

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