Deutsch­land setzt auf Gre­en Bonds

Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land will 2020 ih­re ers­te nach­hal­ti­ge Staats­an­lei­he be­ge­ben. Das Land steigt da­mit in ei­nen Markt ein, der sich im­mer grö­ße­rer Be­liebt­heit er­freut.

Die Presse - - FINANZEN -

Die neue Che­fin der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB), Chris­ti­ne La­g­ar­de, hat ein Ge­spür für das, was den Men­schen un­ter den Nä­geln brennt. Schon Wo­chen vor der Ma­dri­der Kli­ma­kon­fe­renz kün­dig­te sie an, die ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels ver­stärkt in die Geld­po­li­tik mit­ein­be­zie­hen zu wol­len. Bei man­chen Öko­no­men schrill­ten ob die­ser Aus­sa­gen al­ler­dings die Alarm­glo­cken. Denn wür­de die EZB ihr seit Jah­ren lau­fen­des An­lei­he­kauf­pro­gramm grü­ner aus­rich­ten wol­len, könn­te man der Zen­tral­bank nicht nur vor­wer­fen, sich auf ei­ne Sei­te zu schla­gen. Die EZB müss­te sich auch die Fra­ge ei­ner Man­dats­ver­let­zung ge­fal­len las­sen, so­fern sie nach­hal­ti­ge An­la­gen über­pro­por­tio­nal be­rück­sich­tigt.

Zwar hat man noch nicht durch­bli­cken las­sen, wie ge­nau die Agen­da aus­se­hen soll, doch hat La­g­ar­de ein The­ma an­ge­spro­chen, das die Fi­nanz­in­dus­trie schon seit Län­ge­rem be­schäf­tigt: nach­hal­ti­ge Geld­an­la­gen. Tag­täg­lich wer­den auf den Ka­pi­tal­märk­ten zig Mil­li­ar­den ver­scho­ben. Wes­halb sich die In­dus­trie die Fra­ge stel­len muss, wie sie da­zu bei­tra­gen will, die Welt et­was bes­ser zu ma­chen. Vie­le bör­se­no­tier­te Ver­si­che­run­gen ha­ben bei­spiels­wei­se schon da­mit be­gon­nen, be­stimm­te Ris­ken – vor al­lem in Zu­sam­men­hang mit Koh­le oder Öl – aus ih­ren An­la­ge­port­fo­li­os zu wer­fen. Auch weil die Un­ter­neh­men be­fürch­ten, ei­nes Ta­ges auf ih­ren In­ves­ti­tio­nen sit­zen zu blei­ben.

Öko­lo­gi­sche Stra­te­gi­en zu ver­fol­gen ge­winnt in der Bran­che im­mer mehr an Be­deu­tung. Das ha­ben nicht nur die Un­ter­neh­men er­kannt (selbst der Li­mo­na­den­her­stel­ler Pep­si hat schon ei­ne grü­ne An­lei­he be­ge­ben), son­dern auch die Fonds­in­dus­trie, die als Käu­fer sol­cher Pa­pie­re ver­stärkt auf das The­ma setzt. Es sind zu­neh­mend aber auch Staa­ten, die sich die­sen

Trend zu­nut­ze ma­chen. Erst am Don­ners­tag gab die deut­sche Fi­nanz­agen­tur be­kannt, dass sie in den boo­men­den Markt für grü­ne An­lei­hen ein­stei­gen wird.

Ei­ne sol­che Emis­si­on ist für die zwei­te Jah­res­hälf­te 2020 ge­plant. Ei­ne kon­kre­te Sum­me so­wie nä­he­re De­tails wer­den erst in den kom­men­den Mo­na­ten ver­öf­fent­licht. Die Bun­des­re­pu­blik will es aber nicht bei die­ser ei­nen An­lei­he be­las­sen. Sie plant, grü­ne An­lei­hen über das ge­sam­te Lauf­zeit­s­pek­trum an­zu­bie­ten. „Der Bund be­ab­sich­tigt, ei­ne li­qui­de, grü­ne Zins­re­fe­renz für den Eu­ro­raum zu eta­blie­ren“, heißt es da­zu. Schon jetzt gel­ten die Ren­di­ten der zehn­jäh­ri­gen deut­schen Staats­an­lei­hen als Bench­mark in Eu­ro­pa. Die Aus­ga­be der grü­nen Pa­pie­re soll in Über­ein­stim­mung mit den so­ge­nann­ten Gre­en Bond Prin­ci­ples er­fol­gen. Sie bil­den den gro­ben Rah­men für ei­ne sol­che Emis­si­on und le­gen un­ter an­de­rem fest, dass der Er­lös in nach­hal­ti­ge Pro­jek­te flie­ßen soll.

Deutsch­land ist kein Vor­rei­ter auf die­sem Ge­biet, aber im­mer­hin frü­her dran als an­de­re Staa­ten. So wag­ten sich die Nie­der­lan­de im heu­ri­gen Mai mit ei­nem Gre­en Bond auf den Markt, Po­len und Frank­reich sind schon seit 2017 bzw. 2016 ak­tiv. Im kom­men­den Jahr könn­ten mit Deutsch­land auch Staa­ten wie Ita­li­en und Schwe­den fol­gen.

Die EU bas­telt be­reits seit ei­ni­ger Zeit dar­an, die Fi­nanz­in­dus­trie öko­lo­gi­scher aus­zu­rich­ten. Erst die­ser Ta­ge ha­ben sich das Par­la­ment und die Mit­glied­staa­ten auf Stan­dards für grü­ne und nach­hal­ti­ge Fi­nanz­in­vest­ments ver­stän­digt. Da­bei geht es um ein ein­heit­li­ches Klas­si­fi­zie­rungs­sys­tem für Fi­nanz­pro­duk­te, an dem sich die An­le­ger ori­en­tie­ren kön­nen. EU-Kom­mis­si­ons­vi­ze­prä­si­dent Val­dis Dom­brovs­kis er­war­tet sich da­von ei­nen „ech­ten An­schub“für nach­hal­ti­ge In­ves­ti­tio­nen.

[ Fa­b­ry]

Welt­weit wur­den heuer bis Ok­to­ber 761 Mrd. Eu­ro an Gre­en Bonds plat­ziert.

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