Über­le­ben und Spaß ha­ben

Wie­ner­lied. 2020 bringt dem Kol­le­gi­um Kalks­burg ei­nen Film und die ers­te Vi­nyl­plat­te. Da­vor ze­le­briert das Trio sein Weih­nachts­kon­zert im Wein­haus Sittl.

Die Presse - - MENSCHEN/VERANSTALT­UNGEN -

Wenn wir Mi­mo­serln wä­ren, hät­ten wir uns schon zehn Mal auf­ge­löst,“sagt Vin­cenz Wizlsper­ger. Der Out­put des Kol­le­gi­um Kalks­burg könn­te auch durch­aus grö­ßer sein. In­ner­halb des letz­ten Jahr­zehnts brach­te das Trio ge­ra­de mal drei Al­ben her­aus. Da kann ei­nem schon der al­te Mu­si­cal­ti­tel „How to suc­ceed in bu­si­ness wi­thout re­al­ly try­ing” in den Sinn kom­men.

Sän­ger Vin­cenz Wizlsper­ger zuckt bei der Fra­ge, ob sich Faul­heit ren­tie­re, sicht­bar zu­sam­men. Ein­ge­zwängt in ei­nen fins­te­ren Win­kel des Eta­blis­se­ments Zweis­tern, ent­spannt er sich aber rasch wie­der. „Das mit der Krea­ti­vi­tät ist of­fen­bar ei­ne ma­the­ma­ti­sche Rei­he. Mit den Jah­ren wer­den die Lie­der we­ni­ger. Wir wa­ren schon nicht mehr jung, als wir das Kol­le­gi­um ge­grün­det ha­ben. Und heu­te müs­sen wir es uns wirk­lich ein­tei­len.“

Re­la­ti­vie­rend muss er­wähnt wer­den, dass die drei Mit­glie­der Paul Sk­re­pek, Heinz Ditsch und eben Wizlsper­ger auch in zahl­lo­sen an­de­ren Kon­fi­gu­ra­tio­nen tä­tig sind. Wizlsper­ger selbst ar­bei­tet viel mit Hannes Lö­schel. Zeit­wei­lig ver­dingt er sich als ge­lern­ter Kon­di­tor auch in der Back­stu­be sei­nes Bru­ders in Wolkersdor­f. Sein ak­tu­ells­tes Ne­ben­pro­jekt sind Mar­me­la­den­ge­dich­te. 31 da­von gibt’s. Sie sind auf den Eti­ket­ten des selbst ein­ge­koch­ten Frucht­auf­strichs nach­zu­le­sen. „Der­lei trägt viel­leicht ein we­nig Mit­schuld am ge­rin­gen Out­put. Aber wir ha­ben nie et­was er­zwin­gen wol­len,“re­la­ti­viert Wizlsper­ger, ein Mann, des­sen Au­gen­brau­en bald so verdschun­gelt sind wie je­ne von Theo Wai­gel.

Die gan­ze Ne­ben­ar­beit ein­ge­rech­net, hat das Kol­le­gi­um seit sei­ner Grün­dung im Jah­re 1996 trotz strik­ter Lais­sez-Fai­re-Stra­te­gie nicht so we­nig wei­ter­ge­bracht. Es zählt, ne­ben den Strot­tern und dem Trio Lep­schi, zu den Speer­spit­zen des so­ge­nann­ten Neu­en Wie­ner­lieds, ein Ter­mi­nus, den Wizlsper­ger nur be­dingt mag. „Es ging uns ums Über­le­ben und ums Spaß­ha­ben. Un­se­re Le­bens­la­ge war im­mer pre­kär. Mo­men­tan ist sie so­gar noch pre­kä­rer, weil sich der Hy­pe ums Neue Wie­ner­lied ab­ge­schwächt hat.“

In sol­chen Pha­sen tut ein Re­sü­mee ganz gut. Das pas­siert ge­ra­de mit ei­ner von Ha­rald Huber und Ste­phan Mus­sil ge­stal­te­ten Film­do­ku­men­ta­ti­on, die En­de Fe­bru­ar prä­sen­tiert wer­den wird. Aber auch mit der ers­ten, in Vor­be­rei­tung be­find­li­chen Vi­nyl-Schall­plat­te des Kol­le­gi­um Kalks­burg; et­was, was die Strot­tern mit ih­rer über­aus edel ge­stal­te­ten, klang­tech­nisch her­vor­ra­gen­den Lie­der­samm­lung „Waunsd Woadsd“schon im Vor­jahr rea­li­siert ha­ben. „Ich ha­be heu­te per Mail schon ei­nen Rough-Mix be­kom­men“, be­rich­tet Wizlsper­ger. „Es soll ei­ne Best-of mit ei­nem neu­en Lied wer­den. Ein Pro­blem sind die Kos­ten der Pres­sung. Wir ha­ben halt nicht lo­cker drei, vier Tau­send Eu­ro im Ladl lie­gen. Aber be­vor wir zu ei­nem Ma­jor La­bel ge­hen, schnor­ren wir uns lie­ber das Geld selbst zu­sam­men.“

Zu den live er­folg­reichs­ten Lie­dern des Kol­le­gi­um Kalks­burg zäh­len Co­ver­ver­sio­nen. Ih­re wilde Ver­si­on des Pip­pi-Langs­trumpf-Lieds, Udo-Jür­gens-In­ter­pre­ta­tio­nen und das von ih­nen ein­ge­wie­ner­te Jac­ques-Brel-Chan­son „Le Mo­ri­bond“. Let­ze­res hat Wizlsper­ger schon ge­liebt, als er noch kei­ne Ah­nung hat­te, dass es aus der Fe­der des bel­gisch-fran­zö­si­schen Chan­so­niers stammt. „Ich lie­be Jac­ques Brel, muss aber zu­ge­ben, dass ich zu­nächst nur ei­ne wun­der­schö­ne Ju­gen­der­in­ne­rung an die Co­ver­ver­si­on von Ter­ry Jacks ge­habt ha­be, der das Lied ja un­ter dem Ti­tel „Sea­sons in the Sun“in die Po­phit­pa­ra­den ge­bracht hat. Jetzt, im Al­ter, bin ich im­mer mehr zum BrelLieb­ha­ber ge­wor­den.“

Beim letzt­jäh­ri­gen Weih­nachts­kon­zert im wun­der­bar pa­ti­nier­ten Wein­haus Sittl war das Lied der Hö­he­punkt des Abends. Die Hoff­nung, dass es je­mals auf Plat­te ge­presst wird, bleibt in­des ge­ring. „Wir sind da lei­der ge­brann­te Kin­der. Im­mer, wenn wir we­gen ei­ner Co­ver­ver­si­on an­ge­fragt ha­ben, hieß es im­mer Nein mit drei Ruf­zei­chen. Das Pro­blem ent­steht, wenn wir die Lie­der mit ei­ge­nem Text sin­gen.“

Das war wohl auch beim fre­chen Pip­pi-Langs­trumpf-Lied so, das ein­zig auf ei­ner Kom­pi­la­ti­on des Festivals „We­an He­an“zu ha­ben war. „Da lau­te­te die Ant­wort von der Film­mu­sik Gm­bH Ham­burg, dass sie nicht wol­len, dass das Pip­pi-Langs­trumpf-Lied ins Lä­cher­li­che ge­zo­gen wird. Ich glau­be nicht, dass das im Sinn der Pip­pi ist.“

[ Cle­mens Fa­b­ry]

Vin­cenz Wizlsper­ger gibt mit dem Kol­le­gi­um sein tra­di­tio­nel­les Weih­nachts­kon­zert.

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