Wer kann Do­nald Trump schla­gen?

USA. Ex-Vi­ze­prä­si­dent Joe Bi­den be­haup­tet im aus­ge­dünn­ten Feld der De­mo­kra­ten sei­ne Po­si­ti­on als Fa­vo­rit. Sei­nen Ri­va­len bie­tet sich im Im­peach­ment-Pro­zess die Chan­ce zur Pro­fi­lie­rung.

Die Presse - - AUSLAND -

Da wa­ren es nur noch sie­ben: Knapp mehr als ei­ne Hand­voll un­ter den de­mo­kra­ti­schen Be­wer­bern für die Prä­si­dent­schaft hat­te sich für die TV-De­bat­te in Los An­ge­les qua­li­fi­ziert. 24 St­un­den nach dem Vo­tum im Re­prä­sen­tan­ten­haus hiel­ten sie sich nicht lang mit Do­nald Trump und dem Im­peach­ment auf. Dass sie ihn für ei­nen „pa­tho­lo­gi­schen Lüg­ner“und den „kor­rup­tes­ten Prä­si­den­ten“in der US-Ge­schich­te hal­ten, war oh­ne­dies be­kannt.

Am staats­män­nischs­ten trat just je­ner Mann auf, der am An­fang der Ukrai­ne-Af­fä­re stand, die das Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren aus­lös­te: Ex-Vi­ze­prä­si­dent Joe Bi­den, den Do­nald Trump als ge­fähr­lichs­ten Her­aus­for­de­rer be­trach­tet. In den na­tio­na­len Um­fra­gen liegt der 77-Jäh­ri­ge wei­ter­hin mit rund 27 Pro­zent­punk­ten vor­an. Bis­her hat der frü­he­re lang­jäh­ri­ge Se­na­tor kaum un­ter der Af­fä­re ge­lit­ten, sein Sohn Hun­ter kam un­ge­scho­ren da­von. Das könn­te sich än­dern.

Nach meh­re­ren Wahl­kampfFaux­pas hat der Oba­ma-Vi­ze wie­der Tritt ge­fasst. Nach den Thanks­gi­ving-Fei­er­ta­gen tour­te er mit John Ker­ry durch Io­wa. Der Ex-Au­ßen­mi­nis­ter, der 2004 in dem

Agrar­staat im Mit­tel­wes­ten das Fun­da­ment für sei­ne No­mi­nie­rung zum Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten ge­legt hat, hat als ers­ter pro­mi­nen­ter De­mo­krat Par­tei für Bi­den er­grif­fen. In den wahl­ent­schei­den­den Swing Sta­tes im ehe­ma­li­gen „Rost­gür­tel“und bei Afro­ame­ri­ka­nern rühmt sich der de­kla­rier­te Fa­vo­rit der De­mo­kra­ten, Do­nald Trump als „An­walt der klei­nen Leu­te“hin­ter sich zu las­sen.

Nach dem De­ba­kel für La­bourChef Je­re­my Cor­byn in Groß­bri­tan­ni­en er­hielt die Kri­tik am ex­pli­zi­ten Links­kurs der US-Kan­di­da­ten Ber­nie San­ders und Eliz­a­beth War­ren neue Nah­rung. Bei­de elek­tri­sie­ren zwar jun­ge, pro­gres­si­ve Wäh­ler, nicht je­doch die Un­ab­hän­gi­gen – im­mer­hin ein Drit­tel der Wäh­ler­schaft. Für Ja­mes Car­vil­le, den Wahl­kampf­ma­na­ger Bill Cl­in­tons, dem der Slo­gan „It’s the eco­no­my, stu­pid“zu­ge­schrie­ben wird, ist das La­bour-Fi­as­ko ein Warn­si­gnal für die US-Wahl im No­vem­ber. Auch Ba­rack Oba­ma warn­te neu­lich vor ei­nem ideo­lo­gi­schen „Rein­heits­test“und da­vor, das Sys­tem um­krem­peln zu wol­len. Mo­de­ra­te wie Joe Bi­den, Pe­te But­ti­gieg oder Michael Bloomberg füh­len sich in ih­rem Mit­te­kurs voll­auf be­stä­tigt.

But­ti­gieg, der 37-jäh­ri­ge Au­ßen­sei­ter, setz­te sich in­des­sen in Io­wa und New Hamp­shire, den Bun­des­staa­ten, die im Fe­bru­ar die ers­ten Vor­wah­len ab­hal­ten, an die Spit­ze. Prompt sieht sich „Mayor Pe­te“, der ho­mo­se­xu­el­le Bür­ger­meis­ter von South Bend in In­dia­na, Atta­cken we­gen sei­ner Un­er­fah­ren­heit aus­ge­setzt. War­ren kri­ti­sier­te ihn we­gen ei­nes Spen­dend­in­ners mit Mil­li­ar­dä­ren in ei­nem Wein­kel­ler im ka­li­for­ni­schen Na­pa Val­ley.

Bi­den und San­ders lie­fern ein­an­der mo­men­tan ein Du­ell um Platz zwei, und in New Hamp­shire könn­te wo­mög­lich be­reits ei­ne Vor­ent­schei­dung fal­len. Im Neu­eng­land-Staat im Nord­os­ten ha­ben die bei­den Links­li­be­ra­len aus dem an­gren­zen­den Ver­mont und Mas­sa­chu­setts ei­ne star­ke Haus­macht. Nach der Vor­wahl könn­te der Druck stei­gen, dass ei­ner zu­guns­ten des an­de­ren ver­zich­tet.

Wäh­rend­des­sen hat sich New Yorks Ex-Bür­ger­meis­ter Michael Bloomberg, dem San­ders wie War­ren vor­wer­fen, die Wahl „kau­fen“zu wol­len, noch nicht ak­tiv in den Wahl­kampf ein­ge­schal­tet. Der 77-jäh­ri­ge „Spät­star­ter“hält 100 Mil­lio­nen Dol­lar für ei­ne An­zei­gen­kam­pa­gne be­reit. Er will erst am Su­per Tu­es­day am 3. März, wenn die Pri­ma­ries in den be­völ­ke­rungs­reichs­ten Bun­des­staa­ten mit den meis­ten De­le­gier­ten­stim­men, in Ka­li­for­ni­en und Te­xas über die Büh­ne ge­hen, mit­mi­schen. Ei­ne ris­kan­te Stra­te­gie.

Im Jän­ner bie­tet das Im­peach­ment in Wa­shing­ton den Se­na­to­ren San­ders, War­ren, Co­ry Boo­ker und Amy Klo­buchar die Chan­ce zur Pro­fi­lie­rung. Es hält sie je­doch vom Wahl­kampf fern. Sie über­las­sen das Feld Bi­den und But­ti­gieg – oder schi­cken Alex­an­dria Oca­sio-Cor­tez, die pro­gres­si­ve Ga­li­ons­fi­gur, für Bi­den oder Hol­ly­wood-Star Ro­sa­rio Daw­son, die Freun­din Boo­kers, an die Wahl­front. Die aus­ge­schie­de­ne Ka­ma­la Har­ris, Num­mer eins un­ter den Vi­ze­prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten, punk­te­te der­weil schon mit ei­nem Gast­kom­men­tar in der „New York Ti­mes“. Als Ex-Staats­an­wäl­tin ste­hen ihr gro­ße Auf­trit­te im Se­nat be­vor.

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