„No­vo­ma­tic bleibt si­cher in Ös­ter­reich“

In­ter­view. No­vo­ma­tic-Chef Ha­rald Ne­u­mann spricht erst­mals zur Cau­sa Glücks­spiel: War­um er von FPÖ­ler Pe­ter Sid­lo so über­zeugt war und war­um er Ca­si­nos-An­tei­le an die Tsche­chen ver­kauft.

Die Presse - - ECONOMIST -

Das ist al­les re­la­tiv. Aber es ist kein Ver­lust­ge­schäft.

Wir wol­len den Weg für ei­ne kla­re Be­tei­li­gungs­struk­tur eb­nen. Das ist ei­ne lo­gi­sche Kon­se­quenz, weil in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren nie klar war, wer in dem Un­ter­neh­men das Sa­gen hat – das hat man ja bei Haupt­ver­samm­lun­gen, bei Vor­stands­be­stel­lun­gen ge­se­hen. Und letzt­lich hat das zur Läh­mung des Un­ter­neh­mens ge­führt. Da uns da­mals vom Kar­tell­ge­richt un­ter­sagt wur­de, je­mals wei­te­re An­tei­le an den Ca­si­nos zu er­wer­ben, ha­ben wir uns ent­schie­den aus­zu­stei­gen.

Wir wuss­ten, dass Saz­ka kon­kre­tes In­ter­es­se an ei­nem Zu­kauf hat, des­halb war sie auch un­ser ers­ter An­sprech­part­ner. Au­ßer­dem ist es letzt­lich ir­re­le­vant, wem wir An­tei­le zu­erst an­bie­ten, weil an­de­re Mit­ei­gen­tü­mer ja von ih­rem Vor­kaufs­recht Ge­brauch ma­chen und im Ver­hält­nis ih­rer be­ste­hen­den An­tei­le zu­kau­fen kön­nen.

Die Saz­ka ist von der Ei­gen­tü­mer­struk­tur klar auf­ge­stellt. Da gibt es ei­nen Herrn, der ent­schei­det. Bei der Öbag wä­re der Ent­schei­dungs­pro­zess der­zeit si­cher we­sent­lich kom­pli­zier­ter ge­we­sen. Au­ßer­dem hät­te die Öbag oh­ne Be­schluss der Bun­des­re­gie­rung un­se­re 17,2 Pro­zent gar nicht zu­kau­fen kön­nen, da das ei­ne Be­tei­li­gung von mehr als 50 Pro­zent zur Fol­ge ge­habt hät­te.

Wir ha­ben ein­fach ei­ne lo­gi­sche Ent­schei­dung ge­trof­fen.

Weil wir uns sei­ner­zeit im Prä­si­di­um der Ca­si­nos Aus­tria dar­auf ge­ei­nigt ha­ben, dass je­der ei­nen Vor­schlag zur Pos­ten­be­set­zung im Vor­stand ma­chen darf. Und ich bin der Mei­nung, dass man zu ei­ner Ver­ein­ba­rung, die Ei­gen­tü­mer ge­trof­fen ha­ben, ste­hen soll. Wir ha­ben eben Pe­ter Sid­lo vor­ge­schla­gen. Nur weil er plötz­lich ei­nem Ei­gen­tü­mer nicht passt, kann man nicht ein­fach sa­gen: Dann nicht.

Das stimmt von der Chronologi­e her nicht ganz. Wir ha­ben zu­nächst Pe­ter Sid­lo vor­ge­schla­gen. Um je­doch die so­dann auf­kom­men­den Dis­kus­sio­nen zu ver­mei­den, ha­ben wir zu­sätz­lich auch ei­nen Re­ser­vekan­di­da­ten aus dem ei­ge­nen Haus no­mi­niert – was wir zu­nächst noch ver­mei­den woll­ten, da hier im­mer das Ri­si­ko ei­ner In­ter­es­sen­kol­li­si­on mit­schwingt oder es zu kar­tell­recht­li­chen Pro­ble­men kommt. Nach­dem sich dann aber die Öbag ent­schlos­sen hat, uns zu un­ter­stüt­zen, ha­ben wir den Kan­di­da­ten aus un­se­rem Haus zu­rück­ge­zo­gen.

Doch. Es war ein An­lie­gen, im Vor­stand die In­ter­es­sen der Ca­si­nos Aus­tria so­wie die ös­ter­rei­chi­schen In­ter­es­sen zu si­chern.

Theo­re­tisch ja. Aber man muss schon ganz of­fen sa­gen: Der Vor­stands­job bei den Ca­si­nos Aus­tria ver­langt auf­grund der Rah­men­be­din­gun­gen auch ein po­li­ti­sches Ver­ständ­nis. Es gibt meh­re­re Ei­gen­tü­mer, ei­nen re­la­tiv star­ken Be­triebs­rat, das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um als Glücks­spiel­be­hör­de. Da ist es al­so schon gut, wenn man weiß, wie Po­li­tik in Ös­ter­reich funk­tio­niert. Der frü­he­re Ca­si­no­sChef Alexander La­bak hat­te hier kei­ne Er­fah­rung und ist letzt­lich auch dar­an ge­schei­tert. Des­halb war ich auch vor die­sem Hin­ter­grund da­von über­zeugt, dass Pe­ter Sid­lo der Rich­ti­ge ist.

Wir hat­ten uns ja schon für ei­nen Kan­di­da­ten ent­schie­den.

En­de Jän­ner war be­reits klar, dass Pe­ter Sid­lo von zwei Ca­si­nos-Ei­gen­tü­mern un­ter­stützt wird. Wie­so soll ich ei­nen an­de­ren neh­men?

Aber ich las­se mir doch nicht von ei­nem Ei­gen­tü­mer (Saz­ka, Anm.) ei­nen Kan­di­da­ten raus­schie­ßen.

Mir ist es schon ums Prin­zip ge­gan­gen. Wir hat­ten ei­ne Ver­ein­ba­rung, wo­nach je­der ei­nen Kan­di­da­ten vor­schla­gen kann. Die Saz­ka hat sich nicht dar­an­ge­hal­ten – mit dem fal­schen Ar­gu­ment, Sid­lo sei nicht ge­eig­net.

Wir ha­ben im­mer ge­wusst, dass ei­ne der­ar­ti­ge Ver­qui­ckung schlicht­weg nicht mög­lich ist. Des­we­gen kann es auch nicht sol­che Ver­spre­chun­gen ge­ge­ben ha­ben.

Wir ha­ben ei­nen nicht rechts­kon­for­men Zu­stand. Es gibt seit 2014 ein Glücks­spiel­ge­setz, wo­nach Li­zen­zen aus­zu­schrei­ben sind. Na­tür­lich war es mein An­lie­gen, die­ses The­ma mit ei­nem neu­en Re­gie­rungs­part­ner grund­sätz­lich zu be­spre­chen. Im kon­kre­ten Fall ha­ben wir das dann nicht wei­ter­ver­folgt. Im Üb­ri­gen war die­ses The­ma auch nicht im Re­gie­rungs­pro­gramm ent­hal­ten.

Fi­nanz­mi­nis­ter Hart­wig Lö­ger hat sei­ner­zeit sehr ein­deu­tig ge­sagt, dass er nicht vor­hat, die ver­blei­ben­den Li­zen­zen aus­zu­schrei­ben. Wir ha­ben au­ßer­dem ge­wusst, dass es tech­nisch kaum mög­lich ist, On­li­ne­li­zen­zen aus­zu­schrei­ben. Mitt­ler­wei­le ist auch all­ge­mein be­kannt, dass über­haupt nicht dar­an ge­dacht war, vor 2027 et­was aus­zu­schrei­ben. Da ist es doch völ­lig ab­we­gig, dass wir Pe­ter Sid­lo ei­nen Drei­jah­res­ver­trag er­mög­li­chen, um mög­li­cher­wei­se 2027 an ei­ner Li­zenz­aus­schrei­bung teil­neh­men zu dür­fen. Kein Po­li­ti­ker Ös­ter­reichs kann No­vo­ma­tic ei­ne Glücks­spiel­li­zenz zu­sa­gen, schon gar nicht über die­sen Zeit­ho­ri­zont.

Die Saz­ka hat im­mer be­haup­tet, dass wir ir­gend­wel­che Li­zenz­wün­sche im Hin­ter­grund hät­ten. Ich ha­be da­her den Tho­mas Schmid ge­be­ten, mir ein Schrei­ben zu schi­cken, aus dem klar her­vor­geht, dass das eben nicht mög­lich ist. Aus dem Schrei­ben er­gibt sich ein­deu­tig, dass die On­li­ne­li­zenz an der Lot­te­rie­li­zenz hängt – und dass ei­ne ge­setz­li­che Ent­flech­tung na­he­zu un­mög­lich ist. Zu­dem gibt es den ver­fas­sungs­recht­li­chen Ver­trau­ens­schutz. Das heißt, die Ca­si­nos Aus­tria dür­fen dar­auf ver­trau­en, dass ihr Mo­no­pol bis 2027 nicht auf­ge­bro­chen wird. Es ist doch völ­lig rea­li­täts­fremd an­zu­neh­men, dass Fi­nanz­mi­nis­ter Lö­ger ein Ge­setz zum Nach­teil der Ca­si­nos Aus­tria än­dert. Und da­mit qua­si sein ei­ge­nes Un­ter­neh­men schä­digt, in­dem wei­te­re Li­zen­zen aus­ge­schrie­ben wer­den.

Was Lö­ger da­mals ge­macht hat, war das ein­zig Ver­nünf­ti­ge. Es hat ja schon mas­si­ve Kri­tik an der be­vor­ste­hen­den Be­stel­lung Sid­los ge­ge­ben. Und der Fi­nanz­mi­nis­ter woll­te von uns wis­sen, ob und war­um Sid­lo un­ser Kan­di­dat ist. Da­nach hat er be­ru­hi­gend auf die Si­tua­ti­on ein­ge­wirkt.

Es gibt ei­ne ein­zi­ge Be­hör­de – und das ist die Glücks­spiel­be­hör­de –, die das Vor­lie­gen der Qua­li­fi­ka­ti­on zu be­ur­tei­len hat. Das ist ei­ne

Fa­ch­or­ga­ni­sa­ti­on, die im Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um sitzt. Und die hat Sid­lo glücks­spiel­recht­lich ge­neh­migt. Üb­ri­gens: Es hat kein ein­zi­ger Vor­stand der Ca­si­nos Aus­tria – mit Aus­nah­me der jet­zi­gen Che­fin, Bet­ti­na Glatz-Krems­ner – je­mals Glücks­spiel­un­ter­neh­men ge­lei­tet. Das Ein­zi­ge, was Per­so­nal­be­ra­ter Egon Zehn­der bei Sid­lo be­an­stan­det hat, ist die man­geln­de Er­fah­rung als Füh­rungs­kraft. Sid­lo ist Ju­rist und hat den Fit-&-Pro­perTest der Fi­nanz­markt­auf­sicht. Und da traut man ihm nicht zu, ei­nen 60-Mann-Fi­nanz­be­reich bei den Ca­si­nos zu füh­ren? Lä­cher­lich.

Ja, und ich bin es im­mer noch.

Nein.

[ Cle­mens Fa­b­ry ]

Ne­u­mann im In­ter­view: „Ich wä­re schon längst weg.“

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